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Das Bayern-Ende von Niko Kovac im gegenseitigen Einvernehmen

Samstag versicherte Niko Kovac nach dem 1:5 von Bayern München bei Eintracht Frankfurt, er gebe nie auf. Sonntag Abend bezeichnete er den Trainerwechsel beim deutschen Meister, die Trennung von ihm als richtige Entscheidung für den Klub zum jetzigen Zeitpunkt. Was ist in den 24 Stunden passiert, dass der 48jährige Kroate seine Meinung derart änderte? Wer Kovac etwas kennt, weiß, dass dies gar nicht zu ihm passt. Bayern liegt mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Mönchengladbach auf Platz vier, sah nach den letzten Leistungen Handlungsbedarf, wie Vorstandschef Karl Heinz Rummenigge erklärte.

Sonntag vormittag leitete Kovac  Bayerns „Geheimtraining“. Da hieß es noch, die Chefetage mit Präsident Uli Hoeneß, Rummenigge und Sportchef Hasan Salihamidzic habe sich Samstag Abend darauf geeinigt, Kovac das Champions League-Spiel gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch sowie das  Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag zur „Bewährung“zu geben. Schon das klang eigentümlich und eigentlich befremdend, wenn man bedenkt, dass Kovac im Mai in seiner ersten Saison für Bayern das Double gewann. Am Nachmittag kam es dann zu einem laut Bayern-Aussendung zu einem offenen und seriösen Gespräch zwischen Hoeneß, Rummenigge, Salihamidzic und Kovac, an dessen Ende die Trennung stand. Die als „einvernehmlich“ verkauft wurde, da Kovac angeblich selbst den Rücktritt angeboten hatte. Der Vertrag wäre bis 30. Juni 2021 gelaufen.

Sieben Spiele nach der 7:2-Gala in London gegen Tottenham am 1.Oktober wurden Kovac zum Verhängnis: Ein 2:3 gegen Hoffenheim in der Bundesliga, ein 2:2 in Augsburg, keine überzeugenden Leistungen beim 3:2 gegen Olympiakos in Athen, beim 2:1 gegen Union Berlin und dem 2:1 im Pokal bei Bochum sowie am Samstag das Debakel bei seinem Freund und Nachfolger in Frankfurt, Adi Hütter. Danach feierten die Eintracht-Fans nicht nur Hütter, der ihnen den ersten Sieg über Bayern seit 2010 gebracht hatte, sondern auch Kovac. Nicht aus Häme, sondern aus Dankbarkeit. Er hatte die Frankfurter 2016 vor dem Abstieg gerettet, sie zwei Saisonen später zum Pokalsieg geführt. Sein letztes Match bei Eintracht war das 3:1 im Endspiel 2018 in Berlin gegen Bayern. Jetzt besiegelte ein Debakel beim Ex-Klub sein Schicksal in München, das auch Hütter ehrlich leid tat.

Das mitten in eine „Sky“-Diskussion über die Lage bei Bayern offiziell wurde. Bis auf weiteres wird Hansi Flick, der auf Wunsch von Kovac im Sommer geholte Co-Trainer David Alaba & Co interimistisch trainieren. Der 54jährige Flick war zuvor acht Jahre Assistent von Teamchef Jogi Löw bis zum WM-Triumph 2014 in Brasilien, arbeitete zuvor im Juli und August 2006 elf Spiele lang als Assistent von Giovanni Trapattoni in Salzburg.  Das Ende von Kovac bedeutet den ersten Trainerwechsel in dieser Bundesligasaison, passiert beim Renommierklub Bayern. Alle attestierten Kovac ein Mann mit Qualitäten, Stil und Ehrlichkeit zu sein, der sich immer stellte. Aber Ehrlichkeit scheint in der Fußballwelt nicht mehr zu zählen.

„Bild“ brachte bereits den endgültigen Nachfolger für Kovac in Stellung: Ralf Rangnick, früher Sportchef bei Red Bull Salzburg und RB Leipzig, dann nur noch bei Leipzig, wo er letzte Saison als Nachfolger von Ralph Hasenhüttl auch Trainer war. Ob aber Rangnick mit seinen Ansprüchen an das Umfeld zu den Bayern-Bossen passt? Bayern-Insider sprachen Sonntag Abend von einem Sieg des stets gegenüber Kovac kritischen Rummenigge über Hoeneß, der voll zum von ihm geholten Trainer stand. Zwei Wochen vor dem Ende der Erfolgs-Ära von Präsident Hoeneß. Das soll die „Revanche“ dafür gewesen sein, dass Hoeneß im Herbst 2017 gegen Rummenigges Willen das Ende von Carlo Ancelotti durchgesetzt hatte.

Die Spekulationen über einen Trainerwechsel beim 1.FC Köln verdichteten sich durch das 0:2 im Rheinderby bei Fortuna Düsseldorf, bei dem Louis Schaub durchspielte. Bertram Beierlorzer rechnet auch nach der siebenten Saisonpleite, nach drei Niederlagen in einer Woche inklusive Pokalblamage beim Viertligisten Saarbrücken, aber nicht damit. Ein Österreicher-Treffen auf der Ersatzbank gab es in Augsburg beim 3:2-Sieg  Schalke: Von Michael Gregoritsch bei Augsburg, Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller bei Schalke. Schöpf kam bei 2:2 in der 77.Minute, war beim Siegestreffer nach 82 Minuten am Rasen. Wenig später wurden auch Gregoritsch und Burgstaller eingewechselt.

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