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Schlechte Werbung für Start der Eishockeyliga: Wien vorerst die Ausnahme

Eine schlechtere Werbung für die am Freitag beginnende ICE-League hätte es nicht geben können als das, was in den letzten Wochen in Österreichs Eishockey passiert ist. Alleine in dieser Woche: Zunächst der drohende Finanzkollaps in Villach, der Dienstag mit Müh und Not abgewendet werden konnte. Villach wird daher den Auftakt am Freitag bei den Pioneers Vorarlberg bestreiten, es gibt aber noch keine Sicherheit, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Dann die „Dopingaffäre“ um Kilian Zündel, den Vorarlberger Verteidiger von Meister Graz 99ers, die eigentlich keine ist. Nach Ende der letzten Saison bekam er von einer Ärztin eine Vitamin-C-Infusion mit 2000 Millilitern. Aber nur die Hälfte wäre erlaubt. Die Menge verstößt gegen die Dopingbestimmungen. Auf Grund einer anonymen Anzeige daher Sperre für zwei Jahre durch die nationale Dopingagentur, fristlose Entlassung in Graz. Konsequenzen, die völlig überzogen sind.

Außerdem fühlen sich vier Klubs (Meister Graz, die Vienna Capitals, die Linzer Black Wings und ausgerechnet Villach) dazu berufen, die Revolution im Verband auszurufen. Sie wollen Präsident Klaus Hartmann durch Ex-Kanzler Christian Kern, der angeblich im Eishockey viel bewegen könnte, ersetzen. An Hartmann gibt es zwar einiges auszusetzen, aber seine sportlichen Ziele erreichte der Verband zum Unterschied von den Revoluzzern. Bernd Volmann, der General Manager von Meister Graz, führte dieser Tage das große Wort gegen den Verband.  Man muss ihn daher daran erinnern, dass Graz erst mit dem Einstieg von Herbert Jerich als Präsident erfolgreich wurde, der Philipp Pinter als Sportchef einsetzte. In den Jahren davor hatte Volmann das Sagen. Und da war Graz schwer vom Misserfolg gezeichnet. In Wahrheit geht es darum, dass die Liga unbeschränkt Ausländer einsetzen will, der Verband sich dagegen zurecht wehrt.

Wohltuend, dass bei der Präsentation des New Look der Vienna Capitals mit sieben Zugängen und elf Abgängen nur von Sport geredet wurde. Es waren  auch die aus der Fanszene kommenden Geschäftsführer Patrick Wondra und Lukas Garhofer, die bereits in den Wochen davor gerne redeten, nicht dabei. Die Capitals haben einen neuen Trainer mit einer erfolgreichen Visitenkarte: Mike Stewart, ein Neuling in der Liga. Der  sympathische, 52-jährige Kanadier arbeitete die letzten eineinhalb Jahrzehnte erfolgreich in Deutschland, bei den Fischtown Penguins in Bremerhaven,  den Augsburg Panthers,  den Kölner Haien und den Grizzlys Wolfsburg,, hat aber als Spieler und auch als Trainer Österreich-Erfahrung. Von 2001 bis 2010 war er Abwehrchef in Villach, wurde zweimal (2002, 2006) Meister, 2010/11 war er Trainer. Jahrzehnte später trainiert er mit Benjamin Lanzinger und Christof Kromp die Söhne von zwei damaligen Mitspielern, die zugleich weiterhin seine besten Freunde sind. Stewart bat die Söhne zu einer Aussprache, um ihnen mitzuteilen, dass sie keinen Extra-Bonus bei ihm haben. Aber sie konnten ihn in der Vorbereitung überzeugen. Wie zuletzt die ganze Mannschaft bei Siegen in den letzten zwei Tests gegen Dukla Trencin und in Ungarn gegen Fehervar.

Ganz stimmt nicht: Wien-Heimkehrer Konstantin Komarek wird auch beim Ligastart verletzt fehlen, bei Torhüter Sebastian Wraneschitz steht die endgültige Diagnose für seine Hüftbeschwerden noch nicht fest. Der Schwede Adam Reideborn steht vorerst nur bis Mitte Oktober unter Vertrag, kassierte dafür einen fünfstelligen Betrag. Man wird sich bemühen, den Klassekeeper für eine ganze Saison zu binden. Zum Auftakt gastieren die Capitals Freitag in Bozen und Samstag in Innsbruck: „Ich stehe für aggressives Eishockey“, versprach Stewart. Mit ihm soll anders als in den letzten drei Saisonen den Sprung unter die ersten sechs gelingen. Sportchef Christian Dolezal nannte dies nicht zum ersten Mal als vorrangiges Ziel des Klubs mit dem höchsten Zuschauerschnitt der Liga.

In der  spielen diese Saison 14 Mannschaften, eine mehr als bisher. Milano kam als neuer Teilnehmer dazu, was nicht unumstritten war. Man hört, dass sich die Besitzer die Zustimmung einiges kosten ließen. Die Reise zu den Spielen in Mailand ist für einige Mannschaften problematisch. Mit dem Autobus würde sie von Wien aus zehn Stunden dauern. Daher machen die Capitals von anderen Möglichkeiten, die aber teuer sind, Gebrauch: Sie steigen ins Flugzeug.

Foto: Vienna Capitals/Szieber.

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