Fußball

Was machen Kroatien und die Schweiz so viel besser als Österreich?

Kroatien gehört mit Russland, Uruguay Frankreich und Belgiens 5:2 gegen Tunesien, dem bisher Treffsicherheiten Spiel der WM, bei dem Romelu Lukaku mit zwei Toren Cristiano Ronaldo an der Spitze der Schützenliste einholte, zu den vier Nationen, die bereits fix im Achtelfinale der Weltmeisterschaft stehen. Ein Land mit nur 4,2 Millionen Einwohnern, das auch im Handball, Tennis und Skifahren für internationale Spitzenleistungen sorgte. Irgendetwas müssen die Kroaten entscheidend besser machen als Österreich mit 8,82 Millionen Einwohnern. Und auch der Nachbar Schweiz mit 8,4 Millionen Einwohnern hat offenbar bessere Sportstrukturen: Erfolge im Ski, im Tennis, im Mai Finalist bei der Eishockey-WM in Kopenhagen, im Fußball fehlt nach dem Last-Minute-Sieg gegen Serbien Mittwoch ein Punkt zum Aufstieg ins Achtelfinale. Seit zwölf Jahren sind die Schweiz bei jeder Weltmeisterschaft dabei. 2006 scheiterten sie im Achtelfinale gegen die Ukraine nach Elfmeterschießen, 2010 in Südafrika schieden sie nach der Vorrunde aus, besiegten aber den späteren Weltmeister Spanien 1:0. 2014 in Brasilien gaben sich die Eidgenossen im Achtelfinale Vizeweltmeister Argentinien erst in der Verlängerung 0:1 geschlagen. Ob das alles wirklich nur daran liegt, dass die Schweizer früher als Österreich begonnen haben, das Augenmerk vor allem auf die Nachwuchspflege zu legen wie es Österreichs Ex-Teamchef aus der Schweiz, Marcel Koller, bereits vor dem 2:1  gegen Serbien im WM-Studio des ORF meinte?

Die Schweizer drehten nach der Pause ein 0:1 in ein 2:1 um, waren damit die erste Mannschaft, die nach einem Rückstand noch gewinnen konnte. Dank ihrer England-Legionäre, Arsenals Mittelfeldmotor Granit Xhaka und Dribbelkünstler Xherdan Shaquiri (Bild) von Absteiger Stoke. Ihr Torjubel sorgte für viel Gespräch-und Zündstoff: Denn  sie zeigten den albanischen Doppeladler als Erinnerung an ihre Kosovo-Wurzeln. Für die Serben, die den Kosvo bisher nicht anerkannten, nicht zu akzeptieren. Xhaka und dem Last Minute-Siegestorschützen Shaquiri war das nachher ziemlich egal. Xhaka versicherte, er habe dabei an die Familie, die Schweiz, Albanien, den Kosovo und alle gedacht, die ihn unterstützten. Sein Bruder Taulent spielt ja für Albanien. Shaquiri versicherte wenig glaubwürdig, es sei ihm dabei um Fußball, nicht um Politik gegangen.

Der Schweizer „Blick“ kommentierte die Jubel gestern der Torschützen mit „geniale Dummköpfe“. Vor vier Jahren entschieden die Schweizer Teamspieler intern, beim Torjubel nicht mehr den Doppeladler zu zeigen. Im strömenden Regen von Kaliningrad waren alle  guten Vorsätze vergessen. Vielleicht auch,weil die serbischen Fans Shaquiri und Xhaka bei jedem Ballkontakt auspfiffen. Nach dem Siegestreffer flog aus dem Serben-Sektor Schweizer Käse auf den Rasen. Wie der 27jährige Shaquiri tickt, wissen einige Österreicher: Aleksandar Dragovic, der mit beiden Torschützen der Schweiz beim FC Basel gespielt hatte,  David Alaba aus der gemeinsamen Bayern-Zeit, bei Stoke lernten Marko Arnautovic und zuletzt auch Kevin Wimmer Shaquiri kennen.

Die Serben tobten nach der bitteren Niederlage am meisten über zwei Deutsche, über Schiedsrichter Felix Brych und Videoreferee Felix Zwayer, der Ende Mai durch Fehlentscheidungen beim deutschen Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern für viel Gesprächsstoff gesorgt hatte. Brach reagierte nach 66 Minuten beim Stand von 1:1 nicht, als der Schweizer Innenverteidiger Fabian Schär und Kapitän Stephan Lichtsteiner den serbischen Torschützen Aleksandar Mitrovic zu Boden zerrten. Zwayer reagierte im Moskauer Videokeller nicht. Er sah keine schwerwiegende Fehlentscheidung von Landsmann Brych. Es war auch nicht einwandfrei zu erkennen, ob zuerst Mitrovic am Dress von Schär und Lichtsteiner zerrte oder umgekehrt. Brach gab Freistoß für die Schweiz, nicht Elfmeter. Die erbosten Serben kündigten sogar eine Beschwerde bei der FIFA an. Der erboste Verbandsvize Sasa Milosevic: „Der Videobeweis wurde zu Serbiens Ungunsten nicht angewandt.“ Jetzt  droht die Heimreise nach dem letzten Gruppenspiel, außer es gelingt Mittwoch ein Sensationssieg über Brasilien.

Die FIFA reagierte auf die Vorfälle: Ein Verfahren gegen  Xhaka und Shaquiri, da Spielern politische Äußerungen während der WM verboten sind. Der Schweizer Verband kann sich aber eine Sperre seiner Torschützen nicht vorstellen. Gegen den serbischen Teamchef Mladen Kristajic wird wegen verbaler Attacken gegen Brych ermittelt.

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