Fußball

1000 Tage Günter Kreissl: Ein Glücksfall für Sturm Graz

Mit 1.Mai 2016 trat Günter Kreissl die Nachfolge von Gerhard Goldbrich als Sportvorstand bei Sturm Graz an. Nach sieben schweren Jahren bei Wr.Neustadt in drei Funktionen: Zunächst Tormanntrainer wie zuvor bei Austria in der Aera von Karl Daxbacher, als der nunmehrige ÖFB-Sportchef Peter Schöttel, dann Peter Stöger und Heimo Pfeifenberger die Niederösterreicher trainierten. Dann Sportchef, am Ende Trainer und Sportchef. Das ging an die Belastungsgrenze des 44jährigen Wieners, die sehr hoch ist. Die tausend Tage in Graz lieferten für den ehrgeizigen und auch etwas impulsiven Kreissl immer wieder Grund, sich zu ärgern oder sogar aus der Haut zu fahren. Aber er bleibt als ehemaliger Tormann von Austria, Admira, Vienna und DSV Leoben nach Niederlagen eben nicht liegen, sondern steht immer wieder auf, kämpft weiter. Auch das ist eine Qualität. Das letzte Beispiel: Er ärgerte sich nur kurz, dass er zwei Monate mit dem Abwehrspieler Albert Vallci verhandelte, der sich dann aber Meister Red Bull Salzburg  entschied. Zwei Tage später präsentierte er lächelnd gemeinsam mit Thomas Tebbich, dem Wirtschafts-Geschäftsführer (Bild oben links) U 21-Teamspieler Arnel Jakupovic als neue Stürmerhoffnung.

In den 1000 Tagen mit Kreissl belegte Sturm 2017 Platz drei hinter Salzburg und Austria, wurde 2018 Vizemeister und Cupsieger. Das sagt alles. Dass es nach diesem Highlight nicht mehr so lief, es in der Qualifikation zur Europa League die blamablen Pleiten gegen AEK Larnaca aus Zypern (0:2, 0:5) gab, er im Herbst dann den im Frühjahr erfolgreichen Trainer Heiko Vogel nicht mehr halten konnte, beschäftigt ihn noch immer. Es zieht sich wie ein roter Faden durch Kreissls Tätigkeit bei Sturm: Von den finanziellen Möglichkeiten kommt Sturm nicht mit Salzburg sowie den Wiener Klubs mit. Und finanzielle Abenteuer zu fordern, ist nicht Kreissls Sache. Es gehört auch nicht zu seiner Fußballwelt, dass Spieler erfolgreiche Kapitel in Graz beenden, gute Perspektiven ignorieren, für mehr Geld lieber in eine unsichere Zukunft  nach Wien oder  Salzburg oder woanders gehen.

Wie etwa beim 17jährigen Romano Schmid, der in Salzburg nicht glücklich wurde, jetzt von Werder Bremen geholt wurde, aber nach Holland verliehen werden soll. Wobei sich bisher noch kein Abnehmer fand. Aber solche Fälle musste Kreissl in den 1000 Tagen nicht nur einmal zur Kenntnis leben. Ein Beispiel dafür: Uros Matic, der jetzt bei Austria engagierte serbische Mittelfeldspieler, Bruder des Manchester United-Stars Nemanja. Er bekam im Dezember 2016 ein Angebot des FC Kopenhagen, das finanziell über dem von Sturm stand, woltle nicht in Graz bleiben. Sturm konnte sich mit einer Millionenablöse trösten, Matic scheiterte in Kopenhagen, spielt auch bei Austria nicht so dominant wie früher bei Sturm. Mit Franco Foda musste Kreissl im Dezember 2017 auch den erfolgreichen Trainer ersetzen, weil er die Chance, Österreichs Teamchef zu werden, nützte. Wofür alle Verständnis zeigten. Foda übergab Sturm als Winterkönig mit einem Punkt Vorsprung auf Salzburg, die ersten zwei Runden mit Nachfolger Vogel endeten mit  Niederlagen gegen Mattersburg und Wolfsberg. Aber die Saison endete mit dem Highlight Cupsieg.

Von da lief nichts mehr.  Mit Deni Alar entschloss sich der Kapitän und beste Torschütze knapp vor Saisonstart wegen eines Vierjahresvertrags für die Rückkehr zu Rapid, wohin auch Marvin Potzmann wechselte. James Jeggo, Bright Edomwonyi uns  Christian Schoissengeyr sahen ihre Zukunft bei Austria. Sturm kam ins Trudeln, erst mit dem Trainerwechsel zu Roman Mählich gelang es die Mannschaft zu stabilisieren. Aber die Qualifikation für die obere Play-off ist noch nicht in trockenen Tüchern. Und dennoch durfte Teamspieler Peter Zulj nach Brüssel zu Anderlecht. Der Transfer der 1000 Tage, der Sturm das meiste Geld brachte. Daher auch ohne Widerstand von Kreissl und Mählich über die Bühne ging.

Kreissls Respekt vor Sturm Graz war schon immer groß. Aber seit er merkte, wie vielen Menschen dieser Klub am Herzen liegt, wuchs er noch entscheidend: „Einen Titel mit diesem Klub zu gewinnen, ist daher das größte.“ Geschehen am 9.Mai 2018 in Klagenfurt durch das 1:0 im Cupfinale gegen Salzburg. Damals entrollten die Sturm-Fans ein Transparent, auf dem sie Kreissl mit den Worten „du bist ein Glücksfall für unseren Klub“ dankten. Dem ist nicht mehr hinzuzufügen.  Auch wenn Sturm in dieser Saison keinen Titel gewinnen wird. Und sich schon die nächsten Probleme mit Stammspielern abzeichnen, denen Sturm nicht mehr attraktiv genug ist:  Innenverteidiger Lukas Spendlhofer und U21-Teamspieler Sandi Lovric.

Es passte sehr gut zu Workoholic Kreissl, dass an seinem 1000.Tag in Belek Sturm mit zwei Mannschaften zwei Tests bestritt, beide gewann: Zuerst 3:1 (0:0) gegen Dunajska Streda, die slowakische Mannschaft von Ex-Sturm-Trainer Peter Hyballa, wobei Jakupovic bei seinem zweiten Match bei den Grazern für den zweiten Hattrick sorgte. Und dann 2:1 (1:0) gegen Lech Posen, wobei Ex-Rapidler Thomas Schrammel mit einem direkt verwandelten Eckball für die Führung sorgte, auch der Hartberg zurückbeorderte Ivan Ljubic traf.

 

Foto: © SK Sturm Graz Media.

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