Fußball

Große Trauer um Corona-Opfer Paul Gludovatz

Die ohnehin verhaltene Freude über Österreichs 4:2 gegen Israel am Freitag Abend erhielt Samstag Früh einen ziemlichen Dämpfer. Als bekannt wurde, dass Paul Gludovatz daheim im Burgenland im Alter von 75 Jahren an den Folgen von Corona verstorben war. Das löste auch beim  neuen ÖFB-Präsidenten aus dem Burgenland, Gerhard Milletich, Betroffenheit aus. Wie eigentlich bei allen, die Gludovatz über Jahrzehnte gut kannten. Anfang Oktober war er noch in der Wiener Stadthalle beim Fest der Spielervereinigung, beim „Bruno“. Damals bei bester Gesundheit.

Gludovatz kam aus Eberau, einen 750 Einwohner-Gemeinde im Süden des Burgenlands, nahe der ungarischen Grenze. Er war 27 Jahre lang Nachwuchsteamchef im ÖFB, leitete auch jahrelang die Trainerausbildung. Heutzutage wäre diese lange Zeit unvorstellbar. Unter Gludovatz gab es Spitzenplätze bei Europameisterschaften, egal ob U 16 oder U 19. Mitunter gaben seine Taten auch zu Diskussionen Anlass. Als er etwa Andi Herzog einmal nach 10 Minuten austauschte. Aber der Höhepunkt war sicher 2007 die U 20-WM in Kanada und Platz vier mit späteren Teamspielern wie Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic, VeliKavlak, Martin Harnik oder Jimmy Hoffer. Nach dem Viertelfinalsieg über die USA in Toronto meldete sich auf seinem Handy der damalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, als Gludovatz  Interviews gab. Ich ernannte ihn damals wegen seiner burgenländischen Herkunft zum „Schilf-Menotti“. Das war als Kompliment gedacht. Er konnte damit leben. Gerhard Schweitzer war an seiner Seite als wichtigster Assistent dabei. Wie auch in späteren Jahren

Nach dem Erfolg in Kanada verabschiedete er sich vom ÖFB, ging in die Bundesliga. Nach Ried. Formte dort etwa das Austria-Talent Andreas Ulmer zu einem Linksverteidiger, den Red Bull Salzburg holt, wo er noch heute Kapitän ist. Er war mit Ried zweimal sogar Herbstmeister, wurde am 29. Mai 2011 mit den Innviertlern Cupsieger. Beim 2:0 gegen Austria Lustenau pilgerten 10.000 Ried-Fans ins Wiener Happel-Stadion. So etwas gab es danach nie wieder.Wer Gludovatz als leutseligen Querdenker bezeichnet, der liegt nicht falsch. Nach vier Jahren Ried rief ihn 2012 Sturm Graz als Sportchef. Aber das war nicht seine Welt. Er arbeitete zwar ganz nach seinem Motto „entweder ganz oder gar nicht“ rund um die Uhr, beendete sozusagen auftragsgemäß die Ära des  populären Meistertrainers Franco Foda, weil kein andere das übernehmen wollte. Das ging an die Grenzen der Belastbarkeit. Nach zwei Monaten war Schluss.

2015 sprang er nochmals bei Ried ein, als dort höchste Not herrschte, löste den Isländer Helge Kolvidsson ab, schaffte den Klassenerhalt. Die Rieder Fans verabschiedeten ihn damals mit einem großen Transparent, auf dem stand: „Der Winzer aus dem Burgenland wird in Ried zum König ernannt.“ Der private Weingarten in Eberau, zuletzt nicht mehr bewirtschaftet, war sein großes Hobby. Das Virus soll Gludovatz in Eberau erwischt haben. Unfassbar. Es ist eine moralische Verpflichtung, dass Montag in Klagenfurt bei der WM-Qualifikation gegen Moldau mit einer Trauerminute an Gludovatz gedacht wird, das Team mit Trauerflor spielt.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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