Die neuen Könige Europas kommen von Paris St. Germain. Glanzvoll war die Krönung am Samstag vor 61.000 Zuschauern in der Budapester Puskas-Arena mit dem 4:3 (1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen gegen Englands neuen Meister Arsenal aber wirklich nicht. Sie hielt keinen Vergleich mit der 5:0-Gala im Endspiel 2025 gegen Inter Mailand oder den Semifinalspielen gegen Bayern München stand, die das vorweggenommene Endspiel waren. Darüber konnte die Super-Stimmung auf den Rängen nicht hinwegtäuschen. Man kann zwar wie der deutsche Sky-Experte Didi Hamann durchaus bewundern, wie leidenschaftlich und gut Arsenal gegen die Offensivmaschinerie verteidigte, bis zur Pause keine Torchance zuließ, nach der Pause nur durch einen von Ousmane Dembele verwandelten Elfmeter nach Foul des spanischen Verteidigers Cristhian Mosquera an Kvicha Kvaratskhelia den Ausgleich kassierte, bei je einem Stangen und Lattenschuss Glück hatte. Aber besser lag Adi Hütter bei Canal+, der fand, mit Paris habe zum Glück die Mannschaft gewonnen, die aktiver war, mehr für das Spiel tat. Das beweisen die 74 Prozent Ballbesitz.
Arsenal wollte die bereits nach 303 Sekunden durch den Deutschen Kai Havertz erzielte Führung, die ein Fehler von Paris-Kapitän Marquinhos ermöglichte, nur über die Distanz bringen. Wäre das gelungen, hätte Havertz zum zweiten Mal nach 2021 das Goldtor in einem Endspiel erzielt. Damals für Chelsea in Porto gegen Manchester City. Arsenal begann bereits nach 20 Minuten Zeit zu schinden. Provokant das Verzögern der Outeinwürfe, das der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert auch durch eine gelbe Karte für Mosquera kurz nach der Pause nicht stoppen konnte. Trainer Mikel Arteta wäre in Österreichs Bundesliga für sein Verhalten in der Coaching Zone und außerhalb sicher schon vor der Pause auf die Tribüne geschickt worden. In der Champions League sah er nur gelb. Sein spanischer Kollege Luis Enrique gab Paris St. Germain auch eine gewisse Sympathie. Heute redet man nicht mehr von der durch Wüstengelder finanzierten Truppe mit den Superstars. Sondern von einem Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von knapp über 24 Jahren, die auf Jahre hinaus dominieren könnte, mit 45 Toren in einer Saison Barcelonas Champions League-Torrekord einstellte. Luis Enrique gewann schon zum dritten Mal die Champions League: 2015 in Berlin mit Barcelona gegen Juventus, 2025 und 2026 mit Paris St. Germain, Das schafften vor ihm nur der legendäre Liverpool-Boss Bob Paisley, Zinedine Zidane und Pep Guardiola.
In Erinnerung an das Budapester Finale blieben ganz besondere Szenen. Wie Marquinhos nach dem von Gabriel Magalhaes über das Tor gejagten Elfmeters, der das Penaltydrama entschied, nicht gleich zum Jubeln lief, sondern zuerst Gabriel tröstete. In eineinhalb Wochen beguinnt für beide die gemeinsame Mission, mit Brasilien Weltmeister zu werden. Oder dass der in der Verlängerung eingewechselte Paris-Innenverteidiger Illya Zabarnyi zur Siegerehrung mit der Ukraine- Fahne kam. Er verteidigte vor Matvei Safionov, dem Teamtormann aus Russland, dem Land, das die Ukraine überfiel und bombardiert. Auch das gehört zu den Geschichten um die neuen Könige Europas. Den Titel erfolgreich zu verteidigen, gelang vor Paris nur Real Madrid.
Foto: UEFA.
