Es könnte ein historischer Abend für Österreichs Fussballteam werden, wenn Dienstagabend im ausverkauften kleinen Hexenkessel Bilino Polje in Zenica der erste Sieg in Bosnien gelingt. Das Sechspunktespiel gegen den unbesiegten Tabellenführer, dessen Tormann Nikola Vasilj in vier Spielen erst ein Tor bekam, wäre ein Riesenschritt zum großen Ziel, zum erste WM-Ticket seit 1998. Bei einem Unentschieden bleibt es in den letzte vier Spielen eine enge Angelegenheit, bei einer Niederlage könnte sogar die siebente verpasste WM-Qualifikation hintereinander drohen. Fakt bleibt, dass Österreich ein ganz anderes Gesicht zeigen muss als drei Tage zuvor. Mit einer Top-Leistung wie in der letzten EM-Qualifikation beim 1:1 in Belgien oder beim 3:1 gegen Schweden in Stockholm. Das traut Teamchef Ralf Rangnick aber seiner Mannschaft durchaus zu.
Die größte Gefahr droht sicher von Bosniens Angreifern, vom 39 jährigen Rekordtorschützen Edin Dzeko (70 Tore in 142 Länderspielen) und von Ermedin Demirovic vom deutschen Pokalsieger VfB Stuttgart. Auch wenn Dzeko bei seinem neuen Klub Fiorentina nicht erste Wahl ist, er weiß, wo das Tor steht. Jeder weiß, wie gefährlich er im Strafraum ist: „Aber wir können im Verbund auf jeden Fall dagegen halten“, prophezeite Kapitän und Abwehrchef David Alaba. Der vorausgesagte kleine Hexenkessel macht ihm weniger Sorgen: „Wir haben genug Spieler, die so etwas gewohnt sind!“ Trotzdem ist er darauf eingestellt, dass es ähnlich schwer wird wie vor sieben Jahren, als er bei der 0:1-Niederlage in der Nations League dabei war. Alaba steht trotz der schwachen Leistung gegen Zypern weiter dazu, dass Österreich von der Qualität her derzeit das beste Team aller Zeiten hat: „Unser Selbstvertrauen hat nicht gelitten!“ Dienstag muss der Beweis dafür angetreten werden, in Linz gelang er nicht. Eine Reaktion darauf wird nötig ein.
Umstellungen? In der Vierabwehr nur, wenn Rangnick Konrad Laimer ins Mittlefeld vorzieht. Etwa statt Xaver Schlager, der sicher noch Luft nach oben hat. In Mittelfeld und Angriff war bei einigen am Samstag viel Luft nach oben. Ob Rangnick darauf reagiert? Er wird Christoph Baumgartner (Bild) sicher nicht auf der Bank beginnen lassen. Bosniens Keeper könnte auch bei einem Elfmeter für Österreich ein großes Hindernis sein: St. Pauli-Legionär Vasilj gilt als bester Elfmeter-Killer der deutschen Bundesliga, hielt von den letzten sechs fünf. Das Stadion sehen die Spieler mit Ausnahme von Alaba, Marcel Sabitzer, Florian Grillitsch, Michael Gregoritsch und Marko Arnautovic, die es bereits vor sieben Jahren kennenlernten, erstmals zwei Stunden vor den Anpfiff: Denn die Mannschaft blieb nach dem Flug von Linz nach Sarajevo in einem Hotel nahe des Flughafens. Die Busfahrt über rund 70 Kilometer nach Zenica dauert etwa eine Stunde.
Foto: ÖFB/Christopher Kelemen.