Fußball

Das Wort zum Sonntag: Liga braucht einen Mateschitz-Plan

Wenn Englands Premier League nicht zu Ende gespielt, sondern abgebrochen wird, dann bekommt der FC Liverpool, der seine Mitarbeiter in Zwangsurlaub schickte und dafür viel Kritik einstecken muss, statt 202 Millionen TV-Geldern nur 140, hat einen Verlust von 62 Millionen. In Deutschland wird kolportiert, dass bereits zwölf Klubs der ersten und zweiten Liga ihre Rechte an den noch ausstehenden TV-Geldern abgetreten haben, um zahlungsfähig zu bleiben. Ob in Österreich schon ähnliches passiert ist? Nicht auszuschließen.

Dabei liegt in der deutschen Ligazentrale schon der Plan für die letzten neun Runden ohne Zuschauer mit Start am 8. Mai am Tisch. Nur eine englische Woche wäre notwendig, um am 21.Juni den neuen Meister küren zu können. Allerdings gab Samstag Abend der Virologe Alexander Kekule im ZDF-Sportstudio zu bedenken, dass bis Saisonende dazu 20.000 Tests bei Spielern und Kontaktpersonen nötig wären. Für 36 Klubs. Ob das zu schaffen sein würde? In Österreich wären es bei 28 Klubs der Bundesliga und zweiten Liga um die 15.000.

In Österreich macht seit Tagen die Spielergewerkschaft bei den Aktiven eine Umfrage nach ihren Wünschen und Plänen. Das genaue Ergebnis wird es Mittwoch geben, doch die Tendenz geht laut dem Vorsitzenden Gernot Zirngast klar in die Richtung Geisterspiele auszutragen und sobald es Situation und Umständen erlauben, so rasch als möglich nach deutschem Vorbild mit dem Training in kleinen Gruppen zu beginnen. Klingt positiv, ändert aber ebenso wie die Planspiele von Sportminister Werner Kogler für die Unterstützung des Profiklubs etwas an einer Tatsache: Die finanzielle Not wird fast bei allen mit jedem Tag größer. Das konnte man den Worten von St.Pöltens Präsident Helmut Schwarzl am Samstag entnehmen, mit denen er dafür plädierte, dass es nur einen Absteiger geben dürfte, wenn die Saison zu Ende gespielt wird. Wobei er feststellte, dass St.Pölten erst in den letzten zwei Runden des Grunddurchgangs an die letzte Stelle zurückfiel und daher nicht als abgeschlagener und chancenloser Letzter gelten dürfe. Recht hatte Schwarzl mit der Feststellung, es würde auch einen wirtschaftlichen und sozialen Schaden bedeuten, sollten einige Klubs die Corona-Krise nicht überstehen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es geht um die insgesamt rund 15 Millionen ausstehender TV-Gelder, mit deren rascher Auszahlung die Klubs zumindest vorübergehend liquid blieben würden. Und dazu bräuchte es eine Einigung mit „Sky“, die es bisher nicht gab. Daher bräuchte die Ligazentrale um die Vorstände Christian Ebenbauer und Raphael Landthaler einen Plan B, um den Klubs finanziell helfen zu können. Daher ein Wort zum Sonntag als gut gemeinter Anstoß zum Nachdenken: Wagt doch den Gang zu Red Bull-Boss Didi Mateschitz (Bild oben) mit der Bitte, die ausstehenden TV-Gelder vorzustrecken. Wenn einige Klubs Bedenken hätten, weil sie  darin einen Canossa-Gang sehen, kann man nur antworten: Na und?

Wenn man bei Mateschitz die Millionen-Bitte gut begründen kann, eventuell auch eine um die Unterstützung für die zweite Liga hinzufügt, dann ist der Steirer sicher nicht der Mann, der keine offenen Ohren dafür hat. Der dies strikt ablehnen würde, weil er in der Vergangenheit von Fans einiger Klubs übel beschimpft wurde. Wenn Not herrscht, dann hilft Mateschitz immer. Sogar ohne großes Aufheben daüber zu machen. So wäre es sicher auch in Sachen Bundesliga. Für Dinge in anderer Größenordnung griff Mateschitz schon wesentlich tiefer in die Tasche, wenn er von ihnen überzeugt war. Man denke nur an die Investitionen in seiner Heimat Steiermark, um den Formel 1-WM-Lauf zurückzuholen. Die gingen in die Milliarden, belebten eine ganze Region, sicherten Arbeitsplätze. Um die es auch bei den Klubs im Zeichen der Corona-Pandemie gehen würde.

Einen Draht zu Mateschitz herzustellen, kann für die Liga kein großes Problem sein. Im Aufsichtsrat der Liga sitzt als Vertreter von Meister Red Bull Salzburg Volker Viechtbauer. Einer der engsten Vertrauten von Mateschitz. Der könnte sicher eine Video-Konferenz vermitteln.

 

 

Foto: © Sport Business Magazin .

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