Fußball

Geld spielt doch Fußball

Der Fußball bezieht zwar seinen Reiz daraus, manchmal unberechenbar zu sein. Aber der  Auftakt zur Champions und Europa League spricht viel mehr für die These: Geld schießt und verhindert Tore, der Erfolg ist käuflich.  Das zeigt sich an den Beispielen von Paris St. Germain beim lockeren 5:0 in Glasgow gegen Celtic und Manchester City, das Hollands Meister Feyenoord in Rotterdam 4:0 abschoss, dabei alle Tore in nur 23 Minuten erzielte. Bayern-Präsident Uli Hoeneß neigt zwar dazu, die Geldflut aus Qatar und Abu Dhabi, die sich über beide  Klubs ergießt, mit den jüngsten Hurrikans zu vergleichen, die man vorbeiziehen lassen muss, um zu erkennen, welche Folgen sie haben. Aber da tut sich eine Zweiklassengesellschaft auf, ebenso eine Etage darunter in der Europa League.

Arsenals Coach Arsene Wenger schonte gegen Peter Stögers 1.FC Köln wegen des Premier League Hits gegen Meister Chelsea am Sonntag zwar Tormann Petr Cech, Stars wie  Mesut Özil, Aaron Ramsey, Granit Xhaka, Danny Welbeck und seinen neuen Torjäger Alexandre Lazacette, aber kann man deswegen despektierlich von einer B-Elf sprechen? Wenn darin noch immer Stürmer mit einem Marktwert von 65 Millionen (der Chilene Alexis Sanchez) und 20 Millionen (der Engländer Theo Walcott) stehen? Sie sorgten für die entscheidenden Tore, als Arsenal das Match gegen die in der ersten Hälfte überzeugenden Kölner von 0:1 auf 3:1 drehte. Stöger konnte nicht einmal unzufrieden sein: „Wir wollten ein unangenehmer Gegner ein. Das ist uns gelungen, wir haben uns gut präsentiert.“ Auch die finanzstarke Bundesliga muss zur Kenntnis nehmen,  gegen Länder mit höherem finanziellen Einsatz Probleme zu kriegen. Nur einer der sechs Teilnehmer in den europäischen Bewerben, nämlich Bayern, konnte von Dienstag bis Donnerstag gewinnen. Und so kommt es, dass Deutschland in den Punkten für die Fünfjahreswertung der UEFA 2018 nur auf Rang 21 liegt, sogar hinter dem kleinen Nachbarn Österreich.

Trotz Austrias 1:5 (0:3)-Debakel gegen Milan, die höchste Heimniederlage, die es für Violett bisher  im Europacup gab. Noch nie seit Gründung der Europa League kassierte eine Mannschaft in den ersten 20 Minuten drei Tore. Nicht einmal Rapid beim 0:6 in Valencia im Februar 2016. Aber insgesamt erinnerte Austrias Chancenlosigkeit an die des Erzrivalen zwei Saisonen davor. Aber darf das  wirklich verwundern? Austrias Stürmerhoffnung Christoph Monschein kostete eine habe Million Euro Ablöse an Admira, Milans chinesische Besitzer zahlten für Andre Silva an den FC Porto 38 Millionen. Der Portugiese kam mit seinen drei Toren erstmals so zur Geltung, wie es sich sein Trainer Vincenzo Montella immer erhofft. Hakan Calhanoglu, ein ehemaliger Schützling von Austrias Trainer Thorsten Fink beim Hamburger SV, war mit einem Superschuss unter die Latte zur Führung und  zwei Assists die zweite herausragende Figur.  Kostenpunkt 22 Millionen. Der neue Abwehrstartege Leonardo Bonucci  war Milan  42 Millionen Ablöse wert, Austrias 21jähriger Unglücksrabe Abdul Kadiri Mohammed vor einem  Jahr ein Billigkauf aus Ghana von Ashati Gold.

Und ist eigentlich derzeit nur erste Wohl, weil Routinier Petar Filipovic ein Angebot von Türkeis Cupsieger Konyaspor annahm. Osman Hadzikic steht wegen des  Langzeitausfalls von Robert Almer als unangefochtene Nummer eins im Tor, Florian Klein bestritt erst sein zweites Spiel nach der Rückkehr, das größte Talent, Dominik Prokop, wuchs wahrscheinlich auch erst durch den Ausfall von Kapitän Alexander Grünwald zur ersten Wahl von Fink. Dem Satz von Sportchef Franz Wohlfahrt, dass man normal gegen ein Kaliber wie Milan keine Chance hat, ist nichts hinzuzufügen. Das alles sollte man berücksichtigen, bevor man über Austria den Stab bricht. Bedeutet aber keine Entschuldigung für die zwei naiven Fehler von Kadiri, mit denen er Milan die ersten zwei Tore ermöglichte, das Siegen ganz leicht machte. Da kam einem der legendäre Spruch von Toni Pfeffer, Donnerstag Augenzeuge im Happel-Stadion, aus dem Jahr 1991 in den Sinn, als er nach dem 1:6 gegen Arsenal im Highbury-Stadion meinte: „Sie haben unsere Schwächen schamlos ausgenützt.“

Das Highlight für die bewunderswerten Austria-Fans, die bis zum Ende positiv blieben, die Verlierer anfeuerten: Der 18jährige Innenverteidiger Alexander Borkovic, der auf den verletzten Oldie Heiko Westermann folgte, avancierte zum jüngsten Spieler, der je für Austria im Europacup traf. Die Hoffnungen auf ein Aufbäumen nach dem 1:3 beendete ein Abseitstor. Und dann schied auch noch Borkovic verletzt aus. Die Personalprobleme für Fink wurden größer.

Salzburg startete hingegen bei Vitoria Guimaraes mit einer Leistung, mit der sich Trainer Marco Rose einverstanden zeigte. Obwohl beim 1:1 (0:1) die Chancen auf einen Sieg verschenkt wurden. Salzburg ist die österreichische Version vom Geld, das Fußball spielt. Kann daher Ausfälle leichter als die Austria verkraften. Gegen einen zugegeben leichteren Kontrahenten, der vor allem damit von sich reden machte, ohne Europäer in der Startelf zu beginnen. Gegen größere Kaliber werden sich auch Salzburgs Grenzen zeigen. Bestes Beispiel: Das Scheitern in der Qualifikation zur Champions League an Kroatiens Meister Rijeka. Wer glaubt, die Reform mit der Zwölferliga werde an den Perspektiven etwas ändern, ist blauäuig. Da bräuchte es schon mutigere Projekte, die mehr Geld versprechen. Etwa das Modell der grenzüberschreitenden Alps League mit der Schweiz, an die sich  beide Länder aber nicht heranwagen wollen.

Hannes Wolf vergab in Guimaraes die letzte große Möglichkeit für einen österreichischen Sieg. Der gelang auch keinem Legionär, egal ob Trainer oder Spieler: Adi Hütter musste sich mit Young Boys Bern im Stade de Suisse mit einem 1:1 gegen Partizan Belgrad begnügen, Florian Grillitsch verlor mit Hoffenheim daheim gegen Sporting Braga aus Portugal unerwartet 1:2 (1:1). Sein Defensivverhalten bei Bragas Siegestor ärgerte Trainer Julian Nagelsmann so, dass er  Grillitsch kurz danach austauschte.

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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