Fußball

Was bleibt für Österreichs Nationalteam noch übrig?

Englands Premier League verlängerte die Pause auf unbestimmte Zeit, kann sich derzeit Spiele im Mai nicht vorstellen. Anders als in Deutschland, Österreich, Italien oder Spanien sind die Spieler in der teuersten Liga der Welt noch nicht bereit, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. In Österreich gibt´s noch keine konkreten Signale, was für die Bundesliga geplant ist. Die nächste Konferenz mit den Klubs ist  erst für Donnerstag nach Ostern geplant. Die Pressekonferenz von Vizekanzler und Sportminister Wener Kogler brachte auch nichts, was wirklich Hoffnung machen konnte. Die Signale, die davon ausgingen, blieben sehr allgemein. Der Sport ist laut Kogler positiv im Visier, man werde bei Bedarf entsprechende Fonds auch für den Spitzensport konstruieren, Profiklubs könnten aber auch bei den Wirtschaftsprogrammen unterkommen. Was wann ist, konnte Kogler nicht präzisieren. Es bestehe die Chance, in nicht allzulanger Zeit die Sportstätten wieder für Trainingszwecke zu öffnen. Ob dies auch für das Training von Fußballklubs in kleinern Gruppen wie in Deutschland zu machen sein wird, möglich sein wird, müsse laut Kogler aber nicht er entscheiden, sondern Gesundheitsminister Rudi Anschober. Der sei dafür zuständig.

Also werden die Fans den Fußball noch einige Zeit schmerzlich vermissen. Am längsten wird die Pause nicht für die von LASK, Red Bull Salzburg, Rapid, Austria  oder Sturm Graz, sondern für die von Österreichs  Nationalmannschaft. Die könnt zum großen Verlierer der Corona-Pandemie werden. Nicht nur in Österreich, sondern  europaweit. Die Prioritäten zum Hochfahren der Fußballszene sind  nämlich seit der Verschiebung der Europameisterschaft auf 2021, die alternativlos war, ganz klar verteilt: Zunächst sollen die nationalen Ligen ihre Saison beenden, dann folgen die  Entscheidungen in den Europacup-Bewerben. Und die Nationalteams müssen mit dem auskommen, was  noch übrig bleibt. Aber was ist das?

Schon jetzt steht fest, dass Österreichs Team die längste Pause seit der Saison 1966/67 droht. Damals waren es ganz „normal“ 208 Tage, diesmal würden es 289 seit dem 0:2 gegen Lettland in Riga am 19. November 2019 sein, wenn wie geplant am 4. September in Oslo das erste Spiel der Nations League gegen Norwegen über die Bühne gehen sollte. In Wahrheit steht völlig in den Sternen, ob die sechs Spiele des Wettbewerbs, dem ohnehin manche kritisch gegenüber stehen, gegen Norwegen, Rumänien und Nordirland im Herbst stattfinden können. Ob es für die ausgefallenen Juni-Länderspiele noch dieses Jahr Nachholtermine geben  wird. Für den ÖFB ist das sicher ein großes Problem, das nicht so leicht zu bewältigen sein wird.

Denn das Team war gerade dabei, mit dem EM-Ticket für Aufbruchstimmung zu sorgen, die es ehrlicherweise 2019 nicht gegeben hatte. Kein einziges der fünf Heimspiele war ausverkauft, der  Zuschauerschnitt betrug nur 28 640. Wobei sicher eine Rolle spielte, dass die angebliche Sportstadt Wien das Happel-Stadion über den Sommer nicht zur Verfügung stellte. Der beste Besuch waren 41.100 Zuschauer am 16,November beim 2:1 gegen Nordmazedonien, mit dem das Ticket für die Europameisterschaft gelöst wurde. Da herrschte  danach genau diese  positive Stimmung vor vollen Tribünen (Bild oben), die man so gerne hat.  Das schien sich fortzusetzen, wie im Vorverkauf abgesetzte 40.000 Tickets für das geplant gewesene England-Spiel am 2. Juni, den letzten Test vor der Europameisterschaft auf heimischen Boden, zeigten. Aber dann kam Corona.

Und was passiert danach? Keiner weiß es. Teamchef Franco Foda kann einstweilen im Grazer Homeoffice Norwegen, Rumänien und Nordirland bis ins allerletzte Detail analysieren, wird wahrscheinlich im Juni wieder die Legionäre in Deutschland beobachten können. Aber was wirklich passieren wird, kann keiner prophezeien. Letzte Woche gab es erste Meldungen, wonach die UEFA ernsthaft die Frage erörtert, ob die 51  Spiele der Europameisterschaft 2021 so wie für 2020 geplant ausgetragen werden sollten, an zwölf Spielorten in zwölf Ländern. Oder ob man nicht doch eine einfachere Variante wählen sollte. Auch das ist unberechenbar wie derzeit so ziemlich alles, was mit Fußball zu tun hat.

Fodas ehemaliger Trainer beim VfB Stuttgart, Jogi Löw, wurde durch die Corona-Pause letzten Dienstag  zum dienstältesten Teamchef der Welt. Wer den 60 jährigen  aus seiner Zeit beim FC Tirol oder später bei Austria etwas kennt, der weiß genau, dass er darauf jetzt wegen der Umstände alles andere als stolz ist. Keinem Trainer kann der lange Zwangsurlaub Spaß machen. Bei Teamchefs dauert er noch länger als bei den Klubtrainern. Möglicherweise viel länger. Pessimisten behaupten, dass es erst 2021 wieder Spiele der Nationalteams geben wird.

Foto: ÖFB.

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