Bei der zweitägigen Herbstklausur des ÖFB-Führungsteams mit den Fachabteilungen, die in der St. Martins-Therme in Frauenkirchen unter dem Motto „Arbeiten für den Fußball“ stand, erkundigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Erwin Pröll auch genau über das Schiedsrichterwesen. Wollte auch wissen, wie die Chancen auf internationale Einsätze stehen. Der Wiener Julian Weinberger und der Salzburger Sebastian Gishamer könnten im Herbst noch in der Europa League zum Zug kommen. Was Pröll damals sicher nicht wusste, dass die Unparteiischen am Wochenende danach ziemlich in die Kritik gerieten. Auch Weinberger nach dem 2:2 zwischen Hartberg und Wolfsberg, Gishamer als VAR nach dem Westderby zwischen Altach und Tirol Am meisten ärgerte sich WSG Tirol-Trainer Philipp Semlic über das annullierte Tor von Benjamin Böckle, sprach von einer ganz schlechten Schiedsrichterleistung von Ristokov und prophezeite: „Am Dienstag oder Mittwoch wird die VAR-Begründung vom Herrn Kassai und Herrn Ali Hofmann kommen, die lese ich mir dann durch. Und dann kenne ich mich wieder nicht aus. Da wird alles schöngeredet. Selbstbeweihräucherung vom Allerfeinsten!“
Semlic sollte sich irren, anderseits aber auch recht behalten. Schiedsrichterchef Viktor Kassai und Ali Hofmann, im ÖFB für die Referees zuständig, meldeten sich bereits Montagabend. Verteidigten den Foulpfiff nach VAR-Intervention in Altach, weil Böckle Verteidiger Sandro Ingolitsch, der in der Luft war, einen leichten Stoß versetzte, durch den er nicht an den Ball kam. Daher war es laut VAR-Bericht richtig, auf Foul zu entscheiden und das Tor nicht gelten zu lassen. Auch bei GAK-Rapid sei es kein Fehler von Schiedsrichter Harald Lechner (Bild) und VAR Manuel Schüttengruber gewesen, in der Nachspielzeit auf Elfmeter gegen Rapid zu entscheiden, den der GAK zum Ausgleich nützte. Doch da dürfte nicht genau hingeschaut worden zu sein. Denn die TV-Bilder stehen im Gegensatz zur Begründung im VAR-Bericht: „Der Rapid-Spieler verliert das Duell, fällt auf den Angreifer, bringt ihn dadurch zu Fall und verhindert so, dass der Angreifer den Ballspielen kann.“ Das wirkt wie eine „Erfindung“, um damit eine Fehlentscheidung in eine richtige zu verwandeln: Denn in Wahrheit hatte Jacob Italiano keine Chance mehr an den Ball zu kommen, schon bevor Marco Tilio auf ihn fiel. Selbst GAK-Kapitän Daniel Maderner hatte die Entscheidung, die dem GAK einen Punkt rettet, als glücklich bezeichnet.
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