Auch Red Bull Salzburg macht den Trend zu den jungen Trainern mit: Auf den 57 jährigen Thomas Letsch folgt mit dem 20 Jahr jüngeren Daniel Beichler die interne und mutige Lösung. Der ehemalige Spieler von Sturm Graz soll seinen Ex-Klub, bei dem seine Karriere begann, als Meister entthronen, auch das ist ein interessanter Aspekt. Statt Samstag mit Liefering in der zweiten Liga bei der zweiten Mannschaft von Sturm in Gleisdorf zu gastieren, heißt es für ihn Sonntag in Linz beim punktgleichen Zweiten LASK die Tabellenführung zu verteidigen. Beim Einstand Platz eins zu verlieren, wären kein guter Beginn. Beichler bekam einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis Juni 2028, ist also als langfristige Lösung geplant. Da Salzburgs deutscher Sportchef Marcus Mann erst sechs Wochen im Amt ist, davor Beichler nicht kannte, war dessen Beförderung vom Trainer der Filiale Liefering, die nicht aufsteigen „darf“ in den Titelkampf der Bundesliga sicher nicht nur seine Entscheidung. An der war sicher entscheidend der langjährige Geschäftsführer Stephan Reiter beteiligt.
Als Spieler wechselte Beichler mit 17 vom zweiten Sturm-Team nach Italien in den Nachwuchs von Reggiana, kehrte aber nach einem Jahr zurück. 2009 bestritt der hängende Stürmer beim 2:1 gegen Rumänien in Klagenfurt sein erstes von fünf Länderspielen unter Teamchef Dietmar Constantini. Ein Jahr später begann die Legionärskarriere bei Hertha BSC Berlin, in der es keine großen Highlights gab. Er wurde an St. Gallen, Duisburg, Ried und in die zweite deutsche Liga an Sandhausen verliehen, ehe er ablösefrei 2013 zu Sturm zurückkehrte. Die Spielerlaufbahn endete 2015 bei VSE St. Pölten, die Karriere als Trainer begann 2016 im Grazer Leistungszentrum JAZ Süd, bei dem Martin Wolf, der Vater des ehemaligen Salzburg-Spielers und jetzigen Legionärs bei New York City, Obmann ist. JAZ Süd arbeitet mit Red Bull zusammen, in fünf Jahren „qualifizierte“ sich Beichler für die Salzburg-Akademie. Dort bestätigte er sich bei der U 14, U 16 und U 18 unter anderem mit zwei Meistertiteln als großes Trainertalent, die Youth League-Mannschaft führte er ins Finalturnier der besten vier nach Nyon. Seit April 2024 oder 52 Spielen mit einem Punkschnitt von 1,42 trainierte er Liefering, dabei entwickelte er Spieler die zu Salzburgs Kader gehören wie Joanne Gadou, Tim Trummer oder Jannik Schuster. Ebenso Johannes Moser, den Schützenkönig bei der U 17-WM in Katar.
Beichler kennt die sogenannte Red Bull-Spielphiosophie. ganz genau. Das nannte Mann als Grund für die Entscheidung. Anders formulierte es Jürgen Klopp, der Head of Global Soccer von Red Bull, als er Montagabend bei Olympia das Österreich-Haus in Cortina besuchte: „Sie wollen halt ein wenig anders spielen!“ Das heißt schneller und attraktiver. Die Frage ist aber, ob das der Kader hergibt. Denn in Wahrheit hat Salzburg mit dem Bosnier Kerim Alajbegovic nur einen Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Trotzdem soll Beichler nach zwei Saisonen ohne Titel wieder einen holen. Am besten gleich das Double. Eine Riesenherausforderung für ein großes Trainertalent.
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