Zu Beginn der Aufsichtsratssitzung des ÖFB im Campus Aspern am Freitag war Sportdirektor Peter Schöttel als einer der drei Verbandsvertreter noch dabei, vier Stunden später am Ende war er nach neun Jahren seinen Job los. Gestürzt durch den Aufstand der Landesverbände und deren Sportchefs. Bereits in den Tagen zuvor erzählte Johannes Wutzlhofer, der Präsident des burgenländischen Verbands, dass man am Freitag Schöttel entlassen werde. So sickerte das auch in die Medienlandschaft durch. Ganz mieser Stil. Josef Pröll, der Aufsichtsratsvorsitzende des ÖFB, hielt nicht dagegen. Auch etwas seltsam. Mit Ralf Rangnick, Differenzen zwischen dem Teamchef und Schöttel, hatte dies nichts zu tun. Auch wenn der Teamchef Freitag erstmals nach zweieinhalb Jahren zu einer Tagung des Aufsichtsrats kam, um die WM-Analyse vorzutragen, und nicht wie ursprünglich geplant Schöttel. Noch einen Beschluss fasste der Aufsichtsrat: Die neuerliche Kandidatur von FIFA-Boss Gianni Infantino wird nicht unterstützt. Das entspricht der von UEFA-Boss Aleksander Čeferin ausgegebenen europäischen Linie.
Die Sportchefs der Landesverbände warfen Schöttel mangelnde Kommunikation vor. Im August kam es auf der Trainertagung in Saalfelden zu einer Eskalation, worauf die Landes-Sportchefs auf Initiative des steirischen, Ex-Teamspieler Walter Hörmann, gestützt auf die Landespräsidenten in einem Brief an die ÖFB-Spitze praktisch Schöttels Absetzung forderten. Fanden damit offene Ohren. Egal, wie man über den 59-Jährigen denkt, er war kein anderer, als er 2017 den Job von Willi Ruttensteiner bekam. Den damals der schon verstorbene Ex-Präsident Leo Windtner im eigenen Interesse „opferte“. Schöttel hat nun einmal eine ruhige Art, die man sich so nicht von einem Macher und Strategen vorstellt. Schöttel war immer schon so, auch als er bei Rapid-Sportchef und später Trainer war. Wenn ihm dies nach neun Jahren vorgehalten wird, kann man dies nur als Vorwand bezeichnen. In Schöttels Amtszeit fielen die erste WM-Qualifikation seit 20 Jahren, zwei Teilnahmen an der EM-Finalrunde und Erfolge des Frauenteams. Als letztes Jahr das U 17-Team ins Finale der WM in Doha kam, war schon Sebastian Prödl als von Schöttel eingesetzter Nachwuchschef dafür zuständig. Der offizielle Grund für das Ende der Zusammenarbeit: unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position.
Wie geht es weiter? Es wird nun ein Anforderungsprofil erstellt und der Posten ausgeschrieben. Dann können sich Kandidaten bewerben. Es wäre aber eine Überraschung, sollte nicht Prödl der Nachfolger von Schöttel werden.
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