Fußball

Austria mit Einzelkämpfern nur noch in „Normalform“ – furchtbar!

Wieder eine Enttäuschung für Austria gegen Hartberg und Ex-Trainer Manfred Schmid. Wie vor vier Monaten im Cupsemifinae gegen Hartberg, so auch Sonntag in der Bundesliga. Die 1:3 (0:1)-Heimpleite verstärkte die Krisenstimmung in Violett. Nach vier Runden steht nur Schusslicht Blau Weiß Linz schlechter als die Austria da. Aufsteiger Ried hat drei Punkte mehr, der GAK, der in Altach mit dem 1:1 (1:1) Selbstvertrauen für das Grazer Derby gegen Sturm am Wochenende tankte, zwei mehr. Die sportliche Wahrheit, die bei Austria keiner gerne hört: Letzte Saison spielte die Austria über ihre Verhältnisse, hatte einige Male das Spielglück, das derzeit fehlt. Jetzt ist es sozusagen die „Normalform“. Mit dem Abgang von Dominik Fitz, der unter den 11.800 Zuschauern war, hat die neuerliche Enttäuschung wenig zu tun. Mit Fitz schied die Austria im Cup in Voitsberg aus, scheiterte im Europacup an Banik Ostrau, gewann in drei Runden kein Spiel.  Da muss es andere Gründe geben.

Wenn man die Seuche am Fuss hat, dann kommt auch noch Pech dazu. Das trifft auf den frühen Rückstand nach zwölf Minuten zu, als beim ersten gefährlichen Hartberger Angriff der Südkoreaner Taesok Lee einen Schuss von Elias Havel, den Tormann Samuel Sahn Radlinger sicher abgewehrt hätte, unhaltbar abfälschte. Radlinger verhinderte kurz darauf das 0:2. Die Austria war zwar überlegen, aber mit Ausnahme von Maurice Malone ungefährlich. Zu viele laufen ihrer Form nach. Das gilt nicht nur für Heimkehrer Manprit Sarkaria, der in dieser Form fast eine Vorgabe ist, sondern auch für Kapitän Manfred Fischer, Reinhold Ranftl  oder Abubakr Barry, dessen Ballverlust zum 0:2 durch Patrik Mijic nach 63 Minuten führte. Bei dem der Australier Jed Drew zwar abseits stand, aber nicht ins Spiel eingriff. Da passierte nur vier Minuten nach dem abgesprochenen Wechsel von Abwehrchef Aleksandar Dragovic  nach der Verletzungspause abgesprochen. Trainer Stephan Helm, der schwere Zeiten durchmacht, verzichtete darauf, statt Dragovic einen Innenverteidiger zu bringen, sondern wollte mit Talent Sanel Saljic mehr Offensivakzente setzen. Das Risiko lehnte sich zu seinem Pech nicht. Bei 0:2 traf Saljic den Ball, den ihm Hartbergs Tormann Tom Hülsmann servierte, aus 16 Metern nicht ins leere Tor. Auch das passt zur violetten Situation. Ebenso, dass Lukas Fridrikas bei seinem Debüt nur vier Minuten brauchte, um mit Glück erstmals zu treffen. Dafür bedankte er sich bei Schmid, für den wenig später Sprechchöre aus dem Austria-Fansektor ertönten. Das freute den Ex-Austria-Trainer in seinem „Heimstadion“. Seinen Kollegen Helm nahm er in Schutz, bemerkte aber, man müsste bei Austria andere Dinge hinterfragen. Das zielte gegen Sportvorstand Jürgen Werner, der sich von ihm im Dezember 2022 getrennt hatte.

Austrias Treffer fiel erst in der Nachspielzeit durch Fischer per Kopf nach einem Eckball: „Mir kommt vor, es sind da elf Einzelspieler, die versuchen, das irgendwie über die Bühne zu bringen. Ich finde, es lässt jeder den anderen im Stich und dann schaut es so aus – furchtbar!“ Fischers Sky-Interview klang auch nach Selbstkritik. Die dritte Meisterschaftsniederlage in Serie begleiteten gleich nach dem 0:1 Transparente und Sprechchöre von der Fantribüne  gegen Werner, die offenbar aus dem inneren Austria-Kreis bestellt sind, immer wieder angestimmt wurden. Einige Fans drehten sich im Finish um, wollten die Mannschaft, die sich nach Schusspfiff einiges anhören musste, nicht mehr sehen. Präsident Kurt Gollowitzer rätselte schon vor dem Anpfiff über den Fehlstart, für den er keine Erklärung fand. Weil doch zwei Monate vorher Austria den Meistertitel feiern hätte können, „wenn alles gut gelaufen wäre!“ Die Einschätzung zeigt, dass es auch am Realismus fehlt. Vor der Länderspiepause gibt noch eine Chance, mit einem Sieg gegen das weit unbesiegte Altach die Situation etwas zu beruhigen. Eine Schadensbegrenzug wäre das aber nicht.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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