Fußball

„Ur-Austrianer“ an die Macht: Michael Wagner statt Ortlechner

Violetter Paukenschlag in der Länderspielpause durch die „Ur-Austrianer“, die sich selbst dazu ernannt haben: Sportchef Manuel Ortlechner musste nach viereinhalb Jahren weg, wurde durch den 49 jährigen Michael Wagner, (Bild), der seit zwei Jahren zum Verwaltungsrat gehörte, sich auf diese Art wiederholt ins Gespräch brachte, ersetzt. Als Geschäftsmann hat Wagner sein Büro ohnehin gleich neben dem Austria-Stadion. Einen nachvollziehbaren Grund für den Wechsel lieferte die Austria nicht. Harald Zagiczek, nach dem Rücktritt von Jürgen Werner der einzige Vorstand, sprach von Handlungsbedarf, den eine umfassende Analyse ergeben habe, um in der sportlichen Leitung einen neuen Impuls zu setzen. Geradezu wie Hohn klang es, dass Präsident Kurt Gollowitzer versicherte, dass Ortlechner jederzeit im Legendenklub der Wiener Austria willkommen und ein gern gesehener Gast bleibt.

In Wahrheit war der Grund für die Trennung von Ortlechner sein guter Draht zu Werner. Der einige in den Austria-Gremien, die sich selbst zu den „Ur-Austrianern“ ernannten, nicht willkommen war, obwohl er eigenes Geld in die Austria investierte, es ohne ihn und seiner Investorengruppe die Austria in der derzeitigen Form, sprich in der Bundesliga nicht mehr geben würde. Ortlechner kam auch dank des ehemaligen Austria-Vizepräsidenten Raimund Harreither 2021 in seine Funktion, als Werner noch beim LASK war. Die derzeitige Situation erinnert an die, als Thomas Parits vor zehn Jahren als Sportvorstand aufhörte. Danach wollte der damalige Vorstand Markus Kraetschmer keinen zweiten, gleichberechtigten an seiner Seite. Das gelang ihm. Das bekam der Austria nicht gut. Es kam kein neuer Sportvorstand, sondern nur ein Sportchef. Wagner stand schon damals zur Diskussion, doch den Job bekam Franz Wohlfahrt.

Jetzt wollte Zagiczek nicht nur wie bisher ein Wirtschaftsvorstand, der erfolgreich an der finanziellen Konsolidierung arbeitet, bleiben, sondern auch im Sport entscheiden. Dass er sich dazu kompetent genug fühlte, klang bei seinen Aussagen immer durch. Einen Werner-Nachfolger gibt es nicht: „Es geht darum, künftige Entscheidungen zu Sport und Vermarktung auf eine breite Basis zu stellen, damit künftig alle im Klub gemeinsam in dieselbe Richtung denken und arbeiten“, erklärte Zagiczek. Ebenso wie die Kaderstruktur künftig aussehen soll: Eigengewächse, Benchmarkspieler im besten Alter und Ankerspieler, die eine Mannschaft führen können. Um das in die Tat umsetzen zu können, erhielt Wagner einen Vertrag bis 2028.

Als Spieler war Wagner ein Eigengewächs, das 1996 zu Freiburg wechselte, ein Jahr später nach Österreich zurückkehrte, ein Jahr bei Rapid spielte, ehe ihn damals Frank Stronach als damals 365.000 Euro teures Einstandsgeschenk für Austria zurückkaufte. 2003 gehörte Wagner, der zehn Länderspiele für Österreich bestritt,  zur Mannschaft, die unter Startrainer Christoph Daum, das Double gewann. Zehn Jahre später wurde auch Ortlechner mit Austria Meister. Unter Peter Stöger. Wagners Spielerkarriere bei Austria endete 2005. Die Erfahrung in einer anderen sportlichen Funktion? Trainer bei Obergänserndorf in der zweiten niederösterreichischen Landesliga. Ob das für die Bundesliga reicht? Wagner, der sich vor zwei Jahren auch mit der Feststellung, dass es nicht mehr schlechter, sondern nur besser werden kann, „bewarb“, baute bereits vor, sprach von einem langfristigen Plan, der nicht von heute auf morgen greifen wird.

Der erste Auftrag an Wagner ist der Aufbau einer Sportdirektion unter seiner Leitung. Die „Ur-Austrianer“ werden aber nur dann wirklich alles in Griff bekommen, wenn es ihnen gelingt, das Geld aufzutreiben, um von Werner und seinen Investoren ihre Anteile an der Austria-AG zurückzukaufen. Bisher scheiterte dies. Das Geld für die Trennung von Ortlechner, dessen Vertrag bis Sommer 2026 lief, hatte die Austria offenbar.

Foto: FK Austria/Daniel Shaked.

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