Fußball

Anschober verzögert Neustart, macht alles schwieriger

Die Corona-Auswirkungen sorgen quer durch Europa für Aufregung: In Frankreich ernannte der Ligaverband LFP zwei Tage nach dem Abbruch der Ligue 1 durch die Politik den überlegenen Tabellenführer Paris St. Germain zum Meister. Der Zweite Olympique Marseille darf mit Paris in die Champions League, Rennes in die Qualifikation, Lille in die Europa League. Damit ist Lyon der große Verlierer, der sich das so nicht bieten lassen will. Ebenso wie  Amiens und Toulouse, dass sie trotz Abbruch absteigen müssen, weil sie zehn Runden vor Schluss am Tabellenende lagen.

In der Schweiz tagte die Swiss Football League nach der Entscheidung des Bunderats, ab dem 8.Juni die Fortsetzung mit Geisterspielen zu erlauben. Deklarierte Befürworter dieses Plans sind nur Meister Young Boys Bern und Servette Genf, nicht einmal Tabellenführer St.Gallen, deklarierte Gegner Sion, Lugano, Neuchatel Xamax und Thun. Lugano, der Ex-Klub von Marc Janko, fordert sogar eine Totalreform, das Aussetzen des Abstiegs. Dicke Luft also beim westlichen Nachbarn.

Seit Donnerstag gibt es auch in Österreich neue Schwierigkeiten.  Ligavorstand Christian Ebenbauer tagte mit Gesundheits-und Sportministerium über das von der Liga vorgelegte Konzept zur Durchführung des Play-off der Bundesliga unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am Ende standen neue Schwierigkeiten, wie Ebenbauer eingestehen musste. Das Gesundheitsministerium legte sich quer, verzögert den Neustart bis mindestens 30.Mai, wenn nicht länger. Grund? Die Klubs dürfen erst am Freitag, den 15. Mai wieder mit der Mannschaftstraining beginnen. Warum nicht wie erhofft am nächsten Montag, sondern erst elf Tage später? Weil erst für 15.Mai die nächste Verordnung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober eingeplant ist. Schneller geht das nicht. Logisch nachvollziehen kann man das nicht. Zwei Wochen Mannschaftstraining sind nötig, um bereit für den Start zu sein – daher frühestens der 29. Mai. Oder doch erst im Juni. Mit 15.Mai dürfen auch alle Zweitligaklubs das Training wieder aufnehmen. Der Plan, am 16.Mai mit dem Cupfinale Red Bull Salzburg gegen Austria Klagenfurt zu beginnen und eine Woche später mit dem ersten Play off-Runde,ist damit Makulatur, zu vergessen.

Was ausser der späten Verordnung aber die Sache noch viel, viel  schwieriger macht: Entgegen dem Konzept der Bundesliga besteht das Gesundheitsministerium darauf, dass bei einem positiven Test nicht nur diese Person in Quarantäne muss, sondern alle, die mit ihm in Kontakt standen. Bedeutet mehr oder weniger: Die ganze Mannschaft und die Betreuer. Damit beginnt das Play-off mit der  Gefahr, dass die Saison doch abgebrochen werden muss. Die Bundesliga muss ihr Konzept neu überarbeiten und es bis Ende nächster Woche wieder vorlegen.

Der Arbeitsausschuss für die zweite Liga tagt wegen des Donnerstag-Meeting um die Bundesliga erst Montag. Drei Tage vor dem angesetzten Ligagipfel, der praktisch die Hauptversammlung ist. Auf der werden die abgeänderten, sprich erleichterten  Lizenzbestimmungen abgesegnet. Das ist nur eine Formsache. Wesentlich brisanter ist der gestern fristgerecht eingebrachte Antrag des Führungsduos der zweiten Liga, Ried und Austria Klagenfurt (Bild oben) die Bundesliga auf 14 Vereine aufzustocken. Wegen der Ungewissheit, ob die letzten elf Runde noch ausgetragen werden. Daher 14 Klubs für Bundesliga und zweite Liga  und das sogar dauerhaft. Die Begründungen? Ried fordert sowohl sportliche als auch wirtschaftliche Planungssicherheit, Klagenfurts Präsident Ivica Peric behauptet zwar, an einer sportlichen Entscheidung am meisten interessiert zu sein, aber man müsse solidarisch mit den Klubs sein, die aus wirtschaftlichen Gründen einer Fortsetzung nicht zustimmen könnten. Außerdem traut sich Herbstmeister Klagenfurt zu, den Achtpunkterückstand auf Ried noch aufzuholen. Weil keines der direkten Duelle gegen den Tabellenführer verloren wurde. Eine gewagte Behauptung. Eine Aufstockung würde eine Zweidrittelmehrheit auf der Hauptversammlung brauchen. Die Bundesliga hat 60 Stimmen, die zweite Liga 32. Nicht stimmberechtigt sind die Young Violets, weil sie Austrias zweite Mannschaft sind.  Liefering trotz Nähe zu Red Bull Salzburg und die Oberösterreich Juniors trotz Nähe zum LASK dürfen schon abstimmen. Liefering machte aber zuletzt nie davon Gebrauch.

Die Zustimmung zum Antrag von Ried und Austria Klagenfurt wäre  reiner Wahnsinn. Eine Saison mit nur 26 Runden würde punkto Vermarktung ein entscheidender Rückschritt bedeuten. Also gebietet es die Vernunft, den Antrag nicht zu unterstützen, auch wenn für diesen Fall beide Klubs mit Klagen drohen. Den Schlüssel hat ohnehin TV-Partner Sky in Händen: Weil der bei einer Änderung des Ligaformats aus dem Vertrag aussteigen kann. Würde er von seinem fixierten Recht Gebrauch machen, bedeutet das für jeden Klub einen Verlust in siebenstelliger Höhe. Eine Riesenbaustelle für Ebenbauer.

 

Foto: Bundesliga.

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