Zuletzt verlor im Wiener Derby immer der Favorit. Als Rapid im Frühjahr 2025 durch ein Tor von Ercan Kara in der Generali-Arena 2:1gewann, hatte Rapid als Fünfter zwölf Punkte weniger als der Dritte Austria. Im Herbst ging Rapid als Tabellenführer mit sieben Punkten mehr als der Erzrivale in sein Heimderby, verlor 1:3. Das war der Beginn der grün-weißen Talfahrt. Zwei der drei Austria-Torschützen, der Südkoreaner Tae seok Lee und Abubakr Barry sind auch Sonntag dabei, wenn Rapid als Außenseiter bei Violett um die Trendwende kämpft, das zwölfte Spiel hintereinander ohne Sieg verhindern will. Dabei ist der vermutlich einzige Derbydebütant in beiden Startformationen die Hoffnung Rapids: Andreas Weimann (Bild). Beim 1:1 gegen Hartberg war er nach nur einem gemeinsamen Training der gefährlichste Rapidler, nach einer Woche mehr Training kann er nur besser sein. Weimann ist der 34 der zweitälteste Spieler im Derby. Der älteste ist Austrias Abwehrchef Aleksandar Dragovic, beim 2:0-Startsieg die Souveränität in Person. Auch er ist so wie Weimann 1991 geboren. Im März, Weimann fünf Monate später. „Ein guter Einkauf“, lote Dragovic Weimann. Er lernte die Qualitäten des Rapidlers auch über zehn Jahre bei gemeinsamen Spielen in der Nationalmannschaft kennen: „Seine größte Stärke war und ist die Schnelligkeit, wir müssen höllisch aufpassen“, wusste Dragovic, der Rapid nach dem missglückten Saisonstart mit einem „angeschlagenen Boxer“ verglich. Die als gefährlich gelten.
Bei Austria feiert der neue Sportvorstand Tomas Zorn auf der Tribüne seinen Wiener Derbyeinstand, Derbyerfahrung hat er aus seiner Moskau-Zeit bei Spartak und Lok. Mehr Anspannung wird sicher bei Rapids Trainer Hoff Thorup dabei sein, der dringend seinen ersten Sieg braucht. Nach sechs Wochen in Wien weiß er, dass Austria gegen Rapid eine ganz andere Dimension als das Derby hat, das er aus seiner Zeit bei Nordsjaelland gegen Lyngby Kopenhagen kennt: „Wir brauchen sowohl einen kühlen Kopf als auch Emotionen“. Thorup ist nach Peter Stöger, Stefan Kulovits und Robert Klauß der vierte „Gegenspieler“ für Stephan Helm in seinem sechsten Derby als Cheftrainer der Austria. Er kann der erste seit acht Jahren sein, der zwei Derbys hintereinander gewinnt. Der letzte war der jetzige Salzburg-Trainer Thomas Letsch im Herbst 2018 – 1:0 in Hütteldorf, 6:1 daheim.
Thorup kündigte zwei Umstellungen an. Jannes Horn wird wohl als Linksverteidiger das Comeback nach einer Meniskus-Arthroskopie feiern, im zentralen Mittelfeld könnte wieder Martin Ndzie erste Wahl sein. Heimkehrer Yusuf Demir präsentierte sich im Training stärker als nach der langen Pause erwartet, daher könnte er zum Kader gehören. Bei der Austria dürfte es eine Änderungen in der Startelf geben: Philipp Wiesinger, in Salzburg gesperrt, statt Kang Hee Lee Innenverteidiger.
Foto: Yigit Oerme.
