Erstmals seit September feierte Red Bull Salzburg zwei Siege hintereinander: Auf das 1:0 bei der Wiener Austria folge daheim vor den Augen von Teamchef Ralf Rangnick das 3:1 (0:1) gegen Meister Sturm Graz. Damit meldete sich Salzburg praktisch im Titelkampf zurück. Denn nach der Punkteilung beträgt der Rückstand nach derzeitigem Stand nur noch drei Punkte. Die starke zweite Hälfte mit drei Toren innerhalb von 15 Minuten machte den Salzburgern Hoffnung: „Das war Klasse“, lobte Trainer Thomas Letsch. Der mit zwei gelungenen Wechsel seinen Anteil an der erfolgreichen Aufholjagd hatte, den Umschwung sozusagen einwechselte. Sturm fiel nach der Pause ohne Abwehrchef Gregory Wüthrich immer mehr auseinander, wirkte nicht fit, sondern von Minute zu Minute müder: „Das war nicht die Defensive eines Meisters, sondern die eines Abstiegskandidaten“, kritisierte Sky-Experte Andreas Herzog. Weil die Wiener Austria, die wieder punktgleich mit Sturm ist, für ihn die beste Abwehr der Liga hat, ist sie für ihn auch der erste Titelkandidat. Wer hätte das zu Saisonbeginn gesagt?
Sturm war in der ersten halben Stunde noch die bessere, zielstrebigere Mnanscaft, ging nach einem Eckball von William Böving, den Salzburgs Innenverteidigung Kouakou Gadou verpasste, durch Kapitän Ion Gorenc Stankovic in Führung, ließ zwei Chancen auf die 2:0-Führung aus. Schon da merkte man nicht zum ersten Mal, dass Sturm nach dem Wechsel von Mika Biereth zu Monaco weniger gefährlich ist als zuvor mit dem Dänen. Letsch brachte zur Pause Adam Daghim statt des bis auf einen Lattenschuss wenig auffälligen Moussa Yeo und nach 66 Minuten mit Dorgeles Nene für Verteidiger Leandro Morgalla einen zusätzlichen Offensivspieler, riskierte mehr. Das 1:1 fiel sechs Minuten später durch einen Konter nach einem Abschlag von Sturms Torhüter Kjell Scherpen. Der Pass zum Torschützen Yoube Vertessen kam von Daghim. Das 2:1 fiel ähnlich: Ballgewinn nach Abschlag von Scherpen, wieder Konter, diesmal leistete Daghim die Vorarbeit für Dorgeles Nene. Das 2:1 durch eine „Co-Produktion“ der Joker. Vor dem 3:1 kam der schnelle Daghim wieder über links durch, sein Pass machte das erste Bundesligator von Karim Onisiwo (Bild) für die Bullen möglich. Damit trafen mit Vertessen und Onisiwo beide Winterkäufe. Auch das sorgte für Salzburger Zufriedenheit. Für Sturm war es nicht die erste Enttäuschung in diesem Jahr. Sondern bereits die dritte. Nach dem Ausscheiden im Cupviertelfinale gegen die Austria und der klaren Niederlage in Wolfsberg. Sonntag folgt das Grazer Derby.
Keine Veränderungen gab es im Linzer Duell um Platz sechs: Sowohl der LASK als auch Blau Weiß gewannen jeweils 2:1. Der LASK bei Austria Klagefurt nach schnellem 0:1-Rückstand in der dritten Minuten durch eine der seltenen Tore von Bonnah nach Pass von Martin Hinteregger. Sein erster Assist in der Bundesliga seit elf Jahren. Elf Minuten später schaffte Valon Berisha links den Ausgleich, als er mit links aus 16 Metern genau ins lange Eck traf. Der Siegestreffer gelang Max Entrup mit seinem ersten Tor in dieser Saison nach perfekter Vorarbeit des Amerikaners Samuel Adeniran. LASK blieb damit auch im 23. Pflichtspiel gegen Austria Klagenfurt ungeschlagen, die Kärntner verloren erstmals mit Hinteregger, der im Finish Mittelstürmer spielte. Blau Weiß Linz ging gegen WSG Tirol durch das schnellste Bundesliga-Tor dieser Saison nach nur 46 Sekunden durch Ronivaldo in Führung, der Siegestreffer zum 2:1 (1:1) fiel aber erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit durch Innenverteidiger Alem Pasic. Ronivaldo überholte mit seinem 12. Saisontor in der Schützenliste Biereth, hat jetzt die alleinige Führung. Fehlt aber nach der fünften gelben Karte Blau-Weiß beim Auswärtsspiel in Wolfsberg. Der LASK blieb mit einem Punt mehr als der Stadtrivale Sechster, hat nächsten Sonntag gegen Heimvorteil.
Foto: RB Salzburg/Schaad.
