Wenn Aufsteiger Ried ein ernst zu nehmender Maßstab ist, dann scheint Meister Sturm Graz für die Play-off-Spiele um das Champions League-Ticket gegen Norwegens Meister Bodoe Glimt am Mittwoch in Norwegen und Dienstag darauf in Klagenfurt gerüstet. Freitagabend deklassierte Tabellenführer Bodoe in der norwegischen Meisterschaft auswärts Strömgodset 5:0, wobei der Däne Kasper Högh zwei Tore erzielte. Samstag „konterte“ Sturm Graz mit dem 3:1 (1:1) in Ried mit 28 Minuten Zauberfußball zwischen dem 1:1 und 3:1 und dem überragenden zweifachen Torschützen Otar Kiteishvili (Bild), über den Sky-Experte Andreas Herzog im Studio einmal mehr ins Schwärmen geriet. Interessant auch das Dementi von Sportchef Michel Parensen zum kolportierten Interesse an Austria-Stürmer Maurice Malone: „Er ist für uns kein Thema!“
Der deutsche Innenverteidiger Tim Oermann war einsatzfähig, daher ließ Trainer Jürgen Säumel die Elf beginnen, mit denen er Mittwoch plant. Mit Yougster Leon Grgic und William Boving im Angriff. Ausgerechnet die 21 jährige Sturm-Leihgabe Peter Kiedl brachte Ried in Führung, aber davon ließ sich Sturm nicht beeindruken. Die schnellen Kombinationen, das Kurzpassspiel durch das Mittelfeld, an denen Todd Chukwuani, Tomi Horvat, Kiteishvili und William Böving beteiligt waren, überforderten die Rieder Defensivabteilung. Kiteishvili traf nach Bövings Pass zum Ausgleich, der Däne gab auch den Pass zur Führung durch den schottischen Rechtsverteidiger Max Johnstone, die Vorlage zum zweite Kiteishvili-Treffer kam von Horvath. Den Vorsprung verwaltete Sturm in der zweiten Häfte mit Ausnahme eines Latteschuss von Ante Bajic in der 93. Minute eigentlich souverän. „Wir haben viel Energei am Platz lassen müssen“, behauptete Kiteishvili, „das bringt uns ein gutes Gefühl. Aber Mittwoch wird es ein anderes Spiel!“ Auf Kunstrasen.
So wie Sturm feierte auch Red Bull Salzburg den zweiten Saisonsieg, musste sich aber bei Tormann Alexander Schlager bedanken, dass es zum Abschuss der englischen Wochen nicht die erste Niederlage in der Bundesliga gegen Hartberg gab. „Es war mehr schlecht als gut“, gestand Trainer Thomas Letsch nach dem mühevollen 2:1 (1:0) in Hartbergs „Ausweichstadion“ in der Südstadt. Stefan Lainer brachte mit seinem ersten Bundesligator seit Oktober 2018, als er nach einem Eckball von Maurits Kjaergaard, bei dem Hartberg 2,05 Meter großer Tormann Tom Hülsmann auf der Linie blieb, per Kopf traf. Nach der Pause glich der Australier Jed Drew aus, kam Hartberg zu deutlich mehr Chancen als Salzburg, bei denen es einmal mehr in der Defensive Abstimmungsprobleme gab. Im Abwehrzentrum begann Routinier Jacob Rasmussen mit dem Tiroler Jannik Schuster, zur Pause ersetzte Letsch den Dänen durch Kouakou Gadou. Danach spiele Salzburg mit einem 18 jährigen (Gadou) und einem 19 jährigen Innenverteidiger (Schuster). So avancierte außer Schlager auch Petar Ratkov, der zur zweiten Hälfte Edmund Baidoo ersetzte und nach Vorarbeit von Dorgeles Nene, der nach einer Stunde Kjaergaard ablöste den Siegestreffer erzielte.
Damit überholte Salzburg dank der besseren Tordifferenz den WSG Tirol, übernahm zumindest für 24 Stunden die Spitze. Die Tiroler konnten aber mit dem 1:1 (1:0) beim GAK und sieben Punkten aus drei Runden ganz gut eben. Mann des Spiels war Beres Owusu, der neue französische Innenverteidiger der Grazer: Zunächst brachte er mit einer unglücklichen Rettungsaktion bei einem Schuss von Moritz Wels Tirol mit einem Eigentor in Führung, nach der Pause erzielt er den Ausgleich. Für Tirols Trainer Philipp Semlic war es wie ein typisches unteres Playoff-Spiel, sein Kollege Ferdinand Feldhofer muss weiter auf den ersten Saisonsieg warten: „Obwohl wir wirklich gute Phasen hatten!“
