Statt Sieg mit zwei oder mehr Toren Differenz ein Match, das eigentlich schon gewonnen war, nicht gewonnen: Rapid achtet sich den Aufstieg ins Viertelfinale der Conference League selbst schwerer als notwendig. Obwohl nach dem 1:1 (1:0) bei Bosniens Meister Borac Banja Luka die Ausgangsposition für das Retourspiel am nächsten Donnerstag im höchstwahrscheinlich ausverkaufte Weststadion noch immer sehr gut sein. Sollte Rapid wider Erwarten nicht zum ersten Mal seit 1996 unter die letzten acht eines Europacupbewerbs kommen, dann müsste man das als Selbstfaller bezeichnen. Banja Luka hat bei allem Respekt weniger Qualität als Rapid.
Isak Jansson, letzten Samstag der Beste beim 5:0 gegen Altach, fehlte wegen einer Schulterverletzung. Für ihn begann der 19 jährige Nikolaus Wurmbrand. Das war eine sehr gute Idee von Trainer Robert Klauß. Keine gute war es, Kapitän Matthias Seidl wie im Derby gegen die Austria auf der Ersatzbank beginnen zu lassen, für ihn Winterkauf Andrija Radulovic einzusetzen. Denn der fand praktisch nicht statt, bevor ihn nach 57 Minuten Seidl ersetzte und gleich wesentlich besser im Spiel war als der Teamspieler aus dem Montenegro. Zwei Minuten nach Seidl kam auch der Kapitän von Borac Banja Luka mit Rapid-Vergangenheit, Srdjan Grahovac, auf den Rasen. Auch er hatte gute Szenen.
Wurmbrand war jedenfalls mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit der Rapidler, mit dem die Abwehr von Borac die größten Schwierigkeiten hatte. Er bereitete auch die Führung vor, die Dion Beljo (Bild) durch sein viertes Tor in der Conference League nach 34 Minuten mit der zweiten guten grün-weißen Offensivaktion erzielte. Wurmbrand setzte sich nach einem Pass von Mamadou Sangare gegen zwei Abwehrspieler durch, brachte den Ball noch zu Beljo, der mit seinem starken linken Fuß genau unter die Latte traf. Mit Ausnahme einer guten Aktion zu Beginn der zweiten Hälfte kam Borac nie dem Ausgleich nahe, Rapid mit einer deutlichen Leistungssteigerung aber dem zweiten Tor. Von einem Hexenkessel im Gradski-Stadion, in dem Geschäftsführer Steffen Hofmann mit Branko Boskovic einen früheren Mitspieler aus besseren Rapid-Zeiten traf, war nichts zu merken. Zu hören waren lange Zeit nur die Gesänge der 900 Rapid-Fans.
Die Chancen, alles zu entscheiden, ließen Beljo nach einem Ballgewinn von Wurmbrand nach 68 Minuten und zehn Minuten später auch Sangare aus. Aus elf Metern nicht einmal das Tor zu treffen, sondern danebenzuschießen, war schon eine „Kunst“. Die Rapid teuer zu stehen kam: In der zweiten Minute der Nachspielzeit sprang Sangare in einen Schuss von David Vukovic, von seiner Ferse sprang der Ball an den ausgestreckten linken Arm, der französische Referee Jerome Brissard gab Elfmeter. Den Vukovic verwandelte. Aber noch immer hätte Rapid gewinnen können. Doch Beljo traf in der allerletzten Aktion nach 95 Minuten nach einem Pass von Joker Moritz Oswald den Ball nicht. Weil er es wie bei der ersten Chance nicht wagte, den schwächeren rechten Fuß „einzusetzen“. Kein Wunder, dass Trainer Klauß nachher von sehr gemischten Gefühlen sprach: „Kein gutes Ergebnis. Wir hätten schon den Aufstieg fixieren können.“
Ein noch schlechteres Ergebnis gab es für Kevin Danso und Tottenham in der Europa League: durch ein Eigentor von Lucas Bergvall 0:1 (0:1) bei Alkmaar. Danso bot eine gute Leistung, hat aber von seinen ersten sechs Spielen mit Tottenham vier verloren. Das wird ihm garantiert nicht gefallen.