Derzeit ist die Vienna damit beschäftigt, eine Mannschaft zusammen zu stellen, mit der Chancen bestehen, 2026 aus der zweiten Liga in die Bundesliga aufzusteigen. Perfekt wäre dies schon heuer gewesen, denn am Mittwoch vor 70 Jahren wurde die Vienna zum sechsten und bisher letzten Mal österreichischer Meister. Mit Trainerlegende Leopold Hofmann und einer Mischung aus Routiniers wie dem legendären Teamtorhüter Kurt Schmied, den rustikalen Abwehrrecken Rudi Röckl und Karl Nickerl, dem Mittelfeldmotor Karl Koller, Otto Walzhofer sowie jungen Kräften. Schmid und Koller waren 1954 Stützen von Österreichs Team, das bei der WM in der Schweiz Platz drei belegte. Zum Trumpf im Meisterschaftsfinish wurde auch der 16 jährige Mittelstürmer Hans Buzek, der erst am 7. Mai 1955 debütierte, in sieben Runden acht Tore erzielte. In der letzten Runde verlor Vienna zwar gegen Austria 1:3, blieb aber vorne, da der Wiener Sport-Club nur 1:1 in Graz gegen Sturm spielte. Bei 39 Punkten aus 26 Spielen entschied die um drei Treffer bessere Tordifferenz für die Vienna und gegen den Sport-Club.
Aktuell erinnert sich die Vienna mit Sehnsucht an den Sommer 1955. Aber die Erinnerung an glorreiche Zeiten wird Österreichs ältestem Fußballklubs nicht helfen. „Umstellungen“ im Trainerteam allein werden zu wenig sein. Im Finish der letzten Saison kam zu Mehmet Sütcü und Roman Kienast der Scout Stefan Manzana dazu, weil er anders als Sütcü und Kienast die Pro-Lizenz hat. Die Vienna brauchte einen mit Pro-Lizenz, um erstmals seit der Rückkehr in den Profifußball die Bundesliga-Lizez zu bekommen. Das gelang. Jetzt ist Manzana wieder Scout und der 37 jährige Bulgare Aleksandar Gitsov der neue Mann im Trainerteam, der aktuell den Kurs zur Pro-Lizenz absolviert. Manzana war nur „Strohmann“, was wird Gitsov sein? Er war bei ZSKA Sofia Assistent des umstrittenen Nestor el Maestro, mit dessen Entlassung bei Sturm Graz vor fünf Jahren der Höhenflug begann. Zuvor war er beim FAC unter anderem Co-Trainer bei Miron Muslic, nunmehr Überraschugtrainer bei Schalke. Was nicht dafür spicht, dass Gitsovs Erfahrung der Vienna hilft: Bei St. Pölten war er als Cheftrainer letzte Saison nach zehn Spielen Geschichte. Das sind schon seltsame „Traineraktionen“ in Blau-Gelb.
Noch weniger überzeugend wirken die Versuche von Bundesliga-Absteiger Austria Klagenfurt, nach vielen Abgängen eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Der als Hoffnung präsentierte 31 jährige Angreifer Marc Andre Schierböck konnte sich in Wahrheit bei Wolfsberg, Hartberg und Ried nicht durchsetzen, spielte zuletzt in Indien bei SC Mohammedan.
Foto: First Viena Football Club.