Seit 1. Oktober, seit mit zwei Mann weniger das 0:0 im Derby gegen Rapid gehalten wurde, ist bei der Wiener Austria nach Schlusspfiff jubeln angesagt: Zehn Punkte aus vier Runden, dazu der Aufstieg ins Viertelfinale des Uniqa-Cups, seit sechs Spielen kein Tor kassiert. Aber Trainer Michael Wimmer kennt inzwischen den Klubs so gut, dass er sagt: „Bei der Austria ist man nie durch!“ Was er damit sagen will: Die schweren Zeiten sind noch nicht vorbei. Auch für ihn? Vor vier Wochen behaupteten violette Insider, dass Präsident Kurt Gollowitzer nicht die beste Meinung über den Trainer habe. Ob sich die inzwischen geändert hat?
Wimmer predigt, trotz der positive Entwicklung bescheiden zu bleiben. Ob er damit vor dem Heimspiel gegen das Schlusslicht Austria Lustenau am Samstag offene Ohren findet? Nicht nur, dass die Vorarlberger in zwölf Runden nur drei Punkte holten (alle auswärts), blieb die Austria in den bisherigen acht Heimspielen gegen Lustenau ohne Niederlage, gewann fünf. Das Letzte im Mai 5:0, als es im Play-off um einen Europacupplatz ging. Auch das erste Aufeinandertreffen in dieser Saison ging an die Wiener. Das 2:0 im Ländle blieb der einzige Sieg in den ersten neun Runden. Samstag geht es darum, eine Bestmarke aus dem Sommer 2012 einzustellen – fünf Runden ohne Gegentor. Die gelangen damals gegen Rapid, Admira, Ried, Wacker Innsbruck und Wr.Neustadt. Mit Heinz Lindner im Tor und dem aktuellen Sportchef Manuel Ortlechner als Innenverteidiger, Trainer war Peter Stöger.
„Wir haben keinen Millimeter Spielraum“, sagt Wimmer, wenn er an den geforderten Sprung in die Meisterrunde denkt. Da darf man gegen den Letzten daheim nichts liegen lassen.Bei dem gilt Trainer Markus Mader als noch mehr angezählt wie Wimmer im September. Auf das 0:4-Cupdebakel am Mittwoch in St. Pölten folgte allerdings von Austria Lustenau keine Meldung über den Trainerwechsel, sondern über das Ziel, der grünste Verein in Österreich zu werden, mit dem Stadionneubau Nachhaltigkeits-Projekte umzusetzen. Andererseits hört man, dass die Treue zu Mader vorerst nur für das Spiel bei der Austria gilt. Muss er punkten, um bleiben zu dürfen? Es fällt sicher schwer, einen Trainer fallen zu lassen, mit dem man bisher nur Erfolge feierte. Eine ähnliche Situation wie aktuell in Deutschland bei Union Berlin mit dem Schweizer Trainer Urs Fischer. Wenn man Mader infrage stellt, dann müsste man dies genauso oder noch mehr bei Sportchef Alexander Schneider und seiner Personalpolitik tun, auch wenn der Deutsche behauptet: „Wir würden jede Entscheidung des Sommers genauso wieder treffen. Wir sind qualitativ nicht schlechter aufgestellt als letzte Saison, haben den Anspruch, gegen jeden Gegner punkten zu können!“ Der Wahrheitsbeweis gelang bisher nur dreimal.
Nicht mehr, fast etwas weniger Spielraum als Wimmer mit Austria hat sein Vorgänger Manfred Schmid bei Wolfsberg. Er weiß, dass drei Punkte im Kärntner Derby gegen Austria Klagenfurt geradezu Pflicht sind, um in die Meisterrunde zu kommen. Allerdings gab es nur einen Heimsieg in den bisherigen sieben Kärntner Derbys. Der gelang Wolfsberg im Oktober 2021. Um die 7300 Zuschauer fassende Lavanttal-Arena zu füllen, gab es unter der Devise gemeinsam begeistern eine Kooperation mit Eishockey. Allerdings nicht bezüglich des Kärntner Derbys, das Sonntag in Klagenfurt in Szene gehen wird. Sondern mit Villachs Heimspiel gegen den Letzten Graz am Freitag. Wer dafür eine Karte kaufte, darf damit auch live am Samstag das Fußballderby in Wolfsberg sehen. Das gilt auch umgekehrt. Wirkt etwas komisch.