Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Als die Enttäuschung über das Europacupfinale im Abklingen war, kam der nächste Tiefschlag: Die Angst, doch nicht bei der Weltmeisterschaft in Argentinien dabei zu sein. Erst einen Tag vor dem geplanten Abflug nach Südamerika, also viel zu spät, kam es in der Sportschule Lindabrunn zu den Prämienverhandlungen. Verbandspräsident Karl Sekanina, der Chef der Metallergewerkschaft, sollte zum entscheidenden Gespräch über die Vorschläge der Spieler kommen. Die waren leistungsbezogen. Sie wollten Geld für Punkte und eine Prämie, falls gegen Spanien, Schweden und Brasilien der Aufstieg gelingt. Aber Sekanina schickt Walter Zips, den Präsidenten des niederösterreichischen Landesverbands. Angeblich war Sekanina wegen einer Parlaments-Sitzung verhindert, stattete Zips mit allen Vollmachten aus. Die Prämien, die er nannte, deckten sich überhaupt nicht mit den Vorstellungen der Spieler. Zips sprach von einem letzten Angebot. Die Spieler berieten im Fernsehraum der Sportschule und beschlossen, nicht nach Argentinien zu fliegen, wenn Sekanina nicht kommt und mit ihnen redet. Zips drohte mit schweren Sperren und der Ankündigung, im Falle der Weigerung mit dem Unter-21-Team zur WM zu fahren. Die meisten aus dem 22 köpfigen WM-Kader sprachen von leeren Drohungen. Prohaska hatte dennoch Angst, daheim zu bleiben. Dachte aber doch, wenn alle zusammenhalten, dann kann man nicht alle sperren.
Der Teamchef solidarisierte sich mit der Mannschaft. Helmut Senekowitsch versicherte, dann fliege auch der Unter 21-Teamchef zur WM. Nach einem Anruf des merkbar nervösen Zips hatte Sekanina doch Zeit, um nach Lindabrunn zu kommen. Mit ihm gelang die rasche Einigung. Es wurden Prämien vereinbart, die man teilweise in Naturalien bekommen sollte. Als politisch mächtigem Mann fiel es Sekanina offenbar nicht schwer, Firmen in die Pflicht zu nehmen. Ein Teil von Prohaskas WM-Prämie bestand aus einem Fernseher und einem Videorecorder. Heutzutage würde das sicher keiner akzeptieren, damals schon.
Die Ankunft am Flughafen Ezeiza von Buenos Aires nach einem 22 Stunden-Flug über Frankfurt, Senegals Hauptstadt Dakar und Rio de Janeiro war beeindruckend. Wie der ganze Aufenthalt in dem fußballbegeisterten Land, das die Militärs regierten. Österreichs Quartier, zwei Autostunden von Buenos Aires entfernt, in Moreno, glich einem gut beachten Gefängnis. Vor der Umzäunung gab es ausgehobene Gräben, in den Soldaten mit schussbereiter Maschinenpistole Tag und Nacht Wache schoben. Die große Angst vor Terroristen führte auch dazu, dass der Teambus immer eine andere Route wählte, immer in der Straßenmitte fahren musste. Die Sicherheitsoffiziere, die das Team rund um die Uhr begleiteten, musste vermeiden, dass der Mannschaftsbus in einen Stau geriet. Entgegenkommende Fahrzeuge wurden rücksichtslos abgedrängt.
