Das laut Sportchef Christoph Freund komische Spiel gegen Maccabi Tel Aviv war 24 Stunden später schon vergessen, als die Betreuer von Red Bull Salzburg und die Spieler Donnerstag Abend gemeinsam die Auslosung der Gruppenphase der Champions League via Live-Stream verfolgen. Genau drei Minuten nach 18 Uhr war der Jubel sehr groß, als Ex-Chelsea-Star Didier Drogba die Bullen in die Gruppe mit Titelverteidiger Bayern München und Atletico Madrid schickte. Die ist noch stärker und attraktiver als die vor einem Jahr gegen den damals regierenden Champions League-Sieger FC Liverpool und Napoli. Bei diesem Traumlos kann Salzburg eigentlich nur gewinnen. Mehr als Platz drei wird normal nicht drinnen sein. Dabei ist Russlands Vizemeister Lok Moskau wahrscheinlich der stärkere Konkurrent als vor einem Jahr Belgiens Meister Genk.
Die Red Bull Arena in Salzburg und die Allianz Arena in München sind nur knapp 150 Kilometer voneinander entfernt. Es wird also quasi ein Nachbarsduell, bei dem Salzburg die Mannschaft, die vor sechs Wochen in Lissabon die Champions League gewann, den Henkelpott in die Höhe hielt (Bild oben), in diesem Jahr schon fünf Titel gewann (Meister, Pokalsieger, Champions League, europäischer und deutscher Supercup) zu fordern versucht. Die auch Donnerstag im Rahmen der Auslosung groß abräumte: Kapitän Manuel Neuer wurde Tormann des Jahres, Joshua Kimmich gewann bei den Verteidigern, Robert Lewandowski bei den Stürmern und Hansi Flick bei den Trainern. Dazu wurde Lewandowski erstmals Europas Fußballer des Jahres. Und dazu hat Bayern David Alaba, der erstmals im Europacup auf einen Klub aus seinem Heimatland treffen wird, zwei regierende Weltmeister (Verteidiger Benjamin Pavard, Mittelfeldspieler Corentin Tolisso), ehemalige Weltmeister wie Jerome Boateng und Thomas Müller, der unter Flick wieder aufblühte, von einer interessanten Gruppe sprach, mit Kingsley Coman, dem derzeit verletzten Leroy Sane und dem deutschen Teamspieler Serge Gnabry exzellente Flügelspieler. Dazu sollen bis Montag noch zwei Neue kommen, auf die Flick drängt.
„Die derzeit beste Mannschaft der Welt, wir haben eine Hammergruppe“, sagte Freund. Für Marsch ist es sogar die schwerste der acht: „Es wird spannend, wir sind reifer geworden, werden unserem Stil treu bleiben, mutig spielen. Wir haben letztes Jahr in der Champions League viel gelernt, das wollen wir jetzt zeigen!“ Auch Routinier Zlatko Junuzovic sah es positiv: „Wir können immer eine gute Rolle spielen, wenn wir so dynamisch, aggressiv und in gewisser Weise locker auftreten wie vor einem Jahr. Wir müssen das auch genießen, Spaß daran haben!“ Bisher gab es noch kein Bewerbspiel zwischen Bayern und Red Bull Salzburg. Nur einen Test in aller Freundschaft, den Salzburg 2014 daheim 3:0 gewann.
Genug prominente Namen gibt es auch bei Atletico Madrid. Die Spanier mit ihrem „Trainer-Vulkan“ Diego Simeone eliminierten vor der Corona-Pause Titelverteidiger Liverpool, scheiterten beim Finalturnier in Lissabon im Viertelfinale an RB Leipzig. Mit dem Slowenen Jan Oblak hat auch Atletico einen Weltklassetormann, mit den Spaniern Koke, Saul und Marcos Llorente viel Klasse im Mittelfeld, mit dem vom FC Barcelona gekommene Luis Suarez, Diego Costa, dem portugiesischen Supertalent Joao Felix und dem Argentinier Angel Correa Stürmer mit großer Qualität. Lok Moskau? Nach neun Runden der russischen Meisterschaft auf Rang sieben, fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Zenit St. Petersburg. Lok spielte auch vor einem Jahr in der Champions League, verlor gegen Atletico Madrid zweimal 0:2, gegen Juventus zweimal 1:2, feierte auswärts gegen Leverkusen mit 2:1 den einzigen Sieg, verlor aber daheim 0:2. Neuer Trainer statt des bekannten Russen Yurij Semin wurde der Serbe Marko Nikolic, der aus Ungarn von Fehervar kam. Im Kader von Stani Tschertschessow, dem russischen Teamchef mit Tirol-Vergangheit, stehen Tormann Guilherme, ein eingebürgerter Brasilianer, Mittelfeldspieler Anton Miranchuk und Stürmer Fedor Smolov. Bekannt sind auch der kroatische Abwehrchef Vedran Corluka, der vier Jahre bei Tottenham spielte, der polnische Teamspieler Grzegorz Krychowiak im Mittelfeld und im Angriff der inzwischen 32 jährige Portugiese Eder, der Schütze des Siegestors im Finale der Europameisterschaft 2016 in Paris gegen Frankreich.
Die UEFA erlaubt ab sofort, dass zu internationalen Spielen Zuschauer in die Stadien kommen. 30 Prozent des Fassungsvermögens dürfen gefüllt werden, sofern es die nationalen Behörden erlauben. Somit darf Österreichs Team nächsten Mittwoch in Klagenfurt gegen Griechenland vor 3000 Zuschauern spielen, nicht mehr dürfen auch zu Salzburgs Schlagerpartien gegen Bayern und Atletico Madrid kommen. Wahnsinn. Wie soll Salzburg es schaffen, viele ihrer Abonnenten nicht zu verärgern? Eine unlösbare Aufgabe. Den Spielplan erstellt die UEFA erst Freitag. Eine Hammergruppe erwischten auch die Ex-Salzburger Marcel Sabitzer und Konrad Laimer mit RB Leipzig: Es geht gegen Paris St. Germain, Manchester United und den türkischen Meister Basaksehir um den Aufstieg. Um nichts leichter haben es die Ex-Salzburger bei Mönchengladbach, Trainer Marco Rose, Stefan Lainer, Hannes Wolf und Valentin Lazaro mit Real Madrid, Schachtjor Donezk und Inter Mailand. Pikant die Gruppe G, in der Cristiano Ronaldo mit Juventus Turin auf Lionel Messi mit FC Barcelona trifft. Da könnte auch Aleksandar Dragovic dabei sein, wenn er sich bis zum Transferschuss am Montag mit Dynamo Kiews Präsident Igor Surkis über die Rückkehr einigen kann.