Vier Tage nach dem übertriebenen Jubel über einen 10:0-Rekordsieg gegen San Marino, den Letzten der Weltrangliste samt Huldigungen für den Rekordtorschützen Marko Arnautovic landete Österreichs Fußballteam ganz hart am Boden der Tatsachen. Mit dem 0:1 (0:0) gegen Rumänen durch ein Tor in der 95. Minute vor 40.000 Zuschauern, darunter tausend Fans aus Österreich, in der Arena Nazionale, der ersten Niederlage nach fünf Siegen in der WM-Qualifikation, der ersten seit dem 0:2 gegen Serbien in Belgrad im März, dem Scheitern im Play-off um den Aufstieg in der Nations League. 19 Tore erzielte Österreich seit damals, Sonntag erstmals seit sieben Monaten keines. In 95 Minuten gelang nur einen gefährlichen Torschuss durch Marcel Sabitzer nach 49 Minuten.
Vier Umstellungen gab es gegenüber Donnerstag. Alexander Schlager, Philipp Lienhart, Philipp Mwene und Christoph Baumgartner kamen rein, Arnautovic blieb draußen, wärmte nur auf. Auch er hätte sicher in dem kampfbetonten Siel mit vielen Zweikämpfen, in denen die Rumänen aggressiver waren, nichts bewegt. So wie auch Michael Gregoritsch oder Baumgartner oder Romano Schmid. Die Österreicher kamen nie richtig in die Gänge, agierte nie so wie in einem Heimspiel, wie es Teamchef Ralf Rangnick sehen wollte. Sie reagierten meist nur, statt zu agieren. In Ballbesitz passierten zu viele unerzwungene Fehler. Auch im Zentrum, bei Nicolas Seiwald und Konrad Laimer. Selbst der normal souveräne Kapitän Alaba patzte mitunter im Spielaufbau. Daher konnte er einmal einen Konter nur durch ein Foul, bekam deshalb vom italienische Referee Davide Massa die gelbe Karte, ist daher ebenso wie Philipp Mwene beim nächsten Spiel auf Zypern gesperrt. Es kam nie Ruhe ins Spiel. Auch nicht mit Florian Grillitsch für Baumgartner.
Als alles schon nach 0:0 aussah, mit dem Österreich auch gut leben hätte können, kam noch der Tiefschlag. Die vierminütige Nachspielzeit war schon vorbei, als Alexander Prass, der statt des nach einer gelben Karte ausschlussgefährdeten Philipp Mwene kam, Eindhoven-Legionär Dennis Man nicht stoppen konnte. Dessen Flanke wurde zwar geklärt, aber es kam noch eine. Bei der stand der aufgerückte Innenverteidiger Virgil Ghita vom deutschen Zweitligisten Hannover frei, kam frei zum Kopfball, was nicht passieren darf. Das war die vermeidbare Niederlage. Bis dahin hatten die Rumänen nur zwei wirkliche gefährliche Situationen: Einmal rettete die Stange, einmal Torhüter Alexander Schlager. „Wir waren nicht wach genug“, kritisierte Ex-Teamstürmer Martin Harnik als ServusTV-Experte.
Rangnick nannte die Niederlage „deppert“, weil in der Nachspielzeit versucht wurde, sich nochmals vorne durchzukomponieren statt das 0:0 runter zu spielen. Dennoch hat Österreich bei zwei Punkten Vorsprung auf Bosnien weiter vor den November-Spielen auf Zypern und gegen Bosnien im ausverkauften Happel-Stadion alles selbst in der Hand. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, gestand Alaba, „aber wir sind selbstbewusst genug, um nicht mehr anbrennen zu lassen“. Allerdings muss dazu eine deutliche Steigerung gelingen. Gewinnt Bosnien in Zenica gegen Rumänien, gibt es am 18. November im ausverkauften Happel-Stadion ein Finale um den Gruppensieg gegen Bosnien.
Foto: UEFA.