Sturm Graz ist klar die österreichische Mannschaft mit den geringsten Chancen zum Aufstieg ins Play-off. Der Vizemeister hat mit Fenerbahce Istanbul auch einen stärkeren Gegner als Red Bull Salzburg und vor allem Austria und Rapid. Sturm gewann als einziger der Quartetts sein Hinspiel nicht, geht mit einem 0:2-Rückstand am Dienstag ins ausverkaufte Rückspiel gegen den türkischen Vizemeister, das live in ORF 1 zu sehen ist. Ein Aufstieg wäre eine Top-Sensation, auch weil Otar Kitishvili mit Wadenproblemen weiter zum Zuschauen verurteilt ist. International scorten die Stürmer der „Blackies“ in dieser Saison nicht. Von den sechs Torschützen beim 4:0 und 2:0 gegen Hearts of Midlothian war keiner ein Stürmer. Szymon Wlodarczyk traf zuletzt in der Bundesliga und im Cup, Neuzugang Nelson Weiper gelang beim 2:0 in Hartberg ein Doppelpack. Aber bei Fenerbahce gibt es in der Abwehr routinierte Innenverteidiger von Format wie den Slowaken Milios Skriniar (Bild) und den Holländer Nathan Ake. Da muss man sich schon fragen, wie Sturm gegen Fenerbahce drei Tore erzielen soll. 20 Torschüsse gab Sturm letzten Samstag in Hartberg ab, die meisten davon Jacob Hödl (fünf). Aber die Tore fielen erst gegen zehn Hartberger.
Sturm klammert sich wie alle Außenseiter an die Hoffnung, in Führung zu gehen. „Wir brauchen ein Tor, egal wann. Dann brennt die Hütte“, meinte Weiper. Trainer Fabio Ingolitsch sah hingegen als vordringliche Aufgabe, Fenerbahce vom Grazer Strafraum fernzuhalten, nicht mit zu viel Risiko ins Verderben zu stürmen: „Je länger es 0:0 steht, desto enger kann es werden“. Je länger es 0:0 steht, desto geringer wird die Gefahr für Fenerbahce, eine unliebsame Überraschung zu erleben. In der Türkei hat die SüperLig noch nicht begonnen,. So manche Trainer würden es als Vorteil für Sturm sehen, weil Fenerbahce noch nicht im Rhythmus ist. Ingolitsch hat eine andere Meinung: Sturm hat in elf Tagen vier Spiele, Fenerbahce nur zwei. Das sei ein Nachteil. Damit argumentiert er ähnlich wie sein Kollege von Rapid, Hoff Thorup, der von drohender Müdigkeitsgefahr wegen des dichten Programms sprach. Aber für Sturm gilt ähnliches wie für Rapid: Müdigkeit darf zu Beginn einer Saison wirklich kein Thema sein.
Foto: Yigit Oerme.
