Erst im April und Mai, am Saisonende also, müsse Rapid wirklich gut in Form sein. Diesen Plan präsentierte Trainer Hoff Thorup im Jänner zu Saisonbeginn. Davon ist aber keine Spur. Rapid präsentiert sich armlos und fast peinlich, bei der 0:2-(0:0-)Niederlage gegen Sturm in Graz auch noch dumm. Wie das Beispiel von Yusuf Demir (Bild) zeigte: Erstmals seit der Rückkehr von Türkeis Meistee Galatasaray Istanbul gehörte er zur Startformation. Aber nach 22 Minuten beendete er seinen Auftritt: Bei einer Attacke von Sturm-Innenverteidiger Paul Koller gegen ihn, die Schiedsrichter Harald Lechner nicht als Foul wertete, ging sein rechter Schuh kaputt. Den warf er wenig später, als er etwa zehn Meter vom vierten Referee Isa Simsek entfernt war, wütend aus dem Spielfeld. Simsek musste sich ducken, sonst hätte ihn der Schuh am Kopf getroffen. Lechner zeigte Demri sofort die rote Karte. Auch wenn man Demir keine Absicht nachweisen kann, auf jeden Fall war es sehr dumm. Damit war eigentlich klar, dass Rapid den Sieg, der benötigt wurde, um sich das Play-off um einen Europacupplatz zu ersparen, nicht schaffen wird.
Thorup meinte, Demirs Aktion sei nicht zu tolerieren. Recht hat er. Aber eigentlich ist es auch nicht zu tolerieren, dass der Däne in nunmehr fünf Monaten keine Stammformation gefunden hat. Fast jedes Spiel eine andere Aufstellung. In Graz begann er mit fünf Offensivspielern (Demir, Andreas Weimann, Petter Dahl, Nikolaus Wurmbrand und Ercn Kara) und einer unklaren Aufgabenverteilung im Mittelfeld. Rapid kam im ganzen Spiel nur zu einer torgefährlichen Situation – das sagt alles. Man macht es sich zu leicht, dies mit Demirs roter Karte zu begründen. Sturm wollte den Sieg mehr als Rapid. Dieses Gefühl hatte man von Beginn weg. Nach einer Stunde ersetzte Torup die Offensivspieler Dahl und Wurmbrand durch die Defensivspieler Lukas Grgic und Kouadio Ahoussou. Wollte er einen Punkt retten, der Rapid nichts gebracht hätte? Dank Tormann Niklas Hedl hielt Rapid bis zur 88. Minute ein 0:0. Das spricht auch nicht gerade für Sturms Offensivstärke. Im Finish traf der Georgier Gizo Mamageshvili, in der Nachspielzeit verwandelte Stefan Hierländer in seinem letzten Spiel für Sturm einen Freistoß.
Egal, ob Ried oder Wolfsberg Rapids Gegner im Play-off wird: In der Form der letzten zwei 0:2-Niederlagen gegen Austria und Sturm ist zu befürchten, dass Rapid nächste Saison nicht im Europacup spielt: „Es ist schwierig, torgefährliche Szenen zu schaffen, wenn man so lange in Unterzahl ist“, meinte Thorup, „wir müssen jetzt zweimal absolut das Maximum bringen“. Das gelang zuletzt beim 4:2-Heimsieg gegen den LASK. Bereits vor accht Runden am 22. März.
Foto: Yigit Oerme.
