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Werner, edler Meister des runden Leders

Seit April 2008 darf er sich „Werner, edler Meister des runden Leders“ nennen. Denn da wurde Werner Gregoritsch auf der Burg Kapfenberg zum Ehrenritter von Ober-Kapfenberg geschlagen. Grund war der erste Aufstieg nach 41 Jahren, den er als Trainer der Steirer unerwartet geschafft hatte. Zuvor war er beim Einstieg in die Trainerkarriere 2000 mit seinem Grazer Stammverein GAK Cupsieger, gewann den Supercup, qualifizierte sich zweimal für den UEFA-Cup. Dann führte er Mattersburg in die Bundesliga, schaffte den Klassenerhalt. Kapfenberg wurde zur Erfolgsstory,auch wenn einige Fans im April 2010 heftig protestierten, als er beim 1:1 gegen die Wiener Austria seinen 15jährigen Sohn Michael einwechselte. Als der mit seinem dritten Ballkontakt das Führungstor erzielte, verstummten die Pfiffe.

Mit 20.Jänner 2012 übernahm Gregoritsch nach einem Gespräch mit dem damaligen ÖFB-Sportchef Willi Ruttensteiner im Avita-Hotel von Bad Tatzmannsdorf  das U21-Team. Das Retourspiel am Dienstag Abend im Play-off gegen Griechenland in St.Pölten, bei dem erstmals die Qualifikation für die Europameisterschaft geschafft werden kann, ist bereits das 67. in seiner Ära, in der es nur 15 Niederlagen, aber 37 Siege gab.  Nach dem 1:0 von Saloniki am Freitag spricht nichts dagegen, dass es ein Highlight wird. Auf der Tribüne wird auch sein Sohn Michael die Daumen drücken. Inzwischen ist er Teamspieler, hat sich in der deutschen Bundesliga bei Augsburg gut in Szene gesetzt. Von seinem Trainer Manuel Baum bekam er die Sondererlaubnis, beim vielleicht größten Tag des Herrn Papa dabei zu sein. Der will gar nicht zu viel Aufhebens um seine Person machen: „Die U21 soll einen Stellenwert bekommen, den sie in Österreich zuvor noch nie hatte. Das ist mir das wichtigste.“ Wenn es gelingt, bei der  Europameisterschaft vom 16. bis 30. Juni 2019 in Italien dabei zu sein, wäre das gelungen. 81 Prozent der tipp 3-Kunden (unten die Quoten) rechnen mit einem Sieg.

Wird das erstmals geschafft,  dann wäre auch der  Stellenwert von Gregoritsch so groß,wie er sich das verdient. Vor einem Jahr stand er nicht auf der Liste des neuen Sportchefs Peter Schöttel, als es darum ging, den Nachfolger für Marcel Koller zu bestimmen. Den verständigen Ärger darüber hat er nie öffentlich gemacht, in sich rein gefressen, Unter der Devise, es allen zu zeigen. Ein ernster Kandidat war er im Frühjahr, als der damalige Austria-Sportdirektor Franz Wohlfahrt seine Liste für die violette Trainersuche präsentierte. Doch im Präsidium fiel dann die Entscheidung für Thomas Letsch, der AG-Vorstand Markus Kraetschmer möglicherweise besser zu Gesicht stand. Im Herbst schrieben viele die U 21 nach den Niederlagen in Russland und gegen Serbien in der Südstadt schon ab. Aber offenbar gelang es Gregoritsch, die „jetzt erst recht“-Reaktion darauf zu erzeugen. Seit November 2017 sind die Teamhoffnungen von morgen in der Qualifikation ungeschlagen. Seit Samstag läuft in St. Pölten die Rasenheizung, damit es nicht am Terrain liegen kann. Es ist angerichtet für den historischen Erfolg, mit dem die U 21 erstmals der Nationalmannschaft die Show stehlen kann. Und Werner, der edle Meister des runden Leders, noch einmal gekrönt wird. Vor den Augen von Franco Foda. Der ist nach Belfast vorerst nur deklarierter U 21-Fan und daher vor Ort in St.Pölten. Der Wunsch von Gregoritsch nach 3000 Zuschauern könnt sich erfüllen: Gesteern waren 2000 Karten weg!

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