Wirklich beeindruckend blieben bei Österreichs letztem Spiel vor der Weltmeisterschaft, dem 1:0 (0:0) gegen Tunesien, nur die Worte zum Gedenken an den tödlich verunglückten Ex-Teamtorhüter Alexander Manninger von seinem ehemaligen Mitspieler Sebastian Prödl und der Applaus der 35.100 Zuschauer nach der Trauerminute. Ansonst lief nicht viel nach Plan. Es begann schon vor dem Spiel, als Christoph Baumgartner beim Aufwärmen einen Stich im Hüftbeuger verspürte, daher nicht einsatzfähig war. So kam Michael Gregoritsch in Baumgartners Offensivolle zum Zug. Nach 37 Minuten spielte Österreich in Unterzahl, weil der französische Schiedsrichter Jeremie Pignard Konrad Laimer, der eher unerwartet als linker Verteidiger aufgeboten wurde, um für Romano Schmid ein Platz im Mittelfeld zu schaffen, für ein Hands vor dem Strafraum zuerst gelb, dann nach VAR-Intervention aber rot zeigte, weil sein Vergehen eine Torchance verhinderte. Regeltechnisch war das okay, aber vor der WM wäre mehr Fingerspitzengefühl angebracht gewesen, obwohl das in keinem Regelbuch vorkommt. Jetzt hängt es vom Wohlwollen der FIFA-Disziplinarkommission ab, ob Laimer wie erwartet mit einer bedingten Sperre davonkommt, das es sich um kein Foul oder ein anderes schweres Vergehen handelte und am 17. Juni beim WM-Start gegen Jordanien spielen kann.
Österreich brauchte Glück, um mit einem 0:0 in die Pause zu kommen, denn die Afrikaner trafen Latte und Stange. Einen schweren Ball hielt Alexander Schlager.
Wegen der besonderen Situation wechselte Teamchef Ralf Rangnick zur Pause mehr als geplant, gleich fünfmal, stellte auf ein 4-4-1 um. Draussen blieben die Innenverteidiger Philipp Lienhart und David Alaba, was beim Kapitän nicht geplant war, aber eine Vorsichtsmassnahme war, da er eine Muskelverhärtung spürte, Schmid, Gregoritsch und Marko Arnautovic. Wer behauptete, dass Österreich von Beginn an mit einem Mann weniger agierte, weil Arnautovic bis auf einen Pass, der durch Sabitzer zum einzigen Torschuss Österreichs in der ersten Hälfte führte, gar nicht mitspielte, der lag nicht ganz falsch. Hinein kamen Kevin Danso und Marco Friedl ins Abwehrzentrum, Mwene als Linksverteidiger, Carney Chukwuemeka ins Mittelfeld und Sasa Kalajdzic als einzige Spitze. Schon mit seinem dritten Ballkontakt hätte er fast die Führung erzielt. Er war jedenfalls viel, viel aktiver als Arnautovic, was an diesem Abend nicht schwer war, aber doch sehr auffiel. In Unterzahl ließ Österreich keine Torchance Tunesiens zu, erzielte aus einem Konter über Chukwuemeka und Stefan Posch das Goldtor nach 62 Minuten. Marcel Sabitzer, der nach der Pause Kapitän war, verwandelte den Posch-Pass direkt. Sein 26. Tor für Österreich im 98. Länderspiel. Nach einem Freistoß von ihm trafen Friedl und Posch in einer Aktion Stange und Latte. Österreich war dem 2:0 näher als Tunesien dem Ausgleich.
„Wir brauchen gegen einen tief stehenden Gegner bessere Ideen mit dem Ball besser werden“, wusste der slbstkritische Sabitzer, der sich als Zentralfigur bestätigte „das Passspiel muss schneller und genauer werden“. So sah es auch Rangnick, der von unsauberem Spiel, ungenutzten Möglichkeiten zum Torschuss sprach, die zweite Hälfte durchaus zufieden stellend fand. Er gab auch zu, nach der Generalprobe weniger Fixposten für das ersten Gruppenspiel zu haben als vorher. Weil einige aufzeigten. Wie Chukwuemeka, Paul Wanner, der nach einer Stunde Xaver Schlager ablöste, und Kalajdzic. Wer weiter seinen Fixposten hat, ist Alexander Schlager, den Rangnick zur Nummer eins für die WM erklärte. Auch an Alaba, Posch, Nicolas Seiwald, Laimer und Sabitzer wird der Teamchef festhalten. Viel hängt davon ab, welches Ergebnis am Donnerstag die Magnetresonanz bei Baumgartners Verletzung ergibt. Sein Ausfall wäre für ihn persönlich und auch für die Mannschaft schlimm. Verletzte Spieler können bis einen Tag vor dem ersten WM-Spiel ersetzt werden.
Foto: Yiğit Örme.
