Der Medientermin der Wiener Austria zum Heimspiel gegen Sturm Graz am Sonntag, dem 115. Geburtstag des violetten Traditionsklubs, war schon vorbei, alle Fragen beantwortet. Dann meldete sich Trainer Stephan Helm nochmals. Es ging ihm um den schlimmen „Besuch“ von einigen Austria-Fans am letzten Sonntag vor der Privatadresse des Investors und ehemaligen Sportvorstands Jürgen Werner in Wels. Die Frage dazu bekam zuvor bereits Kapitän Manfred Fischer, der die Aktion klar verurteilte, aber auch versicherte, die Mannschaft habe bereits mehrmals bewiesen, sich von Störfaktoren nicht bremsen zu lassen, weil sie eine tolle Einheit ist. Worauf der Kapitän zurecht stolz sein kann. Helm ging aber noch weiter. Aus Überzeugung, nicht weil er es in erster Linie Werner zu verdanken hat, die Chance als Cheftrainer der Austria bekommen zu haben; „Ich sage halt, was ich mir denke!“
Die Aktion der Fans von Austrias Osttribüne zu verurteilen, sei eine Sache: „Zu sagen, es ist eben passiert, das geht nicht. Es muss Veränderungen geben, damit dies nicht mehr passiert. Es kann sich keiner wegducken, es gibt Leute, die verantwortlich sind, das in den Griff zu bekommen. Seit eineinhalb Jahren wird gestritten, statt den Dialog zu suchen.“Helm war klar, dass seine ehrlichen Worte möglicherweise nicht bei allen gut ankommen: „Hätte ich nichts gesagt, wäre das gegen meine Erziehung gewesen. Dann hätte ich meinen Eltern nicht mehr in die Augen schauen können!“Jetzt kann er es weiter tun.
Die Klubführung nahm bisher die Fan-Aktion vom letzten Sonntag nicht zum Anlass, beim nächsten Wiener Derby in Hütteldorf am 10. Mai auf die Auswärtsfans zu verzichten. So wie Rapid es in den nächsten drei Jahren macht, erstmals nach der Länderspielpause am 12. April. Sicher würden einige der Fans, die bei der Aktion gegen Werner dabei waren, im Austria-Sektor beim Derby in Hütteldorf sein. Rapids Präsident Alexander Wrabetz will zum heiklen Fan-Thema noch ein Gespräch mit Austria-Boss Kurt Gollowitzer ersuchen. Montag ist erster Prozesstag wegen der skandalösen Vorkommnisse beim Derby in Hütteldorf im September 2024. Unter den 22 Personen auf der Anklagebank sollen auch Austria-Fans sein.
Die Austria kann Sonntag Sturm, den Sieger des Grunddurchgangs, von der Tabellenspitze holen, hat die letzten sieben Duelle gegen den Meister, nicht verloren. Das Problem für Helm: Mit Linksverteidiger Tae Seok Lee ist ein wichtiger Spieler gesperrt. Als Ersatz wäre eine routinierte Lösung möglich, der 25 jährige Hakim Guenouche, aber auch eine aus der propagierten jungen Welle: der 20-jährige Nachwuchsteamspieler Matteo Schablas.
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