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Ein 62-jähriger mit einem Euro Marktwert: Bischofshofen macht´s möglich!

Wenn auf der Internetseite transfermarkt.at ein 62-jähriger Spieler mit einem Marktwert von einem Euro aufscheint, dann ist das gleichermaßen ungewöhnlich wie skurril und lächerlich. Möglich gemacht hat dies die Stadtgemeinde Bischofshofen mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister Hansjörg Obinger. Eine der schlimmsten Geschichten im österreichischen Fußball der letzten Zeit, mit  der ein fast hundertjähriger Verein, der SK Bischofshofen, seine sportliche Heimat und Existenzgrundlage verlor, aus dem regulären Spielbetrieb verschwindet. Im offiziellen Protokoll der von der SPÖ dominierten Gemeinde sind Sätze über das „Radieren“ des BSK dokumentiert. Dessen Obmann nicht das tat, was der Bürgermeister wollte. Der „Macher“ des Klubs war bisher eher ein Aushängeschild von Bischofshofen: Der inzwischen 54-jährige Paradejudoka Patrick Reiter, der bei Welt- und Europameisterschaften insgesamt neun Medaillen gewann. Jetzt soll er als Sündenbock herhalten. Auch in lokalen Medien. Was machte er Böses? Er gründete in Absprachen mit den Finanzbehörden eine GmbH, die den Verein führte. In einer SPÖ-Gemeinde offenbar total verspönt. Und er erhöhte den Beitrag der Eltern der Nachwuchsspieler in Sachen Nachwuchspflege von monatlich vier auf 14 Euro. Ein lächerlicher Betrag mit schweren Folgen.

Im offiziellen Protokoll der Gemeindevertretung  vom 11. Dezember 2025 sagt der Bürgermeister: „Wenn Raimund Unger zu mir kommt und sagt, die Situation unten beim BSK ist nicht in unserem Interesse, ich stelte mich zur Verfügung, ich mache den Obmann, dann wirst du jegliche Unterstützung von uns bekommen. Dann werden wir schauen,  das wird das so hinstellen, wie wir uns das vorstellen!“ Damit war entweder die Übernahme oder die Führung eines neuen Bischofshofener Fußballklubs gemeint. Unger ist der ÖVP-Stadtparteiobmann. Auch zu lesen ist der Satz: „Der Vorsitzende stellt an Magister Ungeer die Frage, was sein Zugang ist, dass man den BSK radiert, denn dann tun sich andere leichter, anzufangen.“ Dabei hatte die Stadtvertretung dem SK Bischofshofen zunächst einen neuen Benützungsvertrag für die Sportanlagen vorgelegt, den der akzeptierte. Auf den Anlagen spielte Bischofshofen 1971/72 in der Bundesliga. Dann trat eine zweite Partei auf: Der Skiklub Bischofshofen unter Führung von Unger erhob ebenfalls Anspruch auf den Fußballplatz. Bei der entscheidenden Abstimmung verlor der Traditionsklub mit 3:20 Stimmen. Die SPÖ hat 15 Mandate, die ÖVP sechs. Unger verließ wegen Befangenheit die Abstimmugn.

Am 1. Juli tauschte die Stadt die Schlösser zu der Anlage, die der SK Bischofshofen daher nicht mehr benutzen konnte. Seine Utensilien sind noch immer dort. Der BSK verlor nicht nur die Spielstätte, sondern schied auch aus allen Bewerben des Salzburger Verbands aus. Sowohl im Nachwuchs als auch in der neuen Regionalliga Nord. Letzte Saison landete Bischofshofen in der Regionalliga Mitte im Mittelfeld. Im österreichischen Cup, für den andere Bestimmungen gelten. jedoch schon. Mit einer völlig neuen Mannschaft gelang es, die erste Runde in Oberösterreich beim etablierten Drittligisten durch einen Sieg nach Elfmeterschießen zu überstehen. In der zweiten Runde wartete nach Ende der Transferzeit Altach. Bis dahin hatten zahlreiche Spieler aus Gründen der eigenen Planungssicherheit den Klub verlassen. Daher musste Bischofshofen in Vorarlberg beim Bundesligaverein mit einer Mannschaft antreten, die man im österreichischen Cup selten gesehen hat: Sehr junge Spieler aus der zweiten Mannschaft, aus der achten Leistungsstufe. Darunter ein 15-jähriger Torhüter. Und ein 62-jähriger, der seit 15 Jahren kein Match mehr absolviert hatte. Daher hat Walter Weiß aktuell bei transfermarkt.at  einen Marktwert von einem Euro.

Genauso skandalös wie die Bischofshofener Politpackelei ist die Tatsache, dass Salzburgs Landesverband mit dem Interimspräsidenten Wolfgang Zinergle, bei allem mitmachte. Dem SK Bischofshofen untersagte, an einer anderen Spielstätte weiterzumachen. Zweifellos hätte es dies unter seinem Vorgänger, Rechtsanwalt Herbert Hübel, der bis September 2024 im Amt war, so nie gegeben.

 

 

Foto: Transfermarkt.at.

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