Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Bayern München, mit 20 Titeln der deutsche Rekord-Pokalsieger, flog in der zweiten Runde beim 15. der dritten Liga, dem FC Saarbrücken, durch ein Tor in der 96. Minute mit 1:2 (1:1) raus. Die Blamage erinnerte an die fast schon vergessene vor 29 Jahren, als Bayern in der ersten Runde beim Amateurklub Vestenbergsreuth 0:1 verlor. Die „Wiederholung“ bezeichnete Thomas Müller, der in Saarbrücken nach 16 Minuten die Führung erzielte, als „brutalen Schlag“. Drei Tage vor dem Spitzenspiel in Dortmund. Die Borussia schlug Hoffenheim 1:0 (0:0), wobei Marcel Sabitzer erst ab der 83. Minute spielte. Bei Bayern herrscht hingegen das Riesen-Chaos. Auch wegen Personalproblemen in der Abwehr. Wie es aussieht, dürfte mit dem Südkoreaner Minjae Kim nur ein Innenverteidiger zur Verfügung stehen.
Bayern schafft im Pokal seit dem Triple 2020 (damals noch mit David Alaba) nichts mehr. Im Frühjahr gab es im Achtelfinale im ersten Spiel unter Trainer Thomas Tuchel die 1:2-Heimpleite gegen Freiburg. In den zwei Saisonen zuvor schieden die Bayern so wie Mittwoch jeweils in der zweiten Runde aus. Durch ein 0:5-Debakel in Mönchengladbach, als dort Adi Hütter Trainer war, zuvor durch eine Niederlage im Elfmeterschießen bei Zweitligist Holstein Kiel. Am tiefen Rasen in Saarbrücken schonte Tuchel von Beginn an Torjäger Harry Kane, Konrad Laimer, Jamal Musiala, Kingsley Coman und Noussair Mazraoui. Laimer musste schon nach 24 Minuten auf den Rasen, weil Innenverteidiger Matthijs de Ligt sich am Knie verletzte. Also musste Kimmich, der in Dortmund gesperrt ist, zurück ins Abwehrzentrum, Laimer ersetzte ihn im Mittelfeld. Da führte Bayern noch 1:0. Saarbrückens Ausgleich fiel in der ersten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte. In der zweiten vergab Bayern drei Topchancen zur Führung. Tuchel wechselte weiter, ließ jedoch Kane weiter auf der Tank, tobte, stellte das System. auf Dreierabwehr um. Als alles schon nach einer Verlängerung aussah, schaffte Saarbrücken aus einem Konter das Tor zur Riesensensation (Bild). Da gab es auch für Manuel Neuer nichts zu halten. Das zweite Spiel bei seinem Comeback brachte die Riesenblamage. Somit ist wieder nur ein nationaler Titel möglich. Die Diskussionen um Tuchel werden wieder Fahrt aufnehmen. Der meinte: „Es gibt 100 Erklärungen oder vielleicht auch keine!“
So wie Laimer scheiterten Mittwoch auch andere österreichische Teamspieler. Michael Gregoritsch und der zur Pause ausgetauschte Junior Adamu verloren mit Freiburg daheim gegen Zweitligist Paderborn 1:3 (0:2). Abwehrchef Philipp Lienhart wurde erst eingewechselt, als Paderborn 2:0 führte. Karim Onisiwo ging mit Mainz im Berliner Olympiastadion gegen Zweitligist Hertha BSC mit 0:3 (0:1) unter. Zwei Treffer der Sieger erzielt der Ex-Austrianer Haris Tabakovic.