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Der Schweizer Tabellenführer traut Furkan Dursun mehr zu als Rapid

Der FC Thun in der Schweiz zählt so wie Hoffenheim in Deutschland, Villarreal in Spanien, Lens in Frankreich, Aston Villa in England oder Hearts in Schottland zu den Überraschungs-Klubs in Europa: Als Aufsteiger mit dem zweitkleinsten Kader-Marktwert der Liga (15,88 Millionen Euro) hat der Klub aus dem Berner Oberland nach 23 von 44 Runden neun Punkte Vorsprung auf den Zweiten Lugano, je zwölf auf den FC St. Gallen und Meister Basel. Nach vier Siegen in vier Spielen dieses Jahres (3:1 am Letzigrund gegen Grasshoppers Zürich, den Klub von Ex-Blau Weiß Linz-Trainer Gerald Scheiblehner, 4:1 gegen Young Boys Bern, 2:1 in Basel, 3:1 in Genf gegen Servette) verpflichtete Thun mit Furkan Dursun (Bild) Dienstag einen österreichischen Unter 21-Teamstürmer, zahlte für ihn an Rapid 400.000 Euro Ablöse.

Bei Rapid spielte der 1, 85 Meter große Mittlstürmer Dursun in der vergangenen Saison insgesamt 336 Minuten, gehörte einmal zur Startelf, wurde 15 x eingewechselt, absolvierte insgesamt 52  Spiele in der zweiten Mannschaft. Letzten Sommer wurde er an St. Pölten verliehen, ging dort nicht durch die Decke, schoss bei Einsätzen drei Tore, leistete fünf Assists. Rapid suchte für ihn einen Käufer, brach deshalb die Leihe bei St. Pölten ab, wofür der Zeitligist eine Kleinigkeit bekam, weil er sich nicht quer legte, was laut Vertrag möglich gewesen wäre, wurde mit Thun handelseins. Dursuns Vertrag wäre bis 2027 gelaufen, bei Thun unterschrieb er bis Sommer 2029, also dreieinhalb Jahre. Was zeigt: Thun trau Dursunmehr zu als Rapids Sportchef Markus Katzer. Der setzt vorwiegend lieber auf Ausländer als auf den eigenen Nachwuchs, obwohl das bisher keinen Erfolg brachte.

Zu den Besonderheiten des Dursun-Wechsels gehröt auch, dass er wegen der Grundausbildung beim Bundesheer heuer noch nicht trainierte. Durch den Wechsel in die Schweiz erspart er sich den Rest des Präsenzdiensts. Sein neuer Trainer ist der 49 jährige Schweiz-Italiener Mario Lustrinelli, der bereits vier Jahre im Amt ist, zuvor U 21-Teamchef der Schweiz war. Die Dursun-Konkurrenten als Mittelstürmer sind zwei 30-jährige: Christoph Ibanyi, Teamstürmer aus dem Kongo, ist mit neun Toren der beste Torschütze von Thun, Brighton Labeau ist Teamspieler von Martinique. Gewöhnen muss sich Dursun an den Kunstrasen, auf dem die Heimspiele im 10 000 Zuschauer fassenden Stockhorn-Stadion ausgetragen werden. Dort verlor Rapid im Herbst 2013 in der Gruppenphase deer Europa League 0:1, im Happel-Stadion gelang mit 2:1 die Revanche. Es sieht gut aus, dass Dursun Schweizer Meister wird: Nach 33 Runden spielen die ersten sechs in einer Doppelrunde um den Titel, dazu wird Thun sicher gehören. Anders als in Österreich gibt es in der Schweiz keine Punktteilung.

Foto: FC Thun.

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