Heute ist kein echtes Derby. Das stand auf einem großen Transparent, das unübersehbar sozusagen zu ebener Erd´ vor dem Fansektor der Austria hing. Weitere Transparente im ersten Rang lieferten die Gründe, warum dies die violette Fanszene so sah. Weil es keine Pyrotechnik gab, keine Choreographien, keine „Gegner“ im Gästesektor, weil ja keine Rapid-Fans ins Stadion durften. Es wurden sogar Zettel verteilt, auf denen gegen den Ausschluss der Gästefans und gegen Stadionverbote Stellung genommen wurde. Das passierte auch durch Sprechchöre. Keine Pyrotechnik, keine Choreographien, irgendwie eine „gedämpfte“ Stimmung. Mitunter war es nicht so laut wie vier Tage zuvor beim Youth League-Spiel von Rapid in Hütteldorf gegen Atletico Madrid. Als Rapid in Führung ging, jubelte im Stadion nur die Rapid-Betreuerbank sowie die Videoanalysten auf der Medientribüne.
Obwohl es kein echter Derbysieg war, freuten sich am Ende die 15.300 Austria-Fans in der nicht restlos ausverkauften Generali-Arena über das 2:1 (1:1) dennoch wie die Spieler, Trainer und Betreuer. Stephan Helm, der zweifache Torschütze Dominik Fitz (Bild) nach seinem 150. Bundesligaspiel, Aleksandr Dragovic & Co zogen wie zur Bestätigung zum Jubel vor den Fans violette T-Shirts mit der Aufschrift „Derbysieger“ an. Der Erfolgslauf geht weiter: Durch den elften Sieg in den letzten zwölf Spielen, in denen es eine Niederlage, das neunte gewonnene Heimspiel hintereinander, zog die Austria sogar mit Tabellenführer Sturm Graz gleich, ist nur wegen der um acht Treffer schlechte Tordifferenz Zweiter. Wer hätte das vor zwei Wochen gedacht? Derzeit sieht es sogar danach aus, als hätte die Austria durchaus Chancen auf das Double. Doch das Wort „Titel“ nimmt weiter keiner in den Mund. Aber am nächsten Samstag gegen Red Bull Salzburg ist die Austria im eigenen Stadion erstmals seit Jahren nicht Außenseiter, sondern eher Favorit.
„Wir haben unser erstes Ziel, in die Meisterrunde zu kommen, erreicht“, übte sich Trainer Stephan Helm in Understatement, meinte aber gleichzeitig: „Es braucht sich kein Austria-Fan Sorgen machen, wir sind schon ambitioniert genug“. Für Austria spricht auch der herausragende Teamspirit. Wie Dragovic trotz Schmerzen durchhielt, war schon beeindruckend. Es war bereits zum 14. Mal in dieser Saison, dass die Austria einen Rückstand aufholen konnte. Bei aller Freude, stellte Helm aber trocken fest: „Besser wäre es, wir würden nicht so oft in Rückstand geraten!“
Foto: Gepa Admiral.