Es war das letzte Derbytor, das der seit 29. April 36 jährige Guido Burgstaller am Sonntag für Rapid zum Führungstor beim 2:1 gegen die Austria erzielte. Am Tag darauf reifte in dem Kärntner offenbar der Entschluss, seine Karriere nach dem letzten Spiel dieser Saison zu beenden. Sonntag klang es bei den Interviews nach dem Spiel nicht danach. Dienstag machte der Kärntner aber kein Geheimnis daraus, aufzuhören, sprach von der schwierigsten Entscheidung seines gesamten Fußballerlebens, dass es immer für ihn ein großes Privileg war, für diesen Verein spielen zu dürfen: „Ich durfte unvergessliche Moment aufsaugen. Ich hoffe, dass ich nach meinem letzten Spiel von den Fans auch ein bisschen vermisst werde“. Sicher viel mehr als nur ein bisschen. Das letzte Spiel mit Burgstaller im grün-weißen Dress wird vermutlich am 1. Juni das im Play-off um einen Europacupplatz gegen LASK oder Hartberg sein. Schon Sonntag vor dem Ankick des Duells gegen Tabellenführer und Meister Sturm Graz wird er erstmals offiziell verabschiedet. Das wird vor der nächsten Saison sicher in größeren Rahmen wiederholt.
Speziell nach seinem Treffer gegen die Austria hätten sich bei Rapid alle gewünscht, dass Burgi“ entgegen seinen ursprünglichen Plänen noch eine Saison anhängt. Aber vielleicht wollte er sich nach der schweren Kopfverletzung, deren Folgen er weiterhin spürt, nicht nochmals eine harte Saisonvorbereitung antun. Das muss man verstehen. Er erzielte in 210 Pflichtspielen 70 Tore: 154 Partien in der Bundesliga mit 55 Toren, 17 im Cup mit sechs, 39 im Europacup mit neun. Zu Rapid kam er 2011 von Wr. Neustadt, spielte unter anderem bis 2014 mit dem heutigen Geschäftsführer Steffen Hofmann zusammen. Sie wurden Freunde für das Leben. 2014 folgte der Start in die Auslandskarriere. Der Auftakt bei Cardiff verlief nicht ach Wunsch, aber sehr wohl die Fortsetzung in Deutschland beim 1. FC Nürnberg, Schalke und St. Pauli. Bei Klubs, die so wie Rapid von Emotionen leben. Bei allen wurde Burgstaller Publikumsliebling. 2022 holte ihn der damalige Sportchef Zoran Barisic zurück zu Rapid. Für nur 500.000 Euro Ablöse. Das war bis heute der letzte grün-weiße Königstransfer. Die Fans wählten ihn zwischen 2022 und 2024 dreimal hintereinander zum „Rapidler“ des Jahres, in der Saison 2022/23 war ermit 21 Toren zudem Schützenkönig der Liga. Zwischen 2012 und 2020 bestritt er 26 Länderspiele, traf zweimal. Nach dem Siegestor in der EM-Qualifikation gegen Slowenien am 7. Juni 2019 in Klagenfurt beendete er selbst eine Teamkarriere.
Vor dieser Saison trat er auf eigenen Wusch als Rapid-Kapitän zurück. Da war schon im Hinterkopf, dass er nur noch ein Jahr spielen wird. Nach dem Schädelbasisbuch wollte er es noch einmal wissen, sich nicht mit einer Verletzung verabschieden. Das Derbytor war der Beweis, dass er den Weg zurück wieder geschafft hat. Was bedeutet Burgstallers Entscheidung sportlich? Außer ihm hat Rapid mit Dion Beljo und Ercan Kara noch zwei Mittelstürmer im Kader. Falls Beljo in Wien bleiben will, müsste Rapid die Option auf den Kroaten bei Augsburg ziehen. Das kostet Millionen. Billiger wäre es, Kara von Samsunspor endgültig zu verpflichten. Der Vierte der türkischen SüperLig musste für ihn 2023 nur 150.000 Euro Ablöse an Orlando bezahlen. Alternativen in der zweiten Mannschaft? Furkan Dursun kam bisher über gute Ansätze nicht hinaus. Burgstaller hinterlässt eine Lücke. Sportlich sowie als Leader und Persönlichkeit in der Kabine.
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