Die Bundesliga meldet sich für die letzten vier Runden in diesem Jahr zurück – Samstag bieten alle drei Spiele Neuigkeiten. Hartberg hat erstmals in dieser Saison wirklich ein „Heimspiel“. Das letzte gab es vor 189 Tagen am 17. Mai beim 3:2 gegen WSG Tirol. Seit damals wurde das Stadion umgebaut, bundesliga-tauglich gemacht, mit einer nagelneuen, großen Heimtribüne, einer erweiterten Haupttribüne. Daher bestritt Hartberg in den 13 Runden neun Auswärtsspiele und vier im Ausweich-Heimquartier Südstadt. Daher ist Platz fünf vor dem LASK und der Wiener Austria beachtlich. Gegen Aufsteiger Ried geh es bei der „Eröffnung“ des renovierten Stadions um den dritten Sieg hintereinander nach dem 2:1 in der Südstadt gegen die Austria und dem 2:1 in Wolfsberg, das Peter Pacult beim Cupsieger nach nur einem Monat den Trainerjob kostete. Dessen Nachfolger bei Wolfsberg, Ismail Atalan debütiert Samstag in Altach.
Austria hat in Linz gegen Blau-Weiß das erste Spiel in der Ära des neuen Sportchefs Michael Wagner, der sich eineinhalb Wochen nach seiner Bestellung mit Präsident Kurt Gollowitzer und Finanzvorstand Harald Zagiczek den Medien stellte. Sehr selbstbewusst, so wie man es von ihm als Spieler gewohnt war. Er soll die neue strategische Ausrichtung, die Zagiczek nach dem Rücktritt von Sportvorstand Jürgen Werner vor 13 Wochen in Auftrag gab, in die Tat umsetzen. In der Privatwirtschaft war Wagner in den letzten Jahren erfolgreich. Schafft er das auch bei der Austria? „Das ist mein Leben“ sagte er zu seinem neuen violetten Job. Vor Widerständen habe er noch nie Angst gehabt, stellte er fest. Und dass ihm bewusst ist, in keinem Bericht Top-Experte sein zu können. Zur neuen Sportdirektion gehören außer Wagner auch Michael Takacs, der Leiter der Austria-Akademie und deren technischer Direktor Robert Urbanek (Bild). Die Devise, von der schon lange die Rede ist, heißt: Die Heranführung er Eigengewächse aus der Akademie, in die Austria pro Jahr an die drei Millionen Euro investiert, an die Kampfmannschaft zu verbessern. Wie es in den letzten Wochen etwa mit dem derzeit verletzten Sanel Saljic und Dejan Radonjic gelang. Wagner fordert mehr Mut ein, auch wenn dadurch vielleicht Fehler passieren könnten. Von romantischen Bildern, nur mit jungen Österreichern zu spielen, müsse man sich verabschieden.
Fakt ist, dass die Austria seit Werners Rückzug keinen Sportvorstand hat. Der wäre eigentlich Wagners Vorgesetzter. Den Sportvorstand kann die Investorengruppe um Jürgen Werner, ohne deren Finanzspritze es die Austria in dieser Form nicht mehr geben würde, bestimmen, die Austria hat einmal ein Vetorecht. Laut Gollowitzer hätten die Investoren bisher keinen Sportvorstand konkret vorgeschlagen. Der Präsident ließ aber keinen Zweifel daran, dass der neue Sportvorstand sich an das neue Strategiepapier halten muss. Mit dem sich Wagner zu „1000 Prozent“ identifizieren kann. Bedeutet nichts anderes, als die Investoren vor vollendete Tatsache zu stellen. Das hat Konfliktpotenzial. Zagiczek versicherte, sich keinesfalls in sportliche Angelegenheiten einzumischen. Und stellte fest, dass man künftig Transfererlöse planbarer machen muss. Die wirtschaftlichen Erfolge aus der sportlichen Entwicklung seien in letzter Zeit nicht zufriedenstellend gewesen. Das kann man auch als Kritik am zurückgetretenen Werner werten.
Austrias Gegner Blau-Weiß Linz hat keinen neuen Sportdirektor, aber ein wirtschaftliches Erfolgserlebnis: Einen Umsatz von rund 12 Millionen Euro und einen Gewinn von 768.000 für das Geschäftsjahr 2024/25. Dadurch konnte das negative Eigenkapital vollständig abgebaut werden. Bis dahin wird es bei der Austria noch dauern.
Foto: FK Austria/Daniel Shaked.