PETERLINDEN.LIVE

Der LASK war mit Kühbauer einzigartig: Didi will alle adoptieren

Die beste Mannschaft Österreichs wurde verdient Meister. Der Satz von Austrias Trainer Stephan Helm nach dem Meisterstück des LASK, dem 3:0 (1:0)  gegen die Violetten vor 15.600 Zuschauern in der ausverkauften Generali-Arena, von denen 3000 aus dem LSK-Lager kamen, stimmte zu hundert Prozent. Seit Didi Kühbauer vor sieben Monaten sein Comeback als Trainer der Linzer feierte, ging es nur aufwärts, kreierte der LASK seinen eigenen Offensivstil im Gegensatz zum „Einheitsfußball“ der Konkurrenz, der sich in erster Linie an Spiel gegen den Ball und Gegenpressing orientierte. Daher ist es gut für den Fußball und geradezu wohltuend, dass am Ende das erste Double der Linzer seit 61 Jahren steht. Auf der Tribüne applaudierte auch Oberösterreichs Landeshauptmann Andreas Stelzer. Kühbauer gewann damit in den letzten zwei Saisonen drei der vier möglichen Titel: einen mit dem Wolfsberger AC, zweimal mit dem LASK. Der daher Planungssicherheit für die nächste Saison hat: Auch wenn er die Qualifikation zur Champions League verpassen sollte, die Einnahmen aus der Ligaphase der Europa League sind fix.

Am Anfang merkte man noch die Nervanspannung, wirkte der LASK nicht souverän. Hätte Tormann Lukas Jungwirth bei 0:0 in der 24. Minute nicht den Schuss von Johannes Eggestein aus der Kreuzecke geholt und die Führung der Austria verhindert, wäre die Nervenschlacht losgegangen. Aber der LASK hat auch einen, der unter Kühbauer wieder zum Unterschiedsspieler wurde, die Nebenspiele besser macht, der sich vom Trainer überzeugen ließ, dass es ohne die nötige Fitness nicht geht. Sonntag war Sasa Kalajdzic bei allen drei Toren dabei – so zählt er zu Österreichs größten WM-Hoffnungen: Beim 0:1 nach 38 Minuten brachte Kalajdzic nach einem Eckball Innenverteidiger Xavier Mbuyamba in Schussposition. Der erzielte seinen zweiten wichtigen Treffer im Titelkampf nach dem in Salzburg zum 3:2 in der Nachspielzeit. Den Elfmeter zum 0:2 holte Kalajdzic mit all seiner Klasse und Cleverness gegen Torhüter Samuel Sahin-Radlinger heraus. Samuel Adeniran verwandelte ihn. Das 0:3 bereitete Kalajdzic mit einem Solo und einem Pass auf Melayro Bogarde überragend vor. Der Holländer muss nur noch ins leere Tor schießen. Auch er zählt zu den Spielern, die sich unter Kühbauer stark steigerten: „Er muss einen Doppelgänger haben“, erinnerte sich Kühbauer an den diskreten Bogarde vom letzten Herbst zurück.

Um 16.16 Uhr pfiff Schiedsrichter Sebastian Gishammr das Spiel ab. Bis Kapitän Sascha Horvat von Ligavorstandschef Christian Ebenbauer den 18.000 Euro teuren Meisterteller bekam, dauerte es eine halbe Stunde. Die Jubelszenen dazwischen hatten es in sich. Kühbauer ging nach Schlusspfiff sofort in die Kabine, kam erst zurück, als seine Spieler, die er am liebsten alle adoptieren würde, vor dem Fansektor feierten. Danach ging es für den Erfolgstrainer zu dem Platz, an dem seine Frau und die zwei Töchter saßen Herzliche Umarmungen, seine Gattin Michaela bezeichnete er wenig später im Sky-Interview als wichtigsten Menschen in seinem Leben. Dabei kamen ihm die Tränen.  Mit dem Sky-Experten Andreas Herzog spielte er zusammen vor 28 Jahren bei der WM –  deshalb eine Umarmung unter Freunden. Mit Kühbauer musste man sich freuen. Apropos WM: Double-Kapitän Horath würde sich einen Platz im WM-Kader, den Teamchef Ralf Rangnick Montagnachmittag im ÖFB-Campus bekanntgibt, sicher verdienen. Gestern war er so aufgeregt wie nie. Da gab er nachher lachend zu.

Als Kühbauer seine Pressekonferenz begann, meinte er,  sich zu wiederholen, und das werde schön langsam fad. Weil er  zum x-ten Mal betonte, vor sieben Monaten hätte keiner das erwarten können, die Mannschaft verdiene für die Steigerung ein Riesenkompliment: „Ich bin sehr stolz auf sie!“ Kühbauer gab zu, dass beim Cupsemifinale in Ried auch Glück dabei war, aber  wie sie danach unter Druck agiert wurde, das imponierte ihm. Er war unter den Trainerwechseln der Klubs in der Meisterrunde der einzige, der entscheidende Fortschritte brachte. Die anderen keinesfalls. Sturm Graz wurde mit Fabio Ingolitsch statt Jürgen Säumel entthront, auch weill Ingolisch in erster Linie auf das Verteidigen Wert legte. Mit Daniel Beicher und Red Bull Salzburg klappte es nur im ersten Spiel, dem 5:1 in Linz beim neuen Meister. Danach wurde es schlechter Wie Sonntag die 1:3 (0:2)-Heimpleite gegen Hartberg, die erste Niederlage in der Bundesliga gegen die Steirer, unterstrich. Rapid war Zweiter, als Peter Stöger gehen musste. Jetzt muss Rapid via Play-off wie vor einem Jahr um einen Platz in der zweiten Runde der Qualifikation für die Conference League kämpfen. Den hat die Austria schon sicher. Die kann sich aufgrund der Platzierung und der Derbybilanz dieser Saison als sportliche Nummer eins in Wien fühlen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten war es eine gute Austra-Saison. Aber dennoch wäre es besser, wenn sich die Chefetage mehr die personelle Aufrüstung, etwa mit einem kongenialen Partner für Stürmer Eggestein, in den Mittelpunkt stellen würde, statt die AG-Anteile der Investorengruppe von Jürgen Werner zurückzukaufen.

Aber wie geht es beim Doublegewinner weiter? Kühbauer wollte verständlicherweise nichts zu seiner Zukunft sagen. Von Kalajdzic war es das letzte Match im LASK-Dress. Er  hat noch ein Jahr Vertrag bei Wolverhampton. Wenn er nicht bei den „Wolves“ in der zweiten Liga spielt, gibt es andere Möglichkeiten. Bundesliga-Aufsteiger Schalke mit seinem österreichischen Trainer Miron Muslic möchte ihn unbedingt holen. Hartberg-Stürmer Elias Havel ist in Wahrheit nur Schalkes Alternative, wenn es mit Kalajdzic nicht klappt.

 

 

 

 

Foto: Yigit Oerme.

Die mobile Version verlassen