Offiziell war zwar Länderspielpause, aber wirklich pausieren konnte der im Kreis der europäischen Top-Trainer angekommene Oliver Glasner nicht. Das Pensum der letzten eineinhalb Wochen war beachtlich: Flug von London ins polnische Lublin zum Conference League-Spiel gegen Dynamo Kiew und zurück, Flug nach Liverpool zum Match gegen Everton und zurück, Flug nach Linz zur „Heimatwoche“, Sonntag geht es zurück. Mit dem „Niki“ im Gepäck, der Trophäe, die er als Österreichs Trainer des Jahres vergangenen Mittwoch bekam. Die er den Spielern von Crystal Palace, die ihm via WhatsApp zu der Auszeichnung gratulierten, in der Kabine zeigen wird. Unter dem Motto: Ohne Euch hätte ich das nie bekommen.
Mittwoch bekam er den „Niki“ bei der Sporthilfe-Gala in der Wiener Stadthalle von Rapid-Trainer Peter Stöger überreicht. Zwei Tage später gab die Premier League in London die Wahl von Glasner zum Manager des Monats September bekannt. Freitagabend sorgte Glasner im Donau-Forum der Oberbank an der Unteren Donaulände in Linz für einen neuen Zuschauerrekord. Die Oberbank, der Hauptsponsor von Glasners Stammklub Ried, lud zum „Talk mit Oliver Glasner“, moderiert von Rainer Pariasek. Binnen zwei Tagen waren alle Karten weg. Nicht weniger als 1700 Zuschauer hörten gebannt zu, was Glasner so alles erzählte. So viele kamen noch nie. Es uns gab vor ihm auch schon prominente „Talk“-Gäste. Bayern-Boss Uli Hoeneß war der erste, es folgten unter anderem Franz Beckenbauer, Oliver Kahn oder Felix Magath.
„Das nennt man Leadership“, gratuliert Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger, der wie Glasner aus dem Innviertel kommt. Seit dem 17. Mai wurde Glasners Welt eine andere: Der Finaltriumph im FA-Cup, das 1:0 gegen Manchester City, der seiner Meinung nach ohne die Negativerlebnisse davor, ein 2:5 gegen Manchester City und ein 0:5 gegen Newcastle, nicht möglich gewesen wäre. Wenige Tage danach gewann er beim traditionellen Dinner der Profitrainervereinigung den „John Duncan Award“ für besondere historische Erinnerungen, den ersten Titel von Crystal Palace in der Klubgeschichte. Neben ihm saß Jose Mourinho und gratulierte persönlich. Im August folgte der zweite Triumph in Wembley, als Cupsieger Crystal Palace den Community Shield zur Saisoneröffnung gegen Meister Liverpool im Elfmeterschießen gewann. Dann kam der Erfolgslauf in der Premier League, der erst letzten Sonntag mit dem 1:2 bei Everton nach 19 Spielen zu Ende ging: „Ich bin noch immer etwas ang´fressen, dass wir nicht auch das 20. geschafft haben“, gestand er in Linz. Ebenso, dass er eigentlich nicht Trainer werden wollte: „Ich hab´ja parallel zur Spielerkarriere sieben Jahre Wirtschaft studiert. Da macht man doch nicht, wenn man den Trainerjob anstrebt.“
Am kommenden Wochenende wird er beim Heimspiel gegen Bournemouth im Selhurst Park wieder den Song der Fans „we´ve got super Oliver Glasner“ hören. Wir haben super Oliver Glasner. Wie lange noch? Dazu verriet er auch in Linz nichts. Aber, dass er es genießt, in der 15 Millionen-Metropole abzutauchen: „Ich kann mich sehr anonym bewegen. In der Stadt fahre ich fast immer mit der U-Bahn oder mit dem Bus“.
Foto: Crystal Palace.
