Fußball

Irland so wie früher Gerdi Springer: Österreich braucht das höhere Energielevel

Nach zwei der vier Runden sind in der Nations League A und B sieben Nationen ungeschlagen: In den vier Topgruppen Weltmeister Spanien (3:2 in Wembley gegen England, 4:1 in Sevilla gegen Kroatien, wobei Ex-Rapidler Dion Beljo per Kopf Kroatiens Tor erzielte),  Frankreich mit seinem neuen Teamchef Zinedine Zidane (jeweils 1:0 in der Türkei und Belgien), sensationell Griechenland (auswärts 2:1 gegen Serbien und 1:0 gegen Deutschland) sowie Portugal (1:0 gegen Wales in Lissabon, 2:1 in Oslo gegen Norwegen ohne Cristiano Ronaldo).  In der Nations-League-B sind es die Schweiz, die auswärts Nordmazedonien und Schottland jeweils 3:0 bezwang, Schweden (daheim 2:1 gegen Rumänien, 3:1 gegen Polen) sowie Österreich mit den 3:1-Heimsiegen gegen Israel und Kosovo. Wie viel die wert sind, wird man Donnerstagabend im Aviva-Stadion von Dublin gegen Irland sehen. Wo Österreich gegen die „Boys in green“ zuletzt vor 31 Jahren gewann. Auf das 3:1 1995 unter Herbert Prohaska folgten in der Ära von Teamchef Marcel Koller in der verpassten WM-Qualifikation für 2014 ein 2:2, bei dem David Alaba in der 92. Minute den Ausgleich erzielte und der berühmte Giovanni Trappatoni Irlands Teamchef war und in der verpassten WM-Qualifikation für 2018 ein 1:1, bei dem Michael Gregoritsch vier Minuten spielte. Werden es Donnerstag mehr sein?

Einsatzfähig wäre der Augsburg-Legionär.  Das sind alle Spieler, die Mittwoch in die irische Hauptstadt flogen. Konrad Laimer nach überstandener Adduktorenverletzung allerdings nur für die letzten 30 Minuten, wie Teamchef Ralf Rangnick verriet. Das ist so mit Bayern München besprochen. Nicht im Flugzeug saßen LASK-Kapitän Sascha Horvath und LASK-Tormann Lukas Jungwirth. Horvath, weil sein Einsatz wegen der Oberschenkelprobleme zu riskant wäre, Jungwirth, weil er Freitag im U 21-Team für die EM-Qualifikation benötigt wird. Da der dafür vorgesehene Christian Zawieschitzky nach dem Teamdebüt ggen Kosovo über Adduktorenprobleme klagte und ausfällt. So flog ein U 21-Keeper mit nach Dublin. Nämlich Matteo Bignetti, letzte Saison die Nummer zwei bei Sturm, jetzt Stammtorhüter beim 1. FC Saarbrücken, dem Vierten der dritten deutschen Liga. Jungwirth hätte Sonntag in Pristina erstmals den Teamdress tragen sollen. Bitter für ihn. Aber Rangnick stellte ihm in Aussicht, dass dies im November im letzten Heimspiel gegen Irland in „seinem“ Linzer Stadion passieren könnte.

Es gibt einige offene Fragen in der Aufstellung. Fix ist der erste Einsatz von Tormann Florian Wiegele in der Startelf. Stefan Posch und Philipp Mwene werden die Außenverteidiger sein, aber wer beginnt mit Philipp Lienhart  im Abwehrzentrum? Wird es Marco Friedl sein, der Sonntag den in Dublin gesperrten Kevin Danso im Finish ersetzte, oder David Affengruber, oder Neuling Felix Bacher oder Max Wöber sein? Die offensiven Flügelspositionen könnten  mit Patrick Wimmer und Romano Schmid besetzt sein. Oder mit Wimmer und Christoph Lang, falls Schmid der  dritte zentrale Mittelfeldspieler zu Xaver Schlager und Nicolas Seiwald  ist. „Wir brauchen sicher wieder das höhere Energielevel am Platz“ wusste Rangnick. Dafür könnte wie gegen Kosovo wieder Schlager, der erneut Kapitän sein wird, sorgen. Offen ist auch, ob Gregoritsch oder Junior Adamu als Spitze beginnt. Sasa Kalajdzic bleibt vermutlich wieder im „Talon“.

Irland war zuletzt vor zehn  Jahren bei einem Großereignis, schied bei der EM in Frankreich im Achtelfinale mit 1:2 gegen den Veranstalter aus, verpasste das WM-Ticket im Frühjahr gegen Tschechien im Elfmeterschießen. Geprobt wird gegen Österreich schon für die EM 2028, was die Organisation betrifft. Als Ko-Veranstalter sind die Iren nicht fix qualifiziert. Das soll unter Teamchef Heimir  Hallgrimsson geschafft werden. Der Isländer, der vor dem 3:0 gegen Israel in Debrecen durch mehr als grenzwertige Aussagen zum Thema Israel auffiel, hatte gegen Österreich schon vor zehn Jahren im Stade de France von Paris sein Erfolgserlebnis: Er war mit dem Schweden Lars Lagerbäck das gleichberechtigte Teamchefduo bei Island, als die Isländer Österreich 2:1 bezwangen und von der EM heimschickten. Die Isländer bezwangen danach auch England 2:1, verloren erst im Viertelfinale gegen Deutschland 2:5.

„Wir müssen darauf eingestellt sein, dass die Iren versuchen, die Bälle möglichst schnell nach vorne zu bringen!“, wusste Rangnick. Mit hohen Bällen über das Mittelfeld hinweg. Man könnte das auch als „Gerdi Springer-Fußball“ bezeichnen. Weil der Kärntner in seiner Trainerzeit als „Karawanken-Herrera“ bei Austria Klagenfurt, Sturm Graz, Rapid und Alpine stets die Ansicht vertrat, man brauche kein Mittelfeld, weil dort keine Tore stehen. Ähnlich werden die Iren agieren. Wegen der „Anti-Israel-Stimmung“ wird nicht ausgeschlossen, dass es während des Spiels zu Anti-Israel-Aktionen kommt, obwohl Österreich der Gegner ist. Den Israelis verweigerten Irlands Spieler den Handschlag, was einiges über ihren Charakter sagt. Den Österreichern werden die Iren die Hand geben.

Foto: ÖFB/Johannes Friedl.

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