Rapids Trainer Hoff Thorup war so enttäuscht wie nie zuvor, bei Sportchef Markus Katzer saß der Stachel nach dem 0:2 im Derby wieder einmal tief. Es war schon öfters echt bitter und enttäuschend, wie er es ausdrückte. Der Stachel müsste bei ihm auch tief sitzen, wenn er Bilanz über seine Personalpolitik zieht. Insgesamt zwölf Spieler wurden im Sommer und Winter geholt. Aber wer hat Rapid eigentlich stärker gemacht? Eigentlich keiner. Jetzt ist wieder einmal von dem nötigen Umbruch die Rede. Aber der geplante Neubeginn wird schwer in die Tat umzusetzen sein: Denn die Versager haben Verträge bis 2029, also noch drei Jahre. Gemeint sind Tobias Gulliksen (Bild), Martin Ndzie, der in 14 Einsätzen sehr wenig brachte, bevor er sich verletzte, Marco Tilio und Nossa Peter Dahl, die zusammen stolze 9,3 Millionen Ablöse kosteten. Sollte Hapoel Haifa die Kaufoption für Andrija Raduovic nicht ziehen, was zu erwarten ist, da er bisher nur vier Spiele bestritt und kein Tor erzielte, kehrt der Montenegro-Stürmer nach Wien zurück. Auch er hat einen Vertrag bis 2029.
Cupsieger und Fast-Meister LASK kaufte weniger ein, aebr dafür besser. Zwar sind auch Art Smakaj, Adetunji Adeshim oder der Kroate Luka Kacavenda nur Ergänzungsspieler, hat auch Innenverteidiger Xavier Mbuyamba keinen Stammplatz. Aber erzielte am Weg zur Tabellenführung ein wichtiges Tor – in der Nachspielzeit zum 3:2 in Salzburg. Volltreffer waren der beim portugiesischen Zweitligisten Portimonense „entdeckte“ brasilianische Innenverteidiger Joao Tornich, Sasa Kalajdzic und der dänische Rechtsverteidiger Kaspar Jörgensen, der bisher einen Treffer mehr erzielte als der beste Rapid-Torschütze Ercan Kara. Tornich und Kalajdzic kamen auf Leihbasis.
Einen Tag vor dem 1:3 beim LASK erklärte Katzer bei „Talk&Tore“ von Sky, er habe seit Beginn seiner Ära Rapid auf Ballbesitz-Fußball umgestellt. Da ließ ihn seine Erinnerung etwas in Stich. Der erste Trainer, den er nicht mehr wollte, war mit Zoran Barisic einer, der total für Ballbesitzfußball stand. Als Ersatz kam mit Robert Klauß einer mit Red-Bull-Philosophie. Peter Stöger schätzte die Qualitäten des Kader nicht so hoch ein, wie es der geglückte Saisostart vermuten ließ, und behielt recht. Vom besten Kader in der Bundesliga redet inzwischen keiner mehr. Jetzt ist bei Thorup wieder Ballbesitz gefragt. Der aber bisher keinen Aufwärtstrend brachte. Von den elf Niederlagen in der Bundesliga passierten vier mit Stöger, zwei mit Interimstrainer Stefan Kulovits und fünf mit Thorup.
Foto: Yigit Oerme.
