Nach der dritten Niederlage im vierten Saisonduell steht Rapid mit dem Rücken zur Wand: Ried erkämpfte sich mit dem 2:1 (1:1)-Heimsieg die bessere Ausgangsposition, hat vor sechs Monaten in Hütteldorf 2:1 gewonnen! Es spricht wenig dafür, dass Rapid den grün-weißen Supergau, nämlich keinen Europacuppatz zu erobern, verhindern kann. Die Ausfälle von Nenad Cvetkovic wegen einer Wadenverletzung sowie der erkrankten Bendegüz Bolla und Lukas Grgic sind keine Begründung für die vierte Niederlage hintereinander. Rapid braucht einen Sieg mit zwei Toren Differenz, um den sportlichen Totalschaden zu verhindern, der auch einen massiven finanziellen Verlust bedeuten würde.
Trainer Hoff Thorup versicherte Donnerstag, man habe sich detailliert mit Rieds Standardsituationen beschäftigt. Offenbar nicht gut genug Denn beide Treffer kassierte Rapid prompt aus Standardsituationen. Das erste nach einem guten Beginn, bei dem Petter Dahl und Nikolaus Wurmbrand Chancen zur Führung nicht verwerteten, nach einem kurz abgespulten Eckball. Jusuf Nasrawe konnte ungehindert flanken, der Zweimeter-Riese Niki Havenaar kam zum Kopfball, traf ins lange Eck. Das dritte Tor des Innenverteidigers im zweiten Spiel dieses Jahres gegen Rapid. Als Romeo Amane die Voarbeit von Dahl eine Viertelstunde vor Schluss mit der einzigen Chance in der zweiten Hälfte den Ausgleich erzielte, fiel zwei Minuten später Rieds Siegestor nach einem schlecht verteidigten Outeinwurf: Serge Raux Yao fälschte einen harmlosen Kopfball von Jordis Buogo unhaltbar ab.
Rapid agierte wiederum mit Fünferabwehr, drei Innenverteidigern. Kapitän Matthias Seidl begann quasi als rechter Flügelspieler, übersiedelte nach der Pause ins Zentrum Es passte zu wenig zusammen. Sky-Experte Robert Ibeertsberger meinte, als er das Interview von Thorup hörte, der feststellte, dass Rapid besser ausgesehen habe als bei der 0:3-Cuppleite Ende Jänner in Ried: „Ich glaube, die Rapidler sehen immer etwas anders!“ Thorup hat den Glauben an ein Happy End nicht verloren. Egal wie es Montag ausgeht, Rapid muss Konsequenzen aus der verpatzten Saison ziehen. Der verstorbene Präsident Rudolf Edlinger, unter dem Rapid seine letzten zwei Titel gewann, hätte nie so lange tatenlos zugesehen wie jetzt Alexander Wrabetz. Die Ried-Fans feierten ihre Mannschaft und den scheidenden Trainer Maximilian Senft nach dem letzten Heimspiel der Saison schon so, als wäre die erste Qualifikation für den Europacup seit 14 Jahren bereits geschafft.
Foto: Yigit Oerme.