Fußball

Von Trübsal keine Spur: Salzburg glaubt nach 1:1 an Aufstieg in München

Salzburgs Ex-Trainer Jesse Marsch fand es im Münchener „Sky“-Studio „total überragend“, Marc Janko sprach im ausverkauften Stadion nach dem 1:1 (1:0) gegen Favorit Bayern München von einem Meilenstein. Das war das Auftreten in einem tollen Fußballfest von Österreichs Meister gegen das Münchener Starensemble auf alle Fälle: Von der 21. bis zur 90. Minute 1:0 in Führung, dann den Ausgleich kassiert. Referee Michael Oliver ließ vier Minuten nachspielen. So gesehen fehlten nur vier Minuten, um die überragende Auswärtsserie von Bayern zu beenden. Der späte Ausgleich von Kingsley Coman sorgte für das 22. Auswärtsspiel in der Königsklasse ohne Niederlage.

Die Teamchefs aus Deutschland (Hansi Flick) und Österreich (Franco Foda) auf der Tribüne, neben Flick Oliver Bierhoff, der deutsche Teammanager mit Salzburger Vergangenheit. Dann die komplette und ehemalige Chefetage der Bayern mit Uli Hoeneß, Karl Heinz Rummenigge, Herbert Hainer und Oliver Kahn. Zufrieden wirkten sie nie. Salzburgs Tempo überforderte in einigen Situationen eine europäischen Spitzenmannschaft. So bei der  Führung: Balleroberung am Strafraum, Mo Camara gelang der öffnende Pass in den Lauf von Karim Adeyemi. Der war nicht zu stoppen, wollte Brenden Aaronson einsetzen, der den Ball zu Junior Chukwubuike Adamu verlängerte, der  mit rechts genau ins Eck traf. Der 20 jährige in Nigeria geborene, in Graz aufgewachsene Adamu (Bild oben) war erst neun Minuten im Spiel, ersetzte den mit einer Oberschenkelverletzung ausgeschiedenen Noah Okafor.  Und sorgte bei seinem achten Einsatz in der Champions League für sein erstes Tor.

Aaronson, der mit 12,99 Kilometer am meisten lief, kam noch vor der Pause zu einer Möglichkeit zum 2:0, das Tormann Sven Ulreich verhinderte. Das war auch nach 80 Minute mitten in die Daueroffensive der Bayern, die auf 62 Prozent Ballbesitz kamen. Unter Druck verloren die Salzburger zu viele Bälle, kaum dass sie erobert waren. Aber einmal gelang der Konter. Adeyemi scheiterte an Ulreich, den Abpraller übernahm Junior Adamu mit links direkt, doch Benjamin Pavard rettete knapp vor der Linie. Mit dem zweien Treffer wäre die Sensation perfekt gewesen, hätte Bayern nicht mehr zurückschlagen können. Die Unzufriedenheit beim gestoppten Favorit war sehr groß. Goalgetter Robert Lewandowski hatte von 31 Ballkontakten nur einen in Salzburgs Strafraum,  Trainer Julian Nagelsmann diskutierte nach Schlusspfiff erregt am Rasen mit Referee Michael Oliver über eine Entscheidung, die aus seiner Sicht die Chance auf den Siegestreffer verhinderte. Das sagt genug.

Salzburg lief 120 Kilometer, um 3,5 Kilometer mehr als Bayern. Das sagt  einige. Da gab es bemerkenswerte Leistungen. Allen voran von Mo Camara, den die technische Kommission der UEFA in Person von Israels Ex-Teamchef aus Österreich, Willi Ruttensteiner, zum „man of the match“ kürte. Aber auch Tormann Philipp Köhn mit acht Paraden. So viel Ruhe strahlte er zuvor in der Champions League nicht aus.  Die Innenverteidiger mit Omar Solet und Max Wöber stand wie ein Fels in der Brandung, Nicolas Seiwald setzte Akzente. Eigentlich war es für alle ein Abend, den sie nie vergessen werden. Auch nicht Trainer Matthias Jaissle: „Wir haben alles reingehaut, die erste Hälfte war so, wie wir es uns vorstellten. Nach der Pause hatten wir leider zu viele unnötig Ballverluste.“

Von Trübsal wegen des späten Ausgleichs war keine Spur. Die „wilden Jungen“ kündigten sogar den Aufstieg am 8. März in der Münchener Allianz-Arena an: „Dort werde ich es besser machen“, versprach Junior Adamu. „Wir sind jung und spritzig, wir können jeden stressen, jeden schlagen“, behauptete Adeyemi. Selbstbewusste Töne. Für Salzburg spricht auf jeden Fall der Faktor Zeit: In drei Wochen müsste bei den Spielern, die in der Vorbereitung verletzt oder krank warn, operiert wurden, besser sein. Das betrifft Adeyemi, Junior, Seiwald,  Luka Sucic und Benjamin Sesko. Die Chance auf den Aufstiegs ins Viertelfinale, den großen Erfolg der Red Bull-Ära, lebt. Und das ist ein Riesenerfolg. Apropos Viertelfinale: Das haben zwei englische Klubs praktisch schon erreicht. Nach Manchester City am Dienstag mit dem 5:0 bei Sporting Lissabon auch der FC Liverpool mit dem 2:0 bei Italiens Meister Inter Mailand.

 

Foto: Red Bull Salzburg.

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