Fußball

Stellen statt verstecken: Peter Stöger punktet auch als Letzter

Sieben Runden in der Bundesliga, kein Sieg, nur ein Punkt, nur zwei erzielte Tore, Schlusslicht mit der roter Laterne, dazu zwei Niederlagen in der Europa League gegen Arsenal und Roter Stern Belgrad. Da wäre es ja fast logisch, wenn ein Trainer noch in dieser Situation zurückzieht statt in die Öffentlichkeit zu gehen. Aber Peter Stöger, der Wiener in Diensten des 1.FC Köln, denkt anders. Nämlich, dass es angebracht ist, sich auch zu stellen, wenn es nicht läuft. Gerade dann. Und das praktizierte er in der Länderspielpause. Große Interviews für „FussballBild“, auf drei Ausgaben verteilt, und das Sportmagazin „Kicker“ über seinen Umgang mit der Krise des Traditionsklubs. In dem kam er auf Seite eins mit Bild und dem Spruch „Die Liga ist ein gnadenloses Rad“. Im Kölner RTL-Studio stellte er sich dem „Verhör“ von Laura Wontorra. Die Tochter des deutschen Reporter-Urgesteins ist zugleich die Ehefrau von Kölns Stürmer Simon Zoller. So schaut Stöger auf die Familien seiner Spieler.

Der Rückkehr von Jupp Heynckes zu Bayern München nach vier Jahren beherrscht die deutschen Schlagzeilen.WenigeTage nach dem Heynckes-Abschied 2013 begann Stögers Engagement in Köln. Beim Comeback des 72jährigen Heynckes ist Stöger, inzwischen 51, als längstdienender Trainer des zuvor hektischen 1.FC Köln noch im Amt. 1581 Tage sind es inzwischen, nicht nur fürden populären Vizepräsidenten Toni Schumacher und Sportvorstand Jörg Schmadtke keiner zu viel. Freitag Abend startet der achte Versuch Kölns den ersten Sieg in dieser Bundesliga zu schaffen. Beim Aufsteiger VfB Stuttgart, ebenso wie Köln in keiner guten Situation. Während Stögers Kölner Ära verbrauchten die Schwaben neun Trainer. Sagt alles über  den Status des Wieners, der das letzte Wochenende in sseiner Heimatstadt Wien verbrachte, bewusst Freitag Abend nicht ins Happel-Stadion zu Österreichs  3:2 gegen Serbien gegangen war. Dort sass sein Spieler Milos Jojic auf der Tribüne. Stögers Assistent Manfred Schmid lentke sich bei einem Konzert von Helene Fischer von den sportlichen Sorgen ab,

Stöger ist sicher, das alle die Situation angenommen haben, wissen, dass es länger dauert, unten rauszukommen. Damit meint er Spieler und Fans, deren Unterstützung er in dieser Lage als aussergewöhnlich sieht. Alle sprechen ihn weiterhin freundlich an, machen ihm Mut. Nie überkam Stöger in den letzten Wochen das Gefühl, dass er Gefahr läuft, von den Leuten, die mit ihm während Erfolgszeiten gerne ein Glas Kölsch tranken, das jetzt ins Gesicht geschüttet zu bekommen: „Wir sind so schlecht gestartet wie noch nie. Alles was neu ist, ist auch schwierig. Da gibt es ungewohnte Mechanismen.“ Ohne schlaflose Nächte zu haben macht er sich mehr Gedanken, hinterfragt sich, ob er etwas übersehen hat, ob es Aktionen gibt die einen Mehrwert bringen ohne Aktionismus zu betreiben. Jetzt Schuldige zu suchen, wäre nur vergeudete Zeit: „Es geht um Lösungen, das zu reparieren, in der Bundesliga zu bleiben. Ich will nicht, das wir absteigen.“ Ihm ist die Zusammenarbeit mit den Menschen im Klub immens wichtig. Die machen für ihn den Verein aus: „Ich liebe die Stadt Köln, weil sie echt cool ist. Aber wenn ich nicht FC-Trainer bin, dann wird es schwierig, hier zu leben. Ich möchte aber weiter mit den Jungs und Menschen hier arbeiten und weiter in der Stadt leben können.“

Zugleich weiß er auch, dass er so wie bisher nicht 20 Runden durchstehen kann, weil irgendwann der erarbeitete Kredit zu Ende geht, die nächsten Spiele immens wichtig werden. In Stuttgart, wo Köln laut tipp3-Quoten nur als  3,20-Außenseiter gilt (siehe unten) und daheim gegen Werder Bremen, wo Zlatko Junuzovic Sonntag gegen Mönchengladbach erstmals diese Saison in der Startelf stehen wird und eine Rückkehr von Langzeittrainer Thomas Schaaf, mit dem Bremen 2004 das Double gewonnen hatte, vier Jahre nach der Trennung als technischer Direktor ein Thema ist: „Wir brauchen keine guten Spiele, sondern Siege.“  Trotz der Ausfälle von Schlsselspielern wie Jonas Hector, Marcel Risse und des neuen Stürmers Jhon Cordoba. Gerüchte, wonach er an Rücktritt denke, verstand er nicht: „Ich kann doch nicht dauernd sagen, wie viel mir Klub und Menschen hier bedeuten und dann haue ich ab.“ Wenn es Leute gäbe, die glaube  er habe mit seinem Trainerteam vier Jahre lang nur Glück gehabt und jetzt zeigt sich die wahre Handschrift, dann sollten die das tun: „Unsere Wahrnehmung ist eine andere.“

Ob sein Ruf leide oder nicht, das ist ihm egal. Gedanken, was nach Köln kommen könnte, ein anderer Klub in der Bundesliga oder der Job als Österreichs Teamchef, machte er sich noch nie: „Wenn wir aus dieser Situation unbeschadet rauskommen, dann wäre das der nächste große Schritt in meiner Karriere als Trainer.“ Von diesem Sager im „Kicker“ war einer ganz besonders begeistert: Matthias Sammer, ehemals Bayern-Sprotvorstand, davor Sportchef im DFB, als Spieler Europameister 1996 und Champions League-Sieger mit Borussia Dortmund. Jetzt ist er TV-Analytiker für „Eurosport“, wo er Stöger allein wegen dieses Spruchs als „etwas besonderes, etwas ganz wertvolles“ für die Bundesliga bezeichnete. Der noch jahrelang beim 1.FC Köln bleiben soll.

 

 

Foto: Fussball Bild.

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