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Noch ein großer Applaus für „Basti Fantasti“

Als Österreich vor fast 14 Jahren, am 6. September 2008, zum bisher letzten Mal Frankreich besiegen konnte, war das Happel-Stadion ausverkauft. Damals trug der 21 jährige Sebastian Prödl den Teamdress mit der Nummer 15. Sorgte in seinem 13. Länderspiel beim 3:1 (2:0) dafür, dass der aufstrebende Lyon-Stürmer Karim Benzema kein Tor erzielte.  Für die Sieger trafen damals Marc Janko, Rene Aufhauser und Andi Ivanschitz aus einem Elfmeter. Freitag wird das Happel-Stadion wieder voll sein, wenn Prödl für 73 Länderspiele geehrt und gebührend verabschiedet wird. Er verstärkt den Legendenklub des Nationalteams. In vielen dieser 73 Einsätze war der im Abwehrzentrum verlässliche „Basti“, wie er immer genannt wurde, „Basti Fantasti“.

Bei fünf Teamchefs kam er zum Einsatz. Bei Josef Hickersberger, Karel Brückner, Didi Constantini, Marcel Koller und Franco Foda. Hickersberger ließ ihn am 30. Mai 2007 beim 0:1 gegen Schottland im Hanappi-Stadion kurz debütieren, drei Tage später spielte er gegen Paraguay durch. Einen Monat später war das Talent von Sturm Graz Kapitän von Österreichs U 20 mit Zlatko Junuzovic, Veli Kavlak, Martin Harnik und Rubin Okotie, die bei der WM in Kanada Platz vier belegte. Unter Paul Gludovatz, den Prödl zu den Trainern zählt, die ihn am meisten prägten. Die anderen waren Franco Foda bei Sturm Graz und Werder Bremens Urgestein Thomas Schaaf. Bei der Heim-EM 2008 zählte Prödl bereits zum Stammpersonal, spielte beim unglücklichen 0:1 gegen Kroatien und beim 1:1 gegen Polen, als er in der Nachspielzeit den Elfmeter herausholte, den Ivo Vastic zum Ausgleich verwandelte. Beim 0:1 gegen Deutschland fehlte er nach zwei gelben Karten. Mitunter war der junge Prödl auch zu ungestüm.

Nach der EM folgte der Wechsel zu Werder Bremen. Die Ablöse betrug 2,5 Millionen Euro. Am Radar des Traditionsklubs stand er bereits ein Jahr zuvor in Kanada, der ihn dort von Dieter Eilts, dem deutschen Europameister von 1996, beobachten ließ. Im Norden Deutschlands blieb Prödl sieben Jahre lang, hatte mit Harnik (2008/09), Marko Arnautovic (2010 bis 2013) und Junuzovic (2012 bis 2015) jahrelang einen Landsmann zur Seite, spielte mit großen Namen wie dem legendären brasilianischen Inennverteidiger Naldo, dem späteren deutschen Weltmeister Mesut Özil oder Torjäger Claudio Pizarro zusammen. Einer seiner drei Trainer in Bremen arbeitet jetzt in Wolfsberg, nämlich Robin Dutt. Das Highlight bei Werder war der Pokalsieg 2009, im gleichen Jahr das Finale im UEFA-Cup gegen Schactjor Donezk in Istanbul, das in der Verlängerung 1:2 verloren ging.

Ab 2015 lernte Prödl Englands Premier League kennen. Im Dress von Watford. In fünf Jahren hatte er fünf verschiedene Trainer. Bei der EURO 2016 spielte Prödl beim einzigen Match, das Österreich nicht verlor. Beim glücklichen 0:0 gegen den späteren Europameister Portugal mit Cristiano Ronaldo im Parc de Prince. Beim 1:2-k.o gegen Island wurde er Opfer einer unglückseligen Idee von Teamchef Marcel Koller, es erstmals mit drei Innenverteidigern zu versuchen, was zuvor nur in einem Trainingsspiel gegen einen Schweizer Amateurklub 45 Minuten lang geprobt wurde. Zur Pause bei 0:1 stellte Koller auf Viererabwehr um, ließ Prödl in der Kabine.

Das letzte Länderspiel bestritt Prödl zwei Jahre später am 26. Oktober 2018 beim 0:2 gegen Dänemark in Herning. Im Finish der Karriere machte das Knie nicht mehr richtig mit, darum klappte es auch in Italien bei Udinese, dem Klub, der wie Watford zur „Pozzo-Dynastie gehört“ nicht mehr. Eigentlich war die Karriere schon vor einem Jahr vorbei, jetzt ist es offiziell. Prödl ist bei ServusTV Experte für Europa und Conference League. Nicht nachvollziehbar, warum auch nicht für die Champions League, in der mit Werder Bremen spielte. Dazu stieg er gemeinsam mit seinem ehemaligen Berater Jürgen Werner als Investor bei der Wiener Austria ein, gehört zum Aufsichtsrat. Passt sozusagen auf, dass sein Investment gut genützt wird. Das wird er mit der Konsequenz tun, für die er als erfolgreicher Spieler bekannt war. Den letzten großen Applaus im Happel-Stadion am Freitag hat „Basti Fantasti“ mehr als verdient.

 

 

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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