Fußball

20.000 Glasner-Fans kommen zum Finale nach Leipzig

Die Fassade des Leipziger Zentralstadions hat sich gegenüber den DDR-Zeiten kaum verändert. Dort, wo Österreichs Fußballteam vor einem Jahr im Achtelfinale der Europameisterschaft eine bittere Enttäuschung erlebte, gegen die Türkei unnötig 1:2 verlor, kann sich Mittwochabend Oliver Glasner in seinem letzten Match mit Crystal Palace nochmals krönen: So wie 2022 mit Eintracht Frankfurt durch den Triumph im Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers in Sevilla, wie letztes Jahr mit dem Traditionsklub aus dem Süden Londons mit dem 1:0-Finaltriumph im Finale des FA-Cups gegen Manchester City und Pep Guardiola und zwei Monate später ebenfalls in Wembley durch den Sieg gegen Meister Liverpool im Duell um den Community Shield. Mittwoch kann es im Endspiel der Conference League gegen Rayo Vallecano, den Verein aus dem Vorort von Madrid, bei dem Anfang der Neunzigerjahre Toni Polsters Tore für Aufsehen sorgten, der dritte Titel in zwei Saisonen werden. Vor Glasners Ära war Crystal Palace nicht mehr als ein Durchschnittsverein.

„Ich bin jetzt ein Süd-Londoner“, sagte Glasner, als ihn die Crystal-Palace-Fans  am Sonntag bei seinem letzten Spiel im Selhurst-Park mit Gesängen feierten. Nicht weniger als 20.000 kommen nach Leipzig. Die Fluglinie Sun-Express änderte an den Maschinen mit den Fans die Lackierung. Auf allen ist der Adler aus dem Klubwappen der „Eagles“ zu sehen. Schon unglaublich, was Glasner alles in Bewegung setzt. Welchen Klub er nächste Saison trainiert, interessierte ihn zuletzt wenig bis gar nicht. Er dachte nur an das Finale. Das jüngste Gerücht um ihn heißt Milan. Weil dort die US-Besitzer die komplette sportliche Führungsgarnitur wegen des Verpassens der Champions League feuerte. Aber Glasners Ziel ist ein Topklub in England. Dafür würde er sogar eine Wartezeit über einige Monate in Kauf nehmen.

Crystal Palace geht als klarer Favorit in das vom Italiener Maurizio Moriani geleitete Endspiel zwischen dem 15. der Premier League und dem Achten der spanischen La Liga,  das in Österreich nur via Canal+ live zu sehen ist. Beide brauchen also den Finalsieg, um nächste Saison wieder international mitspielen zu können.  Bei Glasners Mannschaft ist viel Bundesliga-Verbundenheit dabei: Abwehrchef Maxence Lacroix trainierte bereits bei Wolfsburg,  Verteidiger Chris Richards war bei Bayern, der Japaner Daichi Kamada unter Glasner bei Frankfurt, Jean Philippe Mateta stürmte früher bei Mainz. Acht Spieler aus der Startelf stehen im WM-Kader: Bei Frankreich Lacroix und Mateta, bei Kolumbien Verteidiger Daniel Munoz und Mittelfeldspieler  Jefferson Lerma, bei den USA Richards, bei Japan Kamada, bei Senegal Torjäger Ismaila Sarr und bei England Glasners Kapitän im Tor, Dean Henderson. Dazu zwei ehemalige Stützen Glasners, die verkauft wurden: Marc Guehi an Manchester City und Eberechi Eze an Meister Arsenal.

Crystal  Palace gewann von den letzten zehn Partien nur zwei, die Semifinalspiele gegen Schachtar Donzek. Rayo Vallecano ist seit einem Monat ungeschlagen (sechs Siege, drei Unentschieden). Trainer Inigo Perez, von dem es heißt, er könnte Glasners Nachfolger bei Crystal Palace werden, hat mit den Spaniern Jorge de Frutas und Alvaro sowie dem Brasilianer Alemao gefährliche Torjäger. Aber Glasners Mannschaften zeichnet seit Jahren eines aus: In den entscheidenden Spielen sind sie voll da!

Foto: UEFA.

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