Nach vier Minuten schien der Aufstieg der Wiener Austria in die dritte Runde der Conference League in Gefahr zu sein. Denn Liepaja ging vor 8300 Zuschauern 1:0 in Führung, lag nur noch 1:2 zurück. Austrias Trainer Stephan Helm wollte seinen zweiten Anzug testen, ausßer dem angeschlagenen Aleksandar Dragovic fehlten noch Kapitän Manfred Fischer, Südkoreas WM-Verteidiger Tae-seok Lee, Johannes Eggestein und Sanel Saljic. Als Fischer und Eggestein nach einer Stunde eingewechselt wurden, lag die Austria schon auf Aufstiegskurs. Denn nach 29 Minuten stand es bereits 2:1, am Ende 3:1 (2:1). Mit einem Gesamtscore von 5:1 kam Violett weiter, spielt nächsten Donnerstag auswärts gegen Beitar Jerusalem. Die Israelis tragen ihre Heimspiele im rumänischen Ploiești aus, verloren dort am Donnerstag ihr Heimspiel gegen AEK Larnaca 2:3. Bei einem Gesamtscore von 3:3 gewann Beitar das Elfmeterschießen 3:2. Rapid trifft auf Paide aus Estland (1:1 in Baku gegen Zire), begann ebenfalls auswärts.
Vier Minuten nach dem Schock gab es die erste Erleichterung. Denn ab dem Zeitpunkt spielte die Austria in Überzahl. Weil ausgerechnet der Ex-Austrianer bei Liepaja patzte: Kapitän Marvin Martins, der von 2021 bis 2025 in Diensten der Violetten gestanden hatte, beim Hinspiel gesperrt war, verlor als letzter Mann die Balance. Dadurch hatte der schnelle Kelvin Boateng freie Bahn in Richtung Tor. Der am Boden liegende Luxemburger brachte Boateng mit der Hand zu Fall, dem italienischen Referee Luca Zufferli blieb nichts anderes übrig, als die rote Karte zu zücken. Auf dem „Weg“ zu Martins verlor er sie, Austrais Vasilje Markovic hob sie auf, gab sie dem Unparteiischen, der sie Martins vor die Nase hielt. Zufferli spielte auch bei der Liepaja-Führung eine Rolle, indem er ein Foul an Philipp Maybach übersah, das zum Ballverlust der Austrianer führte. Das Tor zählte trotzdem, weil es in der zweiten Qualifikationsrunde noch keinen VAR gibt. Erst in der dritten. Zur Liepeja-Führung kam es auch durch eine unorthodoxe, sehr schlechte Abwehr eines Distanzschusses von Tormann Samuel Sahin Radlinger. Das nutzte Amar Haidara, ein Legionär aus Mauretanien.
Mit einem Mann mehr fiel nach 20 Minuten der Ausgleich durch das Premieren-Tor des deutschen Innenverteidigers Jonas Feddeersen. Beim Dribbling hatte er etwas Glück, kam in Schussposition, traf aus 17 Metern mit links. Acht Minuten später führte die beste Austria-Kombination zum 2:1. Über Matteo Schablas und Reinhold Ranftl kam der Ball zu Markovic, der frei vor dem Tor stand, aber am Keeper scheiterte. Boateng nutzte den Abpraller. Bei 2:1 besserte Radlinger seinen Patzer aus, verhinderte bei einem Kopfball den Ausgleich. Austria betrieb Chancenwucher, daher fiel das 3:1 erst nach 66 Minuten durch Ranftl nach Pass von Fischer (Bild). Von der zweiten Garnitur konnte sich in erster Linie Boateng, dessen Schnelligkeit eine Waffe is, empfehlen. Allerdings wurde der 26-jährige Ghanese, seit er vor einem Jahr von der Vienna zur Austria kam, von Verletzungen „verfolgt“. Darum hatte er bisher nur 23 Einsätze, bei denen ihm fünf Tore gelangen. Auffällig waren im Finish die gelungenen Tacklings des eingewechselten Valentin Tofil, einem talentierten, 1,97 Meter großen Innenverteidiger.
Foto: Yigit Örme.
