Drei Tage vor dem Wiener Derby gegen die Austria in Hütteldorf hat es Rapid in der Hand, die Basis zu legen, um punkto Europacup-Erfolgen den Erzrivalen zu überholen. Die Austria war bisher dreimal im Semifinale eines europäischen Bewerbs, Rapid ebenso. Schafft es Rapid, Djurgarden im Viertelfnale der Conference League zu eliminieren, wozu in der Stockholm-Arena der erste Schritt gelingen müßte, dann wäre zum zehnten Mal ein österreichischer Klub unter den letzten vier. Außer Austria und Rapid schafften dies zweimal Salzburg (die Austria unter Otto Baric, Red Bull unter Marco Rose) sowie der FC Tirol in den Achtzigerjahren unter Felix Latzke. An bessere Rapid-Zeiten als momentan erinnerte übrigens Dienstagabend das 3:0 von Arsenal in der Champions League gegen Real Madrid. Rapid hatte bereits 1956, also 69 Jahre vor Declan Rice einen Spieler, der zwei Freistoßtore gegen Real erzielte. Das war Ernst Happel im Achtelfinale beim 3:1 im Praterstadion. Er verwandelte dazu noch einen Elfmeter. Damals zählten so wie jetzt keine Auswärtstore. Beim Gesamtcore von 5:5 gab es ein drittes Spiel. Das verkaufte Rapids Chefetage an Real. Im Bernabeu-Stadion schied Rapid mit 0:2 aus.
135 Minuten vor Rapid spielt Donnerstag der mögliche Semifinalgegner in Warschau. Das Duell zwischen Legia und Favorit Chelsea wird live von ServusTV übertragen, von den Experten Sebastian Prödl und Florian Klein analysiert. Chelsea wird so wie bisher Stars für die Premier League schonen und dennoch aufsteigen. Das Semifinale gegen die „Blues“ könnte eine verpatzte Rapid-Saison retten. Mittwoch gelang ein perfektes „Ablenkungsmanöver“, als Guido Burgstaller mit nach Stockholm flog, Trainer Robert Klauß ihn für matchfit erklärte. Wird er tatsächlich im Finish eingewechselt, dann wäre er der erste Spieler der Rapid-Klubgeschichte, der im Europacup einen Kopfschutz trägt. Mit dem trainierte er seit zwei Wochen, den muss er wegen des Schädelbasisbruchs tragen, den er in den frühen Morgenstunden des 14. Dezember erlitt, als er in der Wiener Innenstadt niedergeschlagen wurde. Als Folge davon trägt Burgstaller eine Brille. Den Kopfschutz müsste auch der deutsche Referee Tobias Stieler genehmigen. Für Burgstaller wäre es das erste Spiel seit 12. Dezember, als er in der Ligaphase der Conference League auf Zypern beim 1:3 gegen Omonia Nikosia 23 Minuten lang im Einsatz war. Burgstaller mit Kopfschutz würde Erinnerungen an die legendären Tore von Carsten Jancker mit Turbanverband am Weg ins Europacupfinale 1996 hervorrufen.
Wie üblich sprach Klauß von der Vorfreude auf die Herausforderung und die Atmosphäre in einem vollen Stadion, strich die Stärken des Gegners hervor. Djurgarden belegte in der Ligaphase hinter Rapid Platz fünf, konnte daheim Chelsea-Gegner Legia Warschau und Panathinaikos Athen bezwingen. Erschwerend noch der ungewohnte Kunstrasen dazu, der Mittwoch im Training getestet wurde. Das Terrain bezeichnete Klauß als Vorteil für die Schweden, weil sie es gewohnt sind. Aber eine Woche später bedeutet der Naturrasen in Hütteldorf einen Vorteil für Rapid. Dann kann auch der in Stockholm gesperrte Mamadou Sangare spielen, aber nicht die Verletzten. Zu Nikolaus Wurmbrand kam noch Jakob Schöller, der bei seinem Kurzeinsatz am Freitag in Graz eine Muskelverletzung erlitt. Das zweifellos große Talent läuft von einer Verletzung in die andere.
Foto: Mario Urbantschitsch.
