Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 60

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Kurz nach der Rauswurf bei der Austria, hatten der damalige ORF-Sportchef Elmar Oberhauser und sein Stellvertreter, der mit Herbert Prohaska befreundete Hans Huber, die Idee, Prohaska könnte abwechselnd mit Hans Krankl und Michael Konsel bei der EURO 2000 die Spiele aus Holland und Belgien analysieren. Da es durchwegs positive Reaktionen gab, ging es weiter. In der Champions League und bei Spielen der Nationalmannschaft. Aus den ausgemachten wenigen Monaten bis zum nächsten Engagement als Trainer wurden mittlerweile 25 Jahre. Das längste Kapitel seiner Karriere. Niemals wäre Prohaska am Beginn seiner Spielerzeit die Idee gekommen, dass er einmal Geld als TV-Experte verdienen würde. Von Beginn an erkämpfte Prohaska ein Privileg: Seit seiner Zeit in Mailand und Rom war er es gewohnt, im Sommer keine Socken zu tragen. Als er darauf hingewiesen wurde, dass beim ORF für alle Mitarbeiter Sockenpflicht gilt, lehnte er das kategorisch ab. Den Krawattenzwang, um ihn als seriösen Herren zu präsentieren, nahm er in Kauf. Inzwischen gibt es den aber auch nicht mehr.

Durch den ORF-Job verlor Prohaska eines seiner Markenzeichen, den Schnurrbart. Vor dem Finale der WM 2006 wettete er, dass Italien das Berliner Endspiel gegen Frankreich nicht gewinnen wird. Es passierte doch. Und dem fiel noch im Studio nach 32 Jahren der Schnurrbart zum Opfer. Einen neuen ließ er sich nicht mehr wachsen. Viele warfen und werfen dem ORF-Experten Prohaska vor, nicht giftig zu analysieren, ähnlich wie früher der ehemalige deutsche Topstar Günter Netzer in der ARD. Prohaska nahm sich Netzer zum Vorbild, aber es gab doch einen Unterschied: Netzer war nie Trainer oder Teamchef wie Prohaska. Daher fühlt Prohaska mit, was in den Kollegen vorging, Netzer kannte diese Hemmschwelle nicht. Prohaskas Nachfolger als Teamchef, Otto Baric bedankte sich bei Prohaska mehrmals für seine fairen Kommentare. Prohaskas Welt ist die sachliche Kritik, keine Polemik.

Daran hat sich in 25 Jahren nichts geändert. Andere Dinge schon. Der ORF, der für Prohaska eine Art Familie bedeutet, hat keine TV-Rechte mehr für die Europacupbewerbe, kann nur Qualifikationsspiele zeigen. Vor der heimischen Bundesliga gab es zuletzt nur zwei Live-Spiele, künftig sollen es vier werden. Welt- und  Europameisterschaften müssen mit Servus TV geteilt werden. Daher gibt es nur noch reduzierte Einsätze. Er hat das Gefühl, dass mit mehr Professionalisierung etwas die Menschlichkeit verloren geht, versteht mitunter manches nicht, was plötzlich als modern gilt. Etwa vor Anpfiff im Kabinengang neben den Mannschaften zu stehen.

Prohaska spielt mit dem Gedanken, nach dem Finale der WM 2026 den ORF-Job zu beenden. Entschieden ist noch nichts. Kult ist hingegen, dass am Ende der Sendung der Moderator, meist Rainer Pariasek, den er für einen der Besten im Land hält, ihm das Mikrofon überlässt und er den Zuschauern eine „Guuuute Nacht“ wünscht. Sollte er nächstes Jahr aufhören, wird das allen abgehen. Mitunter wird Prohaska sogar über die Straße „Gute Nacht“ zugerufen.

 

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