Vor zwei Jahren kam Österreich bei der Europameisterschaft ohne David Alaba und Xaver Schlager ins Achtelfinale, bei der Weltmeisterschaft folgt eine ähnliche Herausforderung: Den Schock des Ausfalls von Christoph Baumgartner, des besten Offensivspielers wegstecken! Zumal die Gruppengegner bei der WM, Jordanien, Weltmeister Argentinien und Algerien, nicht ganz so schwer sind wie es die bei der Europameisterschaft (Frankreich, Polen, Holland) waren. Die Muskelverletzung im rechten Oberschenkel, die Baumgartner Montag beim Aufwärmen vor dem Tunesien-Spiel erlitt, stellte sich Dienstag vormittag bei einer Magnetseonanzuntersuchung als so schwer heraus, dass ein Einsatz in diesem Monat nicht mehr möglich ist. Der 26 jährige sprach vom schwersten Schlag in seiner Karriere nach seiner bisher besten Saison. Zwar geht sich vom Alter her für ihn noch eine Weltmeisterschaft aus, aber das ist überhaupt kein Trost. Sein 59. Länderspiel wird er erst am 24. September in der Nations League gegen Israel im Linzer Stadion bestreiten. Er kündigte an, der größte Fan des Teams bei der WM zu sein.
Wer ihn im Kader ersetzen wird, entscheidet Ralf Rangnick am Mittwoch,einen Tag vor dem Abflug nach Los Angeles. Zuvor wird er mit seinen Assistenten Lars Kornetka, Stefan Oesen und Onur Cinel alle Für und Wider abwägen.LASK-Kapitän Sascha Horvath, Rapids Kapitän Matthias Seidl, Mönchengladbach-Legionär Kevin Stöger und Schalke-Aufsteiger Dejan Ljubicic sind Mittelfeldspieler, die auf der langen Abrufliste stehen. Es könnte aber auch sein, dass ein beweglicher und schneller Spieler wie der 19 jährige Rapidler Nikolaus Wurmbrand, der seit Sonntag mit dem U 21-Team im Avita-Resort von Bad Tatzmannsdorf trainiert, Rangnick eine Überlegung wert ist. Denn Baumgartner war nicht nur durch seine Ideen und Torgefährlichkeit eine Zentralfigur, sondern auch durch eine Laufwege immens wichtig.
Jetzt bleiben noch zwei Wochen Zeit, um beim Training im Harder Stadium der University of California, Santa Barbara, einige Varianten zu proben. Für 10. Juni plant Rangnick ein internes Spiel elf gegen elf. Eine Möglichkeit wäre, Sasa Kalajdzic und Michael Gregoritsch aufzubieten. Da könnte Kalajdzic rund um die vorderte Spitze Gregoritsch spielen, das wäre eine ähnliche Rolle wie die von Baumgartner. Eine anderen Variante würde eine offensive Rolle für den 20 jährigen Paul Wanner als bei seinen bisherigen drei Spielen im Teamtrikot sein. Das wäre für den Legionär vom holländischen Meister PSV Eindhoven kein Problem. Wenig abgewinnen kann man seit der Generalprobe einer Lösung mit dem Rekordspieler Marko Arnautovic in der Startelf. Zu schwach war sein Auftritt in der ersten Hälfte, zu billig seine Ausrede, man sei unter dem Schock des Baumgartner-Ausfalls gestanden. Bei anderen, etwa bei Stefan Posch, Kapitän David Alaba, auf den die hunderte Fans bis Mitternacht vor dem Happel-Stadion warteten, um ihn zu bejubeln, Autogramme und Fotos mit ihm zu bekommen, war wenig davon zu bemerken. Arnautovic kam in der ersten Hälfte nur auf neun Ballkontakte, Nachfolger Kalajdzic hatte in der zweiten Hälfte um 13 mehr. Das sagt genug.
Foto: ÖFB/Christopher Kelemen .