Wenn Samstag um 18 Uhr in Limassol Österreichs WM-Qualifikationsspiel gegen Zypern angepfiffen wird, ist die Generalversammlung von Rapid in Hütteldorf höchstwahrscheinlich schon beendet. Ohne große Aufregungen, denn es gibt keinen Gegenkandidaten zur Fortsetzung der Ära von Präsident Alexander Wrabetz und dem Präsidium mit Vizepräsidentin Edeltraud Hanappi-Egger, Michael Tojner, Michael Hatzer, Christian Podoschek, Stefan Kjaer und Stefan Singer. Obwohl es Sonntag doch einen Aufreger gab. Durch die Analyse von Trainer Peter Stöger nach der durchwachsenen Leistung beim glücklichen 1:1 gegen WSG Tirol im Innsbrucker Tivoli, als er im „Sky“-Interview Klartext redete und feststellte, bei Rapid liegt der Sport im Vergleich zur anderen positiven Entwicklung wie Zuschauerzahlen, Umsatzrekord etc., klar zurück. Man müsse während der Länderspielpause über grundlegende Dinge rede, um zu klären, wohin die Reise hingehen soll. Auch in Sachen Fitness sprach er von Luft nach oben, es gab ja bereits zwei Änderungen im Trainerteam: „Man kann vieles laufen lassen in der Hoffnung, dass es dann besser wird. Oder man drückt den Reset-Knopf und macht etwas Neues!“ Er sprach es zwar nicht aus, aber er dürfte viel mehr für die zweite Variante sein.
Auch der Sportchef? Markus Katzer schwärmte ebenfalls auf „Sky“ von einem großartigen Transfer-Sommer, meinte, man müsse einigen halt etwas Zeit geben. Großartig war im Summer, dass Rapid für Mamadou Sangare und Isak Jansson aus Frankreich von Lens und Nizza zusammen 18 Millionen Euro bekam. Aber die Einkäufe gaben nicht so viel Grund zum Jubeln her. Claudy Mbuyi und Petter Nossa Dahl waren bisher okay, aber alle anderen halfen Grün-Weiß bisher nicht wirklich entscheidend. Seit 1. Jänner 2023 ist Katzer Sportchef, Rapid kam in den drei Saisonen mit ihm zweimal auf Platz vier, in der letzten nur auf Rang fünf. Da ist hinter den grün-weißen Ansprüchen. Katzer kaufte seit seinem Amstantritt 29 Spieler, von denen sechs nicht mehr bei Rapid sind, holte dazu auf Leihbasis fünf, die nicht fix verpflichtet wurden. Durch Verkäufe nahm Rapid in knapp drei Jahren rund zwölf Millionen mehr ein als die Neuen kosteten. Aber bei den 32 sind die „Volltreffer“ wie Nenad Cvekovic, Serge Raux-Yao, Matthias Seidl oder Sangare derzeit in der Minderzahl gegenüber Flops wie etwa Thierry Gale, der wenigstens um 700.000 Euro an den englischen Drittligisten Bolton verkauft werden konnte. Das noch bessere Geschäft war Fally Mayulu, der ablösefrei von Blau Weiß Linz kam, dann Bristol 3,5 Millionen wert war, obwohl er bei Rapid nicht wirklich aufzeigte.
Bleibt die Frage, ob Stögers „Reset“-Pläne, die er intern sicher auf den Tisch legen wird, abgesegnet werden. Es weiter so wie bisher laufen zu lassen, weil Rapid auf Platz zwei liegt, m Cup im Viertelfinale steht, wird Rapid nicht besser machen. Die drei Niederlagen in der Conference League sollten Warnung genug sein.
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